Touristen aus Deutschland fotografieren den Stephansdom mit Smartphones | Bildquelle: dpa

Tourismus-Branche Reisewarnung für Wien "eine Katastrophe"

Stand: 17.09.2020 16:11 Uhr

Die Tourismus-Branche in Wien erwartet nach der deutschen Einstufung zum Risikogebiet riesige Verluste. In anderen Regionen Österreichs verlief die Sommersaison zwar nicht so schlimm wie befürchtet, doch für den Winter sieht man schwarz.

Die Einstufung von Wien als Corona-Risikogebiet bedeutet für den Tourismus in Wien nach Ansicht von Experten einen enormen Tiefschlag. "Das ist eine super Katastrophe", sagte Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner.

Die Deutschen seien immer die wichtigste Gästegruppe gewesen und hätten auch gerade in der Coronakrise der Stadt die Treue gehalten. 35 Prozent der Übernachtungen im Juli seien auf deutsche Gäste entfallen. Nun steuere der Tourismus, der 2019 ein Rekordjahr verbucht hatte, in diesem Jahr auf ein Minus bei den Übernachtungen von 70 Prozent zu. "Einige Hotels werden temporär zusperren, manche für immer." 

In Wien hingen 116.000 Jobs direkt oder indirekt am Tourismus. Schätzungsweise 35.000 drohten nun verloren zu gehen. 

Wie zuvor schon die Schweiz hatte Deutschland am Mittwoch Wien wegen der gestiegenen Infektionszahlen zum Risikogebiet erklärt. Die Bundesregierung sprach für die österreichische Hauptstadt eine Reisewarnung aus. Damit ist für alle Wien-Reisenden bei Rückkehr nach Deutschland ein negativer PCR-Test oder Quarantäne erforderlich.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hatte sich um Gelassenheit bemüht. "Solche Maßnahmen gelten auch für Brüssel, Paris, Prag oder Genf. Wir haben es mit einer europäischen Entwicklung zu tun, nicht mit einer Wiener Besonderheit."

Düstere Aussichten für Tourismus im Land

Auch für den Tourismus in Österreich insgesamt, der in der Sommersaison zumindest in den Alpen und an den Seen teils besser lief als zunächst befürchtet, verdüstern sich die Aussichten. Es gebe bisher deutlich weniger Reservierungen für den Winter, sagte Experte Thomas Reisenzahn vom Tourismusberater Prodinger der Wiener Zeitung "Kurier". "Der Winter ist in den meisten Betrieben zu zwei Dritteln für das Betriebsergebnis verantwortlich."

Österreich verschärft Regeln bei Privat-Feiern

Als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen will Österreich die Zahl der Teilnehmer bei privaten Zusammenkünften limitieren. Bei Feiern in Gebäuden seien ab Montag nur noch zehn Personen erlaubt, sagte Kanzler Sebastian Kurz. Eine Kontrolle von Privatwohnungen sei allerdings nicht geplant, da sie nicht grundrechtskonform sei. Es gehe um Zusammenkünfte im öffentlichen Raum. Einzige Ausnahme von den neuen Auflagen seien Begräbnisse.

Es handele sich "um Einschränkungen, die wehtun, aber notwendig sind, um einen zweiten Lockdown hoffentlich zu verhindern", warb Kurz um Verständnis. Ein zweiter Lockdown hätte "katastrophale Folgen". Dies müsse unbedingt verhindert werden.

Bei Veranstaltungen im Freien seien wie bisher bis zu 100 Menschen erlaubt. Nicht betroffen seien die professionell organisierten Veranstaltungen im Sport- und Kulturbereich. Dort bleibe es bei der Obergrenze von 1500 Menschen in Gebäuden und 3000 im Freien, sagte Vizekanzler Werner Kogler.

780 Neuinfizierte binnen 24 Stunden

Binnen 24 Stunden wurden in Österreich zuletzt 780 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl ist das ein etwa dreimal höherer Wert als aktuell in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. September 2020 um 13:46 Uhr.

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