Weltbank-Studie zum Hochwasserschutz Was steigende Meeresspiegel kosten

Stand: 19.08.2013 05:44 Uhr

Steigende Meeresspiegel könnten teuer werden. Insgesamt rund 39 Milliarden Euro jährlich müssten die 136 größten Hafenstädte der Erde bis 2050 für Hochwasserschutz ausgeben. Sonst würden die Schäden noch teurer, besagt eine Studie.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Die finanziellen Aufwendungen für den Hochwasserschutz müssen in den 136 größten Hafenstädten der Welt jährlich insgesamt rund 39 Milliarden Euro betragen - anderenfalls werden die Verluste der Städte durch Überflutungen bis zum Jahr 2050 höchstwahrscheinlich noch sehr viel höher ausfallen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Weltbank, die für die einzelnen Städte das aktuelle und künftige Flutrisiko durch steigende Meeresspiegel analysiert hat.

Rückversicherungen in aller Welt werden sich diese Studie auf jeden Fall gründlich ansehen: Sie sind seit langem in Sachen Klimaveränderung und steigende Meeresspiegel alarmiert. Wie Politiker darauf reagieren, muss man abwarten.

Die Wissenschaftler spielten - ausgehend davon, dass die 136 größten Hafenstädte der Welt im Jahr 2005 Flutschäden von insgesamt rund 4,5 Milliarden Euro erlitten - drei Szenarien für 2050 durch: Entweder der Meeresspiegel steigt nicht - was höchst unwahrscheinlich ist. Oder er steigt um 20 oder um 40 Zentimeter.

Hochwasser nach Stürmen nicht eingerechnet

Das Ergebnis: Egal, was passiert - wenn die Städte nicht sehr viel mehr in den Hochwasserschutz investieren, werden die Verluste im Jahr 2050 sogar rund 759 Milliarden Euro überschreiten. Der Grund: eine Kombination aus mehreren und schwereren Fluten als bislang sowie höheren Werten an zerstörten Leben, Häusern und Produktionsanlagen. Dabei hat die Studie Hochwasser, die durch die zunehmenden Stürme verursacht werden, nicht einmal einberechnet.

Zwei Männer waten durch eine überflutete Straße in Las Pinas, südlich von Manila.
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Auch die Philippinen sind gefährdet: Männer waten durch eine überflutete Straße in Las Pinas.

Am schwersten werde es die chinesische Hafenstadt Guangzhou treffen, gefolgt vom indischen Mumbai. Auf eine sehr teure Vorsorge oder extrem hohe Schäden sollte sich laut der Studie auch die ägyptische Mittelmeer-Hafenstadt Alexandria einstellen. Europäische Metropolen wie Hamburg oder Rotterdam befinden sich zwar nicht unter den gefährdetsten 20 Hafenstädten. Doch auch sie sollten vorsorgen, warnt die Weltbank.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass gar kein Schutz sogar besser sei als zu niedrige Deiche und Schutzmauern. Sonst würden Anwohner in falscher Sicherheit gewiegt und Politiker eine dichtere Besiedlung zulassen.

New Yorks 20 Milliarden Dollar reichen nicht

Zu den verwundbarsten Städten zählen demnach auch einige an den US-Küsten. Derzeit stehen allein New Orleans am Golf von Mexiko und New York sowie Miami an der Atlantikküste für knapp ein Drittel aller Sammelschäden unter den 136 weltgrößten Hafenstädten.

New York hatte erst im vergangenen November einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es bedeutet, wenn das Meer steigt: Der Wirbelsturm "Sandy" hatten enorme Wassermassen über die Deiche und Kaimauern in die Stadt gedrückt, in der 400.000 Menschen unterhalb des Meeresspiegels wohnen. Die Schäden wurden auf 20 Milliarden Dollar beziffert.

Genau so viel Geld will New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg in den Hochwasserschutz stecken, damit die Stadt bis 2050 fit ist. Sein Plan geht davon aus, dass der Atlantikspiegel bis dahin um 78 Zentimeter gestiegen sein wird. Bloomberg schlägt deswegen sogar einen Neubau der Hafenanlage vor. Doch gemessen an der Weltbank-Studie müsste New York bis 2050 mindestens doppelt soviel in seinen Hochwasserschutz stecken.

Hurrikan Sandy an der US-Ostküste
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"Sandy" richtete in New York immense Schäden an (Archivbild) - Bürgermeister Bloomberg plant Investitionen in den Hochwasserschutz.

Dieser Beitrag lief am 19. August 2013 um 05:41 Uhr im Deutschlandfunk.

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