US-Präsident Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses | Bildquelle: AP

Streit über China-Verbindungen Trump bricht endgültig mit der WHO

Stand: 30.05.2020 13:52 Uhr

US-Präsident Trump hat das Ende seiner Frist nicht abgewartet: Sein Land beendet die Finanzierung und Kooperation mit der WHO. Dies könnte negative Folgen für alle haben - auch für die USA.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Schon vor Wochen hatte die US-Regierung damit gedroht, die Beitragszahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einzustellen. Zum WHO-Jahrestreffen hatte Präsident Donald Trump mit einem Brief nachgelegt: Er gab der Organisation 30 Tage, um Reformen einzuleiten.

Doch bereits vor Ablauf der Frist machte Donald Trump nun ernst und sagte: "Wir werden heute unsere Beziehung mit der Weltgesundheitsorganisation beenden und das Geld umlenken auf andere dringende, globale Bedürfnisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit." Die WHO habe die geforderten Reformen nicht eingeleitet.

Die WHO verkündete kürzlich zwei große neue Projekte, die durchaus als Reform gewertet werden könnten: die Gründung einer Stiftung, die die Finanzierung der WHO unabhängiger machen soll, und die Schaffung einer Plattform, auf der Wissen rund um den Kampf gegen Covid-19 international solidarisch geteilt werden soll - zum Beispiel von Formeln für Impfstoffe und Medikamente bis hin zur Technologie für medizinische Güter wie etwa Beatmungsmaschinen.

Trump kritisiert Verbindungen nach China

Der US-Präsident warf der in Genf ansässigen Organisation erneut vor, sie habe zusammen mit China die Welt über den Ausbruch des neuartigen Coronavirus getäuscht. Die Regierung in Peking habe die WHO unter Druck gesetzt.

Tatsächlich gab und gibt es im Zuge der Coronavirus-Pandemie eine enge Zusammenarbeit zwischen der WHO und China. Die Gesundheitsexpertin Maike Voss von der Stiftung Wissenschaft und Politik bezeichnete es als extrem wichtig, dass in einer Gesundheitskrise die Informationskanäle offen bleiben:

"Die Weltgesundheitsorganisation ist immer darauf bedacht, einen sehr konstruktiven Austausch mit Ländern zu haben, vor allem in einer Krise, weil sie so darauf angewiesen ist, dass sie Informationen bekommt. Der Vorwurf der Nähe zu den Chinesen hat nur zum Teil damit zu tun, ob die Weltgesundheitsorganisation wirklich nah dran war, sondern viel mehr mit dem Großmächtekonflikt zwischen den Amerikanern und den Chinesen, der noch auf ganz vielen anderen Foren stattfindet."

Größter Beitragszahler mit Zahlungsrückständen

Die USA waren bislang der größte Beitragszahler der WHO, auch wenn es Zahlungsrückstände gab. Voss meint, der Schritt Washingtons werde sowohl für die WHO und ihre Mitglieder, als auch für die USA Nachteile haben: "Langfristig kann es schon dazu kommen, dass die USA sowohl ihre Stimme und Mitgliedschaft in der WHO verlieren, als auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit weniger wird." Dies werde Auswirkungen auf alle Staaten haben, weil man von der Expertise der USA profitiere.

Der Austritt werde aber auch Folgen für die USA und das dortige Gesundheitssystem haben, "die nicht mehr in der Art und Weise die Zusammenarbeit mit der WHO und mit weltweiten Experten genießen können", ist Voss überzeugt.

"Die WHO hat Tag und Nacht gearbeitet"

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus | Bildquelle: dpa
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WHO-Direktor Tedros sieht sich zu Unrecht beschuldigt.

Eine aktuelle Reaktion der WHO auf die Erklärung des US-Präsidenten steht noch aus. Vor einigen Tagen verteidigte sich der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, er habe die Welt rechtzeitig und eindringlich vor dem Corona-Erreger gewarnt: "Seit Beginn der Pandemie hat die WHO Tag und Nacht gearbeitet, um die weltweite Antwort auf allen Ebenen der Organisation zu koordinieren."

Spahn zeigt sich enttäuscht

Andere haben sich bereits zur jüngsten US-Entscheidung geäußert: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bezeichnete die von Präsident Trump verkündete Entscheidung als einen enttäuschenden Rückschlag für die internationale Gesundheitspolitik. Gleichzeitig mahnte er Veränderungen an. Der CDU-Politiker kündigte an, er wolle dies zu einer der Prioritäten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen, die am 1. Juli beginnt.

Über dieses Thema berichtete am 30. Mai 2020 die tagesschau um 09:50 Uhr und MDR Aktuell um 12:07 Uhr.

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