Stromausfall in Caracas | Bildquelle: AFP

Stromausfall in Venezuela Kuriose Schuldzuweisungen nach Blackout

Stand: 11.03.2019 09:11 Uhr

Stromausfälle gibt es in Venezuela öfter, doch diesmal traf es das ganze Land. Die Maduro-Regierung wies die Menschen an, zu Hause zu bleiben. Sie wirft einem US-Senator eine Cyberattacke vor. Der reagierte mit Sarkasmus.

Wegen des massiven Stromausfalls sollen Schüler und Arbeitnehmer in Venezuela zu Hause bleiben. Der Unterricht falle heute aus, öffentlich und privat Beschäftigte müssten nicht an ihren Arbeitsstellen erscheinen, sagte Vizepräsidentin Delcy Rodríguez. Damit sollten die Reparaturarbeiten vereinfacht werden.

Gestern Nachmittag (Ortszeit) hatte es in dem Krisenland einen großflächigen Stromausfall gegeben, von dem fast alle Bundesstaaten betroffen waren. Auch in der Hauptstadt Caracas gab es keinen Strom. Dort gingen erst acht Stunden später die Lichter wieder an - zumindest teilweise, wie Reporter berichten.

Nur ein Mann sitzt in einem geschlossenen Lokal in einem Einkaufszentrum in Caracas. | Bildquelle: REUTERS
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Viele Geschäfte, wie dieses Lokal in einem Einkaufszentrum in Caracas, blieben geschlossen.

Kein Handel, keine Ampel, keine U-Bahn

Der Blackout legte das - durch die Krise ohnehin eingeschränkte - öffentliche Leben in dem Land praktisch komplett lahm. Handel und Geldgeschäfte waren vielfach nicht mehr möglich, da die meisten Transaktionen elektronisch mit Kartenzahlung erfolgen. Die Hyperinflation hat die Landeswährung Bolívar praktisch entwertet und das Bargeschäft erliegen lassen.

In Caracas gab es ein Verkehrschaos, weil die U-Bahn und Ampeln ausfielen. In einer Klinik im Osten der Hauptstadt versagten auch die Notstromaggregate. Bewohner der Stadt, die wegen der weit verbreiteten Kriminalität als eine der gefährlichsten der Welt gilt, versuchten vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen.

Menschen in Caracas drängen sich vor einem Bus | Bildquelle: dpa
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Weil die U-Bahn nicht fuhr, drängten sich viele Menschen vor den Bussen, die noch unterwegs waren.

Maduro: "Stromkrieg gegen unser Volk"

Die linksnationalistische Regierung von Präsident Nicolás Maduros und der staatliche Energiekonzern Corpoelec sprachen von einem "Sabotage"-Akt gegen das größte Wasserkraftwerk des Landes, Guri. Die Anlage zählt zu den größten in Lateinamerika. "Das ist Teil des Stromkrieges gegen den Staat", schrieb der Konzern im Kurzbotschaftendienst Twitter. Details zur mutmaßlichen Sabotage-Aktion nannte das Unternehmen nicht.

Maduro selbst machte die USA für den Stromausfall verantwortlich. Bei Twitter sprach der Linksnationalist von einem "vom amerikanischen Imperialismus angekündigten und geführten Stromkrieg gegen unser Volk".

Minister: "Befehle des US-Senators Rubio"

Kommunikationsminister Jorge Rodríguez erklärte, es handle sich um eine Cyberattacke. Rechte Extremisten, die Befehle des republikanischen US-Senators Marco Rubio aus Florida annähmen, steckten hinter dem Angriff und wollten das gesamte System aushebeln.

Die Regierung hat ihre Gegner schon in der Vergangenheit für Stromausfälle verantwortlich gemacht. Der diesmal als Drahtzieher angeprangerte Rubio flüchtete sich in Sarkasmus. "Ich muss auf der App 'Elektronischer Angriff', die ich von Apple heruntergeladen habe, das falsche Ding gedrückt haben. - Mein Fehler", twitterte er.

USA: "Maduros Politik bringt nichts als Finsternis"

Der selbsternannte Übergangsspräsident Juan Guaidó hingegen machte Maduros Regierung für den Stromausfall verantwortlich. "Das Volk weiß, dass das Licht kommt, wenn die unrechtmäßige Machtübernahme endet", schrieb er auf Twitter. Guaidó spricht Staatschef Maduro die Legitimation ab und will selbst die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Auch US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte Maduro, der von Washington nicht länger als rechtmäßiger Präsident anerkannt wird. "Maduros Politik bringt nichts als Finsternis", schrieb er auf Twitter. "Kein Essen, keine Medizin, jetzt auch kein Strom mehr. Bald: kein Maduro mehr."

22 Stunden nahezu flächendeckender Stromausfall in Venezuela
tagesthemen 21:45 Uhr, 08.03.2019, Xenia Böttcher, ARD Mexico City

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Preise für Strom sehr günstig

Stromausfälle gehören in Venezuela nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs beinahe zum Alltag. Vor allem im Westen des Landes fällt seit Jahren immer wieder der Strom aus. In Caracas und anderen Landesteilen sind die Ausfälle - insbesondere von solch enormem Ausmaß - dagegen eher selten.

Venezuela ist für sein Stromnetz einst in Lateinamerika beneidet worden. Wegen jahrelang vernachlässigter Wartung und schlechter Verwaltung verfiel es aber. Die Preise für Strom sind in Venezuela sehr niedrig, sie betragen nur ein paar Dollar im Monat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2019 um 14:00 Uhr.

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