Ein Mann sitzt in Caracas im Dunklen. | Bildquelle: REUTERS

Verdacht auf Sabotage Weite Teile Venezuelas ohne Strom

Stand: 11.03.2019 09:11 Uhr

Im Krisenstaat Venezuela ist seit mehreren Stunden der Strom ausgefallen. Grund ist offenbar eine Havarie am Guri-Stausee. Die Regierung geht von einem Sabotageakt aus. Präsident Maduro beschuldigt die USA.

Zur Hauptverkehrszeit ist es in Venezuela zu einem weitreichenden Stromausfall gekommen. In der Hauptstadt Caracas und in 22 der insgesamt 23 Bundesstaaten ist nach Medienangaben die Elektrizitätsversorgung zusammengebrochen.

In Caracas gab es ein Verkehrschaos, weil die U-Bahn und zahlreiche Ampeln ausfielen. Probleme gab es auch am Hauptstadtflughafen Simón Bolívar. Bewohner der Stadt versuchten vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen.

In Venezuela kommt es immer wieder zu Ausfällen in der Energieversorgung, allerdings bislang nicht in diesem Ausmaß. Venezuelas Energieminister Luis Motta führte den Vorfall auf einen Sabotageangriff auf das Wasserkraftwerk am Guri-Stausee zurück.

Der Guri-See gehört zu den größten Wasserkraftwerken der Erde. Er liefert bis zu 70 Prozent der Energie des südamerikanischen Landes. Nach Angaben von Motta ist er das "Rückgrat der Energieversorgung".

Beschuldigungen im politischen Machtkampf

Maduro selbst machte die USA für den Stromausfall verantwortlich. Im Kurzbotschaftendienst Twitter sprach er von einem "vom amerikanischen Imperialismus angekündigten und geführten Stromkrieg gegen unser Volk".

Seine Kritiker sehen in Korruption und mangelnden Investitionen in das Stromnetz die Gründe für die Ausfälle.

Allmählich wird im Land mit den größten Ölreserven der Welt auch das Benzin knapp. An Tankstellen stehen Menschen mit Kanistern stundenlang Schlange, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Seit die USA Ende Januar die staatliche venezolanische Ölgesellschaft PDVSA mit Sanktionen belegt haben, um Druck auf Präsident Maduro auszuüben, schwinden die Vorräte. Beobachter warnen, dass dies die Versorgungslage für die Menschen im Land weiter verschlechtern könne, weil Venezuela in erster Linie durch den Ölhandel Devisen erwirtschaftet.

Eine Tankstelle in der venezolanischen Hauptstadt Caracas hat dichtgemacht: Im ölreichsten Land der Welt wird das Benzin knapp. | Bildquelle: RAUL MARTINEZ/EPA-EFE/REX
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Eine Tankstelle in der venezolanischen Hauptstadt Caracas hat dichtgemacht: Im ölreichsten Land der Welt wird das Benzin knapp.

In dem einst reichen Land verfällt die Infrastruktur rasant. Zudem müssen Lebensmittel importiert werden und sind teuer, Medikamente sind knapp, die Währungsinflation schreitet weiter voran.

Zwischen Nicolas Maduro und dem Oppositionsführer Juan Guaidó tobt seit Monaten ein Machtkampf, in dessen Folge Maduro Hilfsgüter-Lieferungen aus dem Ausland blockierte. Guaidó hatte sich selbst zum Übergangspräsidenten ernannt und ist von den USA und vielen europäischen Staaten, auch von Deutschland, anerkannt worden.

Maas bekräftigt Sanktionspolitik gegen Maduro

Bundesaußenminister Heiko Maas bekräftigte zuletzt die Entschlossenheit der EU, Guaidó weiter zu unterstützen. "Schon beim letzten Treffen der Außenminister ist darüber gesprochen worden, dass der Zeitpunkt kommen kann, in dem auch weitere Sanktionen der Europäischen Union gegen das Maduro-Regime in Venezuela ergriffen werden müssen", sagte er im ZDF. "Wir wollen, dass es zu einer friedlichen Lösung kommt, dass der internationale Druck so hoch bleibt, dass letztlich auch das Maduro-Regime einlenkt." Ziel seien freie Wahlen.

Mit Informationen von Ann-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2019 um 05:30 Uhr.

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