Besucher betrachten Kunst von Markus Lüpertz in Wuhan City, China, am 12.09.2017 | Bildquelle: picture alliance / Tang Maika/Imaginechina/dpa

Kunstmarkt in China Ein Maler wird zum Detektiv

Stand: 19.11.2019 18:49 Uhr

342 Werke von deutschen Künstlern der Gegenwart wie Anselm Kiefer, Renate Graf und Markus Lüpertz sind in China verschollen. Der Maler Lüpertz ist nun selbst nach China gereist, um seine Werke zu finden.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Ein echter Kunst-Krimi: 342 Werke von Markus Lüpertz, Anselm Kiefer und Renate Graf sind in China verschwunden. Der Maler, Grafiker und Bildhauer Markus Lüpertz, einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart, ist zurzeit selbst in China, weil er sich Sorgen um seine Arbeiten macht.

342 Werke sind verschwunden

Seit 2016 sind die Werke aus der MAP-Sammlung an die Hamburger Kunstfirma Bell Art GmbH verliehen, die aber mittlerweile pleite ist. Die Kunstwerke wurden in mehreren chinesischen Städten präsentiert, unter anderem in Peking, Shanghai und Wuhan. Jetzt sind die verschwunden.

Ein echter Lüpertz ist in einem Fünf-Sterne-Hotel in Peking: Er trägt rosa Hemd mit großem weißem Kragen, eine schwarze Krawatte, Spitzbart und den obligatorischen Gehstock. Der deutsche Künstler Markus Lüpertz ist nach China gekommen, um seine verschollenen Bilder zu suchen.

Der Künstler Markus Lüpertz im September 2019 | Bildquelle: AP
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Der Künstler Markus Lüpertz sucht seine verschwundenen Werke in China

Lüpertz sagt: Er mache sich echte Sorgen um seine Arbeiten. Es seien aus jeder Epoche wichtige Werke dabei. Vornehmlich sei das Hauptproblem, dass sie nicht wissen, wo sich die Arbeiten befinden und ob sie den nötigen Schutz und Pflege hätten.

Die Geschichte ist kompliziert. Die Werke gehören Maria Chen-Tu, einer Deutschen mit taiwanesischen Wurzeln. Sie hat aus ihrer Sammlung 342 Kunstwerke von Lüpertz, Anselm Kiefer und Renate Graf an einen Herrn Ma Yue verliehen. Ein chinesischer Geschäftsmann mit einer Firma in Hamburg, die aber mittlerweile pleite ist. Er sollte dafür sorgen, dass die Kunstwerke in Chinas Museen gezeigt werden. Das hat er anfangs auch getan: es gab mehrere Ausstellungen für moderne deutsche Kunst mit den Arbeiten aus der Sammlung von Maria Chen-Tu.

Die Sammlerin erklärt, sie habe ihn gebeten, alle Werke der MAP-Sammlung, die sich in China befinden, in ihr Lager in Hongkong zu bringen. Dieser Bitte sei Yue nicht nachgekommen, sie habe ihm mehrere Fristen gesetzt. Er habe die Fristsetzung immer wieder ingnoriert. Aus diesem Grund habe sie am 3. Juli in Peking die Strafanzeige wegen Betrugs gestellt. Seither habe sie keinerlei Nachricht bezüglich der Sachlage von der Behörde erhalten.

Wer ist das schwarze Schaf?

Die Kunstwerke sind verschollen. Nach Meinung von Sammlerin Chen-Tu und Künstler Lüpertz ist Geschäftspartner Yue das schwarze Schaf. Er habe die Prämien für Versicherungen nicht bezahlt, er behalte die Kunstwerke ein und verschweige Details zur aktuellen Lagerung.

Yue wiederum behauptet, der mündlich abgeschlossene Leihvertrag über die Arbeiten von Lüpertz, Kiefer und Graf gelte für zehn Jahre. Per Telefon meldet er sich aus Shanghai. Er erklärt: "Erstens haben wir das Recht, die Kunstwerke auszustellen, zu präsentieren und den Verkauf dieser Arbeiten anzubieten. Wir haben in diese Ausstellungen investiert, damit Sammler und interessierte Käufer auf die Kunstwerke aufmerksam werden. Aber Frau Chen-Tu bricht jetzt Vereinbarungen, weil sie das kommerzielle Ziel hat, selbst diese Kunstwerke zu verkaufen.“

Unklare Rechtslage

Das bestreitet wiederum Chen-Tu. Während die Kunstsammlerin den Sachverhalt wenig präzise erläutert und angebliche Beweise an die Wand wirft, greift Künstler Lüpertz zum Bleistift und zeichnet mit schnellen Strichen auf den hoteleigenen Papierblock. Der Skandal um seine Arbeiten nervt ihn sichtbar, er ist extra deshalb nach China gereist.

Nach Aussagen von Markus Lüpertz erschwere die unklare Rechtslage die Situation. Frau Chen-Tu sei die Eigentümerin, aber da sie die Kunstwerke quasi freiwillig an den Sammler Herrn Ma Yue übergeben habe, sei er offensichtlich der Besitzer. Das sei das Problem. Der geistige Eigentümer der Werke sei aber immer noch er selbst.

Der ganze Fall ist absurd: verschwundene Kunstwerke im Wert von rund 300 Millionen Euro, dazu rätselhafte Protagonisten und eine Mischung aus Naivität, krimineller Energie und sich widersprechenden Aussagen. Ein Krimi aus der Kunstszene, der noch nicht zu Ende ist. Ein Teil der Werke soll in Hongkong sein - geöffnet wurden die Kisten bislang nicht.

Der verschwundene Kunstschatz: Lüpertz sucht in China seine Werke
Axel Dorloff, ARD Peking
19.11.2019 15:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 19. November 2019 um 08.08 Uhr.

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