Herstellung von Baumschmuck in Yiwu | Bildquelle: Steffen Wurzel

Chinas Deko-Produktion Weihnachten kann kommen

Stand: 22.08.2020 11:09 Uhr

Rund 60 Prozent aller weltweit produzierten Weihnachtsdeko-Artikel kommen aus der ostchinesischen Stadt Yiwu. Die Corona-Krise hat dort für spürbare Einbußen gesorgt. Waren-Lieferungen nach Europa seien aber nicht in Gefahr, betonen Vertreter der Branche.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Yiwu

Die Stadt Yiwu wirkt wie ein riesiges Messegelände. Im Zentrum der rund 250 Kilometer südlich von Shanghai gelegenen Stadt stehen mehrere mehrstöckige Hallen mit jeweils Tausenden kleinen Geschäften. Dort wird quasi alles gehandelt, was in China hergestellt und weltweit verkauft wird.

Berühmt ist Yiwu für seine Weihnachtsartikel-Industrie: von Christbaumkugeln, Plastikweihnachtsbäumen bis zu Schneekugeln mit eingebauter Spieluhr. Nach chinesischen Medienberichten kommen rund 60 Prozent aller weltweit gehandelten Weihnachtsartikel aus Yiwu. Angesichts der Corona-Krise läuft das Geschäft dieses Jahr aber eher schlecht.

Weihachtsschmuck in Yiwu | Bildquelle: Steffen Wurzel
galerie

Weihnachten das ganze Jahr - im ostchinesischen Yiwu ist das so.

Online-Geschäft statt Handelsvertreter

In asiatischen Ländern gebe es noch genügend Nachfrage, aber was Europa angehe, sehe es eher schlecht aus, sagt Händlerin Jin Fengxuan. Sie steht in ihrem kleinen Geschäft, um sich herum zweieinhalb Meter hohe Regale, die vollgepackt sind mit Krippen, Engeln und Elchen aus hellem Holz. Was nach Laubsäge-Arbeiten aus dem Erzgebirge oder aus Lappland aussieht, ist Made in China, genauer gesagt Made in Yiwu.

"Wir liefern vor allem nach Nordeuropa und Südamerika. Dieses Jahr waren keine Großhändler hier, deswegen müssen wir uns auf chinesische Handelsagenturen verlassen und auf unsere Stammkundschaft im Ausland."

Händlerinnen wie Jin Fengxuan machen die geschlossenen Grenzen zu schaffen. Wegen der Corona-Krise hat die chinesische Führung die Grenzen für Ausländer Ende März fast komplett geschlossen. Deswegen kommen dieses Jahr keine Großhändler nach Yiwu. Die Bestellungen gehen fast nur noch online ein.

Laden mit Weihnachtsschmuck aus Holz in Yiwu | Bildquelle: Steffen Wurzel
galerie

Es könnte im Erzgebirge sein, aber ist ein Laden im ostchinesischen Yiwu, in dem Händlerin Jin Fengxuan hier arbeitet.

Engpass? "Völliger Blödsinn"

Huang Jinhe hat einen der größten Läden für Weihnachtsartikel in Yiwu. Seine Regale sind vollgepackt mit weihnachtlichen Papierservietten, Kunstschnee-Tannenzapfen und Christbaumkugeln. Es sind allesamt Ansichtsartikel, Huang Jinhe verkauft die Ware also ausschließlich in großen Mengen. "Normalerweise schicken wir täglich bis zu zehn Container raus, dieses Jahr sind es nur fünf bis sechs", berichtet er.

Zum Höhepunkt der Covid-19-Krise wurde in einigen Medienberichten behauptet, China könne wegen der Pandemie-Auswirkungen nicht genügend Waren ins Ausland liefern. Es drohe ein Engpass bei Weihnachtsartikeln. Händler Huang Jinhe sagt dazu - völliger Blödsinn. "China hat eine starke Wirtschaft. All diese Weihnachtsprodukte sind einfach herzustellen. Alles ist verfügbar. Die Menschen in Deutschland können sicher sein: Es wird keine Nachschubprobleme geben."

An einem Tisch im Laden von Huang Jinhe sitzt eine Mitarbeiterin, die dunkelrotes Glitzer-Konfetti in Tüten abfüllt. In den vergangenen Jahren musste sie sich meistens um Händler aus dem Ausland kümmern, dieses Jahr tackert sie stattdessen die Konfetti-Tüten zusammen. "Händler aus dem Ausland kommen gerade nicht rein nach China. Sie können also nur die Ware bestellen, die sie aus dem vergangenen Jahr kennen. Es werden also kaum neue Produkte bestellt."

Künstliche Weihnachtsbäume | Bildquelle: Steffen Wurzel
galerie

Ob weiß wie Schnee oder mit goldenem Glitter besprüht oder bunt blinkend - Plastikweihnachtsbäume werden in Yiwu in allen erdenklichen Varianten hergestellt.

Preise könnten sinken

Was die Weihnachtsartikel-Experten in Yiwu für die kommende Wintersaison vorhersagen, sind zwei Dinge. Erstens: Es werden vor allem Produkte verkauft werden, die man schon kennt. Und zweitens: Die Preise werden angesichts der Corona-Krise wohl nicht steigen, sondern eher im Gegenteil, sagt Händer Huang Jinhe: "Es gibt in China sehr viele Hersteller für Weihnachtsprodukte. Die Waren könnten dieses Jahr sogar etwas günstiger sein als sonst. Wir haben nämlich weniger Bestellungen herein bekommen, wir haben also gewisse Überkapazitäten."

Weihnachten kann kommen: Chinas Deko-Industrie produziert mit voller Kraft
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
22.08.2020 10:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. August 2020 um 22:15 Uhr.

Darstellung: