Das neue VW-Werk in Kigali | Bildquelle: REUTERS

VW in Ruanda Vom Käfer zu Carsharing

Stand: 27.06.2018 17:02 Uhr

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Völkermord in Ruanda hat Volkswagen ein Werk in dem ostafrikanischen Land eröffnet. Dort will der Konzern auch Konzepte zur Mobilität der Zukunft entwickeln.

Von Sabine Bohland, ARD Nairobi

Albert Asimba kennt sich gut aus mit Autos, auch mit deutschen Marken. Er ist Chefmechaniker in einer großen Werkstatt in Ruandas Hauptstadt Kigali. Asimba ist auf Elektronik spezialisiert. Es gibt kein Problem, das er nicht lösen könnte.

Er freut sich, dass Volkswagen heute ein Werk in Ruanda eröffnet. "Das heißt, dass die Welt da draußen sieht, dass in diesem Land etwas besonderes ist", sagt er. "Wenn ein großer Konzern wie Volkswagen herkommt, dann trägt das dazu bei, dass die Menschen hier mehr Vertrauen in sich selbst haben."

VW eröffnet Werk in Ruandas Hauptstadt Kigali
tagesthemen 22:00 Uhr, 27.06.2018, Sabine Bohland, ARD Nairobi

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Ruanda gehörte neben Kenia, Tansania und Äthiopien zu den Ländern, mit denen Volkswagen über ein Engagement verhandelt hat. "Ruanda war das Land, das am lautesten 'hier' geschrien hat", sagt Thomas Schäfer, Geschäftsführer von Volkswagen Südafrika. "Man hat hier extrem professionell mit uns zusammen gearbeitet, um etwas Neues zu entwickeln und aus dieser Rhetorik, Afrika sei arm und brauche keine Autos, ein Stück weit rauszukommen."

Ein Mann putzt ein VW-Logo am neuen VW-Werk in Kigali | Bildquelle: REUTERS
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Rund 20 Millionen US-Dollar kostet VW das Engagement in Ruanda.

Einzelne Fahrten statt eigenes Auto

Das Neue nennt sich "Mobility Solutions" und geht von der Tatsache aus, dass nicht jeder sich in Afrika ein neues Auto für rund 20.000 Euro leisten kann, wohl aber einzelne Fahrten. Die meisten der neuen Polos und Passats, die künftig in Kigali zusammengebaut werden, sollen für Carsharing und Ride Hailing eingesetzt werden, eine Art Taxidienst. Gesteuert wird all dies mit einer App, die ein ruandisches Startup entwickelt hat.

Schäfer möchte langfristig noch einen Schritt weitergehen. "Wir haben in Afrika die Möglichkeit, Entwicklungsstufen zu überspringen, wenn ich das Thema E-Mobilität anschaue", glaubt er. "Afrika hat eine Sache in absoluter Menge, und das ist Sonne. Trotzdem fahren wir Kraftstoffe mit Schiffen aus dem Nahen Osten nach Mombasa. Und von dort aus Tausende Kilometer in ein Land wie Ruanda." Das koste nicht nur viel Geld, sondern schade auch der Umwelt. Ruanda soll also in vielerlei Hinsicht ein Testland für den deutschen Konzern werden.

Blick in das neue VW-Werk in Ruanda | Bildquelle: Sabine Bohland
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Im neueröffneten VW-Werk sollen Polos und Passats vom Band laufen.

Blick in das neue VW-Werk in Kigali | Bildquelle: REUTERS
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Viele der Autos sollen für Car Sharing und Ride Hailing eingesetzt werden.

Vom Kriegsschauplatz zum saubersten Land Afrikas

Für das Elf-Millionen-Land selbst ist die Eröffnung des VW-Werks ein weiterer kleiner Befreiungsschlag. 1994 hätte vermutlich niemand gedacht, dass solch ein Ereignis einmal die Schlagzeilen aus Ruanda bestimmen würde. Damals war Ruanda zwar in aller Munde, aber für eines der dunkelsten Kapitel seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Völkermord der Hutu an den Tutsi forderte rund 800.000 Menschenleben.

Beendet wurde das Schlachten durch den Mann, der heute Präsident des Landes ist und der bei der vergangenen Wahl mit nahezu 100 Prozent aller Stimmen wiedergewählt wurde: Paul Kagame. Diszipliniert und streng führt er sein Land. Zwischen den beiden Volksgruppen darf offiziell nicht mehr unterschieden werden, alle sind nun einfach "Ruander".

Politische Opposition hat es nicht leicht in der "Schweiz Afrikas". Als erstes Land in Afrika hat Ruanda schon vor Jahren Plastiktüten verboten. Problemlos gewinnt Ruanda den Titel als sauberstes afrikanisches Land. Und der Präsident hegt eine Vorliebe für Innovationen und das Internet.

Genozid-Gedenkstätte in Ruanda | Bildquelle: Sabine Bohland
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Im ruandischen Bürgerkrieg starben rund 800.000 Menschen.

"Kein Abladeplatz für Gebrauchtwagen"

Bei der Eröffnungszeremonie erzählt Kagame von seinen Kindheitserinnerungen, als er in einem VW-Käfer durch die Stadt fuhr. "What goes around, comes around", sagt er und das Publikum lacht. Ernst wird er, wenn er vom Image Afrikas spricht. "Der Kontinent sollte kein Abladeplatz für Gebrauchtwagen sein oder für irgendetwas anderes Gebrauchtes", sagt er dann. "Der Preis, den wir dafür zahlen, ist am Ende viel höher." Bereits vor zwei Jahren hat die Regierung die Einfuhr von Second-Hand-Kleidung verboten, sehr zum Ärger der USA.

Investoren hingegen heißt Ruanda willkommen, so wie Volkswagen. Das Engagement in dem kleinen ostafrikanischen Land war für den Riesenkonzern gar nicht mal so teuer. Die Investitionssumme betrug 20 Millionen US-Dollar, tausend Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, tausend Fahrzeuge im ersten Jahr zusammengebaut werden.

Käfer in Kunstgalerie in Kigali | Bildquelle: Sabine Bohland
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Präsident Kagame fuhr als Kind im VW-Käfer durch Kigali. Heute stehen die Oldtimer in Kunstgalerien.

Gegen den Brain Drain

Darüber hinaus will Volkswagen die Ruander schulen. Geplant ist eine Technische Akademie. Ruandas Interesse dabei ist für Michaella Rugwizangoga, die Geschäftsführerin des neuen Werks, klar: "Brain Drain, also die Abwanderung qualifizierter Leute, steht bei unserer Regierung ganz oben auf der Agenda. Sie will sicherstellen, dass junge Menschen, die gut ausgebildet sind, bleiben, beziehungsweise wiederkommen."

Sie selbst hat in Deutschland studiert. Vor fünf Jahren kam sie zurück, weil sie mithelfen will, Ruanda nach vorne zu bringen. Das geht ihrer Meinung nach am besten, wenn die Privatwirtschaft sich engagiert und in Ruanda, aber auch in anderen afrikanischen Ländern, investiert. "Das ist der Schlüssel für die Entwicklung des Kontinents", sagt Rugwizangoga.

Deutsche Autos aus Ruanda: VW-Werk in Kigali eröffnet
Linda Staude, ARD Nairobi
28.06.2018 09:08 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Juni 2018 um 22:00 Uhr.

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