Die Helfer in Griechenland sind vom Ausmaß der Waldbrände überfordert. | Bildquelle: AFP

Griechenland Anklage nach verheerenden Waldbränden

Stand: 06.03.2019 16:20 Uhr

War es eine unvermeidbare Naturkatastrophe oder doch tödlicher Leichtsinn? Die griechische Justiz hat nach dem verheerenden Waldbrand bei Athen Anklage gegen 20 Personen erhoben. Ihnen drohen lange Haftstrafen.

Die Vorwürfe sind gravierend: Fast acht Monate nach schweren Waldbränden bei Athen mit 100 Toten hat die griechische Justiz insgesamt 20 Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Neben dem mutmaßlichen Brandstifter sind Feuerwehrleute, Polizisten, Bürgermeister und andere Politiker unter den Angeklagten. Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunksender ERT weiter berichtete, drohen ihnen bei einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Entstanden war das Feuer am 23. Juli 2018. Die Anklagebehörde ist sich nun sicher, dass ein 65-jähriger Anwohner auf einem Hügel oberhalb des Katastrophengebietes vertrocknete Zweige angezündet hatte, um sie zu beseitigen. Danach soll er versäumt haben, die Feuerstelle richtig zu löschen.

Starke Winde fachten das im Unterholz noch brennende Feuer an. Eine Feuerwalze fegte anschließend über das Feriengebiet östlich von Athen. 100 Menschen starben, viele von ihnen verbrannten bei lebendigem Leib. Mehr als 4000 Häuser wurden zerstört oder stark beschädigt.

Brandschäden in Griechenland | Bildquelle: dpa
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Auch durch den beliebten Badeort Mati zog im vergangenen Juli die Feuersbrunst.

Wetterexperten mit eigener Sicht

Die Justiz wirft den angeklagten Verantwortlichen vor, versäumt zu haben, rechtzeitig die Evakuierung der betroffenen Regionen anzuordnen. Es habe zudem schwere Koordinationsprobleme der Kräfte gegeben, die für die Löscharbeiten verantwortlich waren. Wetterexperten sind sich allerdings ebenso sicher, dass nur durch den außergewöhnlich heftigen Wind die Katatastrophe für so viele Menschen tödlich wurde.

Wie ARD-Korrespondent Michael Lehmann berichtet, dürfte das Gerichtsverfahren langwierig und aufwändig werden. Es wird vermutlich erst in einigen Monaten beginnen.

Einer der Angeklagten, der Bürgermeister der Hafenstadt Rafina, zeigte sich nach der Anklageerhebung gelassen. "Ich vertraue der Justiz", sagte er. "Es war eine Naturkatastrophe, die niemand stoppen konnte."

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Brände in Griechenland (Juli 2018)

Menschen flüchten sich in Mati ins Meer

Wer konnte flüchtete sich bei dem verheerenden Feuer am 23. Juli in Mati ans Ufer des Meeres und wartete auf Hilfe. | Bildquelle: REUTERS

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 06. März 2019 um 15:13 Uhr.

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