Die Eltern des verstorbenen Studenten Warmbier | Bildquelle: AP

Nach Gipfel in Hanoi Trump empört Warmbiers Eltern

Stand: 01.03.2019 18:23 Uhr

US-Präsident Trump hat mit seiner Äußerung zum Fall des Studenten Warmbier für Empörung gesorgt. Nun widersprachen ihm auch dessen Eltern und beschuldigten Nordkoreas Diktator Kim, verantwortlich zu sein.

Die Eltern des gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier haben einer Aussage von Präsident Donald Trump widersprochen und den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un für den Tod ihres Sohnes verantwortlich gemacht.

"Kim und sein teuflisches Regime sind für den Tod unseres Sohnes Otto verantwortlich", hieß es in einer Mitteilung von Fred und Cindy Warmbier, die mehrere US-Medien verbreiteten. "Keine Ausreden oder überschwängliches Lob können daran etwas ändern", hieß es darin.

Trump glaubt Kim

Trump hatte nach dem Gipfel mit Kim in Vietnam gesagt, er gehe davon aus, dass der nordkoreanische Machthaber nichts von der Inhaftierung Warmbiers gewusst habe. Trump sagte über Kim: "Er sagt mir, dass er nichts davon wusste, und ich werde ihn beim Wort nehmen".

"Was geschehen ist, ist furchtbar. Ich glaube wirklich, dass ihm (Warmbier) etwas Furchtbares geschehen ist, und ich glaube wirklich nicht, dass die oberste Führung davon etwas wusste." Trump deutete an, dass Kim nicht über alle Gefangenen in seinem Land Bescheid wissen könne. "Großes Land, viele Leute. Und in diesen Gefängnissen und diesen Lagern hat man viele Leute."

Trump hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach Aussagen von Autokraten mehr Glauben geschenkt als seinen eigenen Geheimdiensten - etwa der saudischen Königsfamilie im Zusammenhang mit der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei dessen Beteuerung, sich nicht in die US-Wahl 2016 eingemischt zu haben.

Otto Warmbier bittet im Frühjahr 2016 auf einer Pressekonferenz in Nordkorea unter Tränen um Verzeihung und Gnade. | Bildquelle: AFP
galerie

Otto Warmbier bittet im Frühjahr 2016 auf einer Pressekonferenz in Nordkorea unter Tränen um Verzeihung und Gnade.

Warmbier war 2017 nach knapp eineinhalb Jahren Haft in Nordkorea schwer gezeichnet in die USA zurückgekehrt und bald darauf gestorben. Der US-Student war während einer Nordkorea-Reise Anfang 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. In nordkoreanischer Haft fiel er unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich von Nordkorea freigelassen. Wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA im Juni 2017 starb Warmbier.

Ein US-Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert wurde. Die Führung in Pjöngjang hatte dagegen jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten.

"Abscheuliche Äußerungen"

Mit seinen Worten über Warmbier hatte Trump Empörung in den USA ausgelöst. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, der Demokrat Adam Schiff, nannte die Äußerungen des republikanischen Präsidenten "abscheulich". Der republikanische Senator Rob Portman - der seit dem Geschehen rund um Warmbier mit der Familie in Kontakt steht - sagte: "Wir sollten Nordkorea niemals damit davonkommen lassen, was sie ihm angetan haben."

Gipfeltreffen von Trump und kIm in Hanoi | Bildquelle: AFP
galerie

Gipfeltreffen von Trump und Kim in Hanoi: Trumps Verteidigung des nordkoreanischen Staatschefs im Fall Warmbier sorgt für Empörung.

Kritik von Ex-UN-Botschafterin Haley

Auch Trumps frühere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, schlug sich auf die Seite von Warmbiers Hinterbliebenen, die davon ausgehen, dass ihr Sohn in Nordkorea gefoltert wurde. "Die Amerikaner wissen von der Grausamkeit, die Otto Warmbier durch das nordkoreanische Regime erfahren hat. Unsere Herzen sind bei der Familie Warmbier, ihrer Stärke und ihrem Mut. Wir werden Otto niemals vergessen."

Der demokratische US-Senator Mark Warner schrieb auf Twitter: "Die Diktatoren der Welt haben die Botschaft bekommen: Du kannst mit allem davonkommen, solange du danach Donald Trump belügst." Warners Partei- und Senatskollege Tim Kaine äußerte sich ähnlich.

Trauerfeier für Otto Warmbier | Bildquelle: AFP
galerie

Mehrere Tausend Menschen haben im US-Bundesstaat Ohio an der Trauerfeier für den nach seiner Freilassung aus nordkoreanischer Haft verstorbenen Studenten Otto Warmbier teilgenommen. Die Feier fand in der früheren Schule Warmbiers statt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2019 um 19:00 Uhr.

Darstellung: