Auch diese Apres-Ski-Bar muss verrammelt bleiben. | Bildquelle: AFP

Corona-Regeln in Österreich Piste ohne Party

Stand: 24.09.2020 17:06 Uhr

Wer zum Wintersport nach Österreich fährt, muss in dieser Saison auf Après-Ski verzichten. Die Regierung in Wien hat das ausgelassene Feiern wegen der hohen Corona-Infektionszahlen verboten.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat ein Ende der bisherigen Form des Après-Ski in der kommenden Wintersaison angekündigt. "Was nicht möglich sein wird, ist Après-Ski in der Art und Weise, wie wir das aus der Vergangenheit kennen", sagte Kurz in Wien. Die Ansteckungsgefahr sei schlicht zu hoch. "Für alle Wintersport-Fans gilt daher klar: Skivergnügen ja, aber ohne Après-Ski."

Der Bundeskanzler verwies auf die derzeit hohe Anzahl der Neuinfektionen im Land, die eine Gefahr für die Gesundheit und für die Wirtschaft seien. 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hingen direkt oder indirekt am Tourismus. Dieser Wirtschaftszweig sei Teil "unserer Identität", sagte Kurz.

Mehr als 830 Neuinfektion pro Tag

"Hohe Infektionszahlen führen zu Einschränkungen, hohe Infektionszahlen führen zu Reisewarnungen. Hohe Infektionszahlen führen zu einem niedrigeren Konsum", so der ÖPV-Politiker. "Hohe Infektionszahlen können im schlimmsten Fall zu einem Lockdown führen, und all das gefährdet Arbeitsplätze."

So liege die Zahl der Neuinfektionen derzeit bei 832 pro Tag, davon über die Hälfte in Wien. In anderen Bundesländern wie etwa Kärnten seien die Zahlen deutlich niedriger.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) nannte Details der Maßnahmen für die Wintersaison. Wie bereits seit mehreren Monaten sei in den Seilbahnen und Gondeln der Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben. Die Mindestabstand von einem Meter beim Betreten der Seilbahnen müsse eingehalten werden. Im Innen- und Außenbereich von Restaurants und in der übrigen Gastronomie dürften Speisen und Getränke nur im Sitzen konsumiert werden.

„Das dichtgedrängte Stehen, Tanzen, Singen in kleinen Bars oder unter Schirmen - das ist ein potentieller Infektionsherd ", sagte Köstinger. "Davon nehmen wir im Winter Abstand."

Tirol hängt vom Tourismus ab

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hob auf einer gemeinsamen Pressekonferenz die Bedeutung des Tourismus für Tirol hervor. Ein Drittel aller Übernachtungen finde in seinem Bundesland statt. Auch in seinem Bundesland gebe es "zu viele Neuinfektionen". Umfragen zufolge erwarteten 80 Prozent der Gäste ein "klares Sicherheitskonzept". In der Wintersaison könne Tirol nur dann Erfolg haben, so Platter, "wenn wir den Gästen sagen können, bei uns seid ihr sicher, wir sorgen für euer Sicherheit und Gesundheit."

Der österreichische Verbraucherschutzverein und im Skiort Ischgl Infizierte hatten zuvor Klagen gegen die Republik Österreich und das Bundesland Tirol eingereicht. Auf die Frage, warum es ihm so schwerfalle, sich für Ischgl und die Folgen zu entschuldigen, sagte der Tiroler Landeshauptmann: "Es tut mir leid, sehr leid, dass sich so viele infiziert haben und dass wir auch Todesfälle haben. Aber bei einer Pandemie kann nicht eine Person die Schuld auf sich nehmen."

Bundeskanzler Kurz wollte sich zu den Klagen nicht äußern.

Österreichs Regierung stellt Konzept für den Wintertourismus vor
Clemens Verenkotte, BR, Wien
24.09.2020 16:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 24. September 2020 B5 aktuell um 16:51 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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