Manfred Weber und Jean-Claude Juncker | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mögliche Nachfolge Junckers Weber steht bereit

Stand: 05.09.2018 07:14 Uhr

Der CSU-Politiker Weber will sich nach Informationen des ARD-Studios Brüssel für die Spitzenkandidatur der Konservativen bei der Europawahl bewerben. Heute will er eine Erklärung abgeben.

Von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Bis zu den Europawahlen, im Mai 2019, ist noch ein wenig Zeit. Aber schon jetzt beginnt sich das Personalkarussell in Brüssel zu drehen. Ende vergangener Woche hieß es aus Berlin, Bundeskanzlerin Merkel unterstütze die Bewerbung des CSU-Politikers Manfred Weber um die Spitzenkandidatur der europäischen Konservativen. Für heute nun hat der Chef der stärksten Fraktion im EU-Parlament, EVP, kurzfristig eine persönliche Presserklärung angekündigt - einen Tag bevor offiziell die Bewerbungsfrist beginnt.

Auch wenn man das angekündigte Statement natürlich abwarten muss - viel Phantasie braucht man nicht, um zu erraten, was CSU-Vize Manfred Weber der Presse nach der Fraktionssitzung verkünden wird. Schon seit geraumer Zeit pfeifen es die Spatzen in Brüssel von den Dächern, dass der 46-jährige Niederbayer Ambitionen hat, sich um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Juncker zu bewerben. Im kleinen Kreis, vor Parteifreunden, soll sich Weber auch schon entsprechend geäußert haben, wie das ARD-Studio Brüssel aus verlässlicher Quelle erfuhr.

Öffentlich hatte sich der stets vorsichtig agierende EVP-Fraktionsführer in Sachen Spitzenkandidatur bisher bedeckt gehalten. Weber ist damit der erste offizielle Bewerber. Die Meldefrist endet im Oktober.

Auch Orban und Kurz für Weber

Was Weber noch fehlte, um seinen Hut in den Ring zu werfen, war unter anderem die Rückendeckung der Kanzlerin. Erst vergangene Woche hatte es aus Berlin geheißen, Angela Merkel habe "keine grundsätzlichen Einwände" gegen die Kandidatur des liberalen CSU-Manns. Dafür habe sie den Plan aufgegeben, Bundesbankpräsident Weidmann an die Spitze der Europäischen Zentralbank zu hieven. Als mögliche Favoriten Merkels für einen Posten in der Kommission hatten bis vor kurzem die CDU-Minister Altmaier und von der Leyen gegolten, die ihr ebenfalls politisch nahestehen.

Wie man hört, sollen sich auch andere europäische Regierungschefs aus dem christdemokratischen Lager, wie der Ungar Orban oder der Österreicher Kurz, für Weber ausgesprochen haben. Dass der als "Anti-Söder" geltende Chef der konservativen EVP-Fraktion am Ende das Rennen macht, ist trotz allem nicht garantiert.

Zum einen droht ihm parteiintern starke Konkurrenz. Erwartet wird, dass auch der finnische Ex-Premier Stubb und der derzeitige Brexit-Verhandler Barnier antreten, um Kommissionspräsident zu werden. Zum anderen hängt ein Erfolg von der Bereitschaft der Mitgliedsstaaten ab, einen Deutschen für das einflussreiche Amt vorzuschlagen und davon, ob Webers Partei auch im neuen EU-Parlament eine absolute Mehrheit für ihren Spitzenkandidaten organisieren kann.

Weber will offenbar als Juncker-Nachfolge kandidieren
Holger Romann, ARD Brüssel
04.09.2018 23:06 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 05. September 2018 die tagesschau um 05:30 Uhr sowie um 06:30 Uhr und Deutschlandfunk um 06:18 Uhr.

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