Klima-Risiko-Index Wetterextreme treffen die Ärmsten

Stand: 25.01.2021 06:02 Uhr

Der Klimawandel trifft die ärmsten Staaten am härtesten - diese Erkenntnis bestätigt der neue Klima-Risiko-Index. Manche Staaten leiden so oft unter Wetterextremen, dass sie sich kaum davon erholen können.

Von Werner Eckert, SWR

Dürren, Stürme, Überflutungen: Die Folgen des Klimawandels treffen die Menschen in den ärmsten Ländern am stärksten. Das geht aus dem Klima-Risiko-Index hervor, den die Denkfabrik Germanwatch heute veröffentlicht hat - am gleichen Tag, an dem sich Staats- und Regierungschefs beim "Klima-Anpassungs-Gipfel" mit diesem Thema beschäftigen. Er wird von der niederländische Regierung gemeinsam mit der UN ausgerichtet.

Germanwatch präsentiert "Globalen Klima-Risiko-Index 2021"
tagesschau 14:00 Uhr, 25.01.2021, Andreas Jöhrens, RBB

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Fast eine halbe Million Menschen sind in den vergangenen 20 Jahren in Folge von Extremwettern ums Leben gekommen. Es entstanden Schäden von rund 2,5 Billionen US-Dollar. Der Klima-Risiko-Index setzt die Schäden zur Bevölkerungszahl und zur Wirtschaftskraft in Beziehung. 

Nach dem Zyklon "Idai" stehen Menschen in Mosambik um Essen an. | Bildquelle: REUTERS
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Nach dem Zyklon kommt der Hunger: In Mosambik stehen im März 2019 Menschen in Mosambik um Essen an.

Am schwersten trafen Zyklone und Hurrikans die Länder

Demnach traf es in den vergangenen beiden Jahrzehnten Puerto Rico, Myanmar, Haiti und die Philippinen am schlimmsten. Mosambik rückte zuletzt auf den fünften Platz vor. Das liegt an den jüngsten Daten: Sie liegen für 2019 vor - das Jahr der Stürme, in dem die Zylkone "Idai" und "Kenneth" für schwere Verwüstungen sorgten. "Idai" traf auch Mosambiks Nachbarland Simbabwe.

Aber nicht immer sind es nur arme Länder: Der Hurrikan "Dorian" traf die Bahamas und der Typhoon "Hagibis" Japan - das Industrieland beklagte 290 Tote und fast 30 Milliarden US-Dollar Schäden.

Hitze und Trockenheit - die Folgen für Deutschland

Auch Deutschland trifft das Extremwetter: Hitzewelle und Trockenheit sorgten dafür, dass Deutschland für 2018 sogar auf den dritten Platz der Betroffenen-Liste kam. Über die beiden zurückliegenden Jahrzehnte gerechnet, liegt die Bundesrepublik auf dem 18. Rang. Das liegt eben an den Hitzejahren 2003 und 2018, aber auch an Orkan "Kyrill" 2007 und mehreren "Jahrhundert"-Überflutungen an Elbe und Donau.

Germanwatch erstellt den Globalen Klima-Risiko-Index auf der Grundlage von Daten des Rückversicherers Munich Re und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Schäden werden in Kaufkraft-Paritäten angegeben, um sie zwischen unterschiedlich wohlhabenden Ländern vergleichbar zu machen.

Der Temperaturanstieg hat Folgen

Höhere Temperaturen bedeuten mehr Wasser und mehr Energie in der Atmosphäre - und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit für extreme Wetterereignisse. Das geht aus dem 5. Sachstandsbericht des Welt-Klimarates IPCC hervor.

Es ist nicht einfach, ein konkretes Wetterereignis dem Klimawandel zuzuschreiben. Aber zunehmend können Wissenschaftler zumindest angeben, welchen Anteil die Erhitzung auf die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis hat. Studien dazu gibt es etwa exemplarisch für die Hitzewelle in Westeuropa im Juli 2019. Das Ergebnis: In Frankreich und den Niederlanden war das Phänomen in dieser Qualität praktisch nur unter Klimawandelbedingungen erklärbar. In Deutschland ist es demnach zu 66 bis 90 Prozent auf den Klimawandel zurückzuführen.

Nach dem Taifun Sarika sammelt ein Man auf den Philippinen 2016 die Reste von Behausungen auf | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Retten, was zu retten ist, heißt es immer öfter auch auf den Philippinen - wie hier nach einem Taifun im Jahr 2016.

Zu wenig Geld für Anpassung an Klimawandel

"Eine Reihe von Ländern wie Haiti, die Philippinen oder Pakistan werden mittlerweile so oft von Wetterextremen heimgesucht, dass sie kaum noch in der Lage sind, sich von den einzelnen Katastrophen zu erholen", sagt Vera Künzel, eine der Index-Autorinnen. Es fehle schlicht an Geld. Selbst Nothilfe nach konkreten Ereignissen fließt nur langsam, präventive Hilfen zur Anpassung fast gar nicht.

Der Anpassungsfonds der UN hat in Summe in zehn Jahren nur etwa 700 Millionen Dollar ausgeschüttet. Er ist notorisch unterfinanziert, und nur wenige Länder - darunter Deutschland - zahlen regelmäßig ein.

Daneben haben zwar die Industriestaaten in internationalen Klimaschutzverhandlungen zugesagt, ab 2020 jedes Jahr 100 Milliarden Dollar zu mobilisieren, um ärmeren Ländern beim Klimaschutz und bei der der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen. Doch ob dieses Versprechen eingehalten wird, ist umstritten.

Zudem handelt es sich meist um Investitionen in Technik und kaum um die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen. Japan etwa hat nach einem aktuellen Bericht Kredite für Straßen- und Brückenbauprojekte in Entwicklungsländern als Anpassungshilfe deklariert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Januar 2021 um 10:00 Uhr.

Korrespondent

Werner Eckert, SWR Logo SWR

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