Eine Frau sieht zu, wie das Bobcat Fire in Juniper Hill, Kalifornien, brennt | Bildquelle: AP

Tausende US-Amerikaner fliehen Die Westküste brennt

Stand: 22.09.2020 08:53 Uhr

Viele Menschen sind Brände an der US-Westküste gewohnt - doch so nah kamen die Flammen noch nie. Tausende fliehen mit dem Nötigsten in Camps. Inmitten der Corona-Pandemie trifft sie die Krise besonders hart.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"Wir hatten keine Zeit. Wir bekamen die Warnung, packten Tierfutter, Kleidung und gingen einfach." Shayanne hält ihren kleinen weißen Welpen auf dem Arm, im Zelt hinter ihr schlafen drei Katzen. Sie und ihr Partner haben Schutz in einem improvisierten Evakuierungscamp des Vereins Elk Lodge in Milwaukie in Oregon gefunden. Zwei Brände hätten ihr Haus bedroht. Ob es noch steht, wissen sie nicht. Nie sei sie einem Feuer so nah gekommen, das nicht ein kleines nettes Lagerfeuer gewesen sei, sagt sie.

Flucht in die Camps

Etwa 500.000 Menschen in Oregon wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen - Tausende folgten dieser Anweisung. Nun verteilen sie sich in verschiedene Camps in dem Bundesstaat.

Viele kämen hierher mit nichts, sagt Scott White, Vereinspräsident und derzeit vor allem Katastrophenkoordinator. "Wir haben auf unserer Webseite gefragt, wer helfen kann mit Kissen, Schlafsäcken und so weiter. Der Rücklauf war überwältigend. Wir haben ein Gebäude voll mit Hilfspaketen."

Der soziale Kit, hier im ländlichen Oregon, funktioniert offenbar. Viele private Vereine oder Kirchen helfen jetzt mit, die vielen Feuerflüchtlinge zu versorgen. 

Giftiger Geruch in den Großstädten

Die Brände an der Westküste werden in diesem Jahr als die schlimmsten seit der Wetteraufzeichnung in die Geschichtsbücher eingehen. Mehr als 400.000 Hektar wurden allein in Oregon verbrannt - in nur einer einzigen Woche. Die Brände haben fast die komplette Westküste der USA tagelang in dichten Rauch gehüllt.

Seattle, Portland und San Francisco gehörten zeitweise zu den Städten mit der schlechtesten Luftqualität weltweit. "Farbe, Plastik, Autos, Reifen verbrennen dabei - ein giftiger Geruch liegt in der Stadt", erzählt John Kent Harrison. Er lebt in Portland, weit weg von den Feuern, die Stadt war trotzdem tagelang in einen dichten weiß-gelben Nebel getaucht.

Trump: "Es wird kühler"

Präsident Donald Trump hatte bei seinem Besuch in Kalifornien gesagt, es werde schon kühler werden und den Klimawandel als Faktor für die Brände damit abgetan. John sagt, er könne die Ignoranz gegenüber der Wissenschaft einfach nicht verstehen. 

Ein paar Kilometer weiter, in Clackamas County, stehen Dutzende Wohnwagen auf einem Gelände der Sieben-Tages-Adventisten, einer Kirchengemeinde. Auch dies ein improvisiertes Camp für Menschen, die vor den Bränden fliehen mussten. 

Manche allerdings hatten schon vorher kein Haus, in das sie zurückkehren können, so wie Nathan und Ashley, die in ihrem schrottreifen Camper leben. "Wir sind schon seit vier Monaten obdachlos, wir suchen nach einem Platz zum Leben - seitdem warten wir auch auf unser Arbeitslosengeld. Die Coronavirus-Krise hat uns zugesetzt, wir haben fünf Kinder und nicht alle sind gerade hier bei uns. Es ist nervenaufreibend."

Kaum Besserung in Sicht

Wer wie die beiden schon vorher Probleme hatte und am Existenzminimum lebt, den trifft die Krise noch härter. Auf dem Platz der Kirchengemeinde erhalten Nathan und Ashley so wie ihre Kinder zumindest warme Mahlzeiten und ein wenig Ablenkung, solange das Lager eben noch auf hat. Mittlerweile hat Regen eingesetzt - löschen kann er die Feuer kaum, aber die Situation zumindest nicht weiter verschlimmern, so die Hoffnung der Brandbekämpfer und Hausbesitzer.

Bruce und seine Frau hingegen bereiten sich darauf vor, das Camp zu verlassen. Auch sie haben in ihrem eigenen Campingwagen übernachtet, samt Papagei. Sie hoffen, dass ihr Haus noch steht. Er sei trotzdem ängstlich und fühle sich hilflos, sagt Bruce. Was würde passieren, wenn das Haus beschädigt oder niedergebrannt ist? "Wir sind wahrscheinlich unterversichert, wir würden uns davon nicht mehr erholen können. Ich habe meiner Frau schon gesagt, wenn das der Fall ist, verkaufen wir alles und ziehen nach Costa Rica."

Feuer an US-Westküste brennen weiter
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
22.09.2020 07:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. September 2020 um 05:23 Uhr.

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