Ein Foto von Fernando Albán | Bildquelle: CRISTIAN HERNANDEZ/EPA-EFE/REX/S

Venezuela Mysteriöser Tod eines Regierungsgegners

Stand: 10.10.2018 11:14 Uhr

In Venezuela soll der Oppositionelle Albán aus dem 10. Stock des Geheimdienstgebäudes gesprungen sein - so berichtet es die Regierung. Albáns Partei widerspricht: Er sei vorher schon tot gewesen.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Mit besonderer Inbrunst singen die Menschen, die sich vor dem Geheimdienstgebäude in Caracas versammelt haben, die venezolanische Nationalhymne - sie handelt von gesprengten Ketten und von Freiheit.

Wenige Stunden zuvor starb an diesem Ort der inhaftierte Oppositionspolitiker und Familienvater Fernando Albán. Die Umstände sind bisher ungeklärt.

Es sei Selbstmord gewesen, gab Generalstaatsanwalt Tarek William Saab schon kurz nach dem Vorfall bekannt: Vorläufige Ermittlungen hätten ergeben, dass Albán darum gebeten habe, auf die Toilette zu gehen. "Von dort ist er aus dem 10. Stock gesprungen. Sein Motiv werden wir mit Hilfe unserer Experten untersuchen, um alle Zweifel aus dem Weg zu räumen."

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Festnahme nach Rückkehr aus den USA

Seit Freitag wurde der Stadtrat Fernando Albán in dem Gebäude des Geheimdienstes Sebin festgehalten. Gleich nach seiner Rückkehr aus New York hatten ihn Sebin-Mitarbeiter am Flughafen festgenommen. Die Regierung von Nicolas Maduro warf ihm vor, er sei in den Drohnenanschlag auf den Präsidenten vor zwei Monaten verwickelt gewesen. In den USA hatte Albán Venezuelas Regierung beschuldigt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen.

Sein Anwalt Joel Garcia sagte kurz nach dem Tod seines Mandanten, er hege große Zweifel an der offiziellen Selbstmord-Version. "Bei jedem gewaltsamen Tod müssen die genauen Todesursachen geklärt werden", sagte er. "Der Generalstaatsanwalt hat aber sofort von einem Selbstmord gesprochen. Für uns, für Fernando Albáns Verteidiger und seine Familienangehörigen ist jetzt schon klar, welches Ergebnis die Untersuchung haben wird."

Menschen trauern in der Nationalversammlung um den verstorbenen venezolanischen Politiker Albán. | Bildquelle: dpa
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Menschen trauern in der Nationalversammlung um den verstorbenen Albán.

Keine unabhängige Justiz

Zweifel an der Justiz sind angebracht, sie arbeitet lange nicht mehr unabhängig. Die kritische Generalstaatsanwältin wurde vor einem Jahr ins Exil gezwungen, ihr Nachfolger ist treues Mitglied der sozialistischen Regierungspartei. Ebenfalls im Exil lebt der frühere Parlamentspräsident Julio Borges, der wie Albán zur oppositionellen Partei Primero Justicia gehört. Gemeinsam waren sie in New York, um dort auf die Situation in Venezuela aufmerksam zu machen.

Borges meint, die Todesumstände zu kennen. Die Behauptung Selbstmord sei unglaubwürdig, sagt er. "Selbst Leute des Geheimdienstes haben uns gesagt, dass Albán bereits tot war, als er aus dem Fenster fiel. Wir wissen von der Familie und den Anwälten, wie sehr er unter Druck gesetzt wurde. Er wurde entführt und grausam gefoltert, um der Opposition Angst zu machen."

Ein offizielles Untersuchungsergebnis steht noch aus, ebenso das Ergebnis einer Autopsie. Aus der ganzen Welt kommt Protest: Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte fordert unabhängige Ermittlungen, ebenso die US-Regierung und Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International. In der Region kam die schärfste Kritik von der Organisation Amerikanischer Staaten. Ihr Generalsekretär Luis Almagro twitterte, das folternde und mörderische Regime trage die Verantwortung für den Tod von Albán.

Venezuela - Mysteriöser Tod eines Regimegegners
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
10.10.2018 09:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Oktober 2018 um 14:00 Uhr.

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