Elefanten im Selous-Nationalpark in Tansania | Bildquelle: Staude/WDR

Elefantenschutz in Tansania Der gefährliche Kampf gegen Wilderer

Stand: 29.03.2019 14:27 Uhr

In Tansania haben Wilderer fast 60 Prozent der Elefanten abgeschlachtet. Die Ranger im Selous Wildreservat kämpfen dagegen. Doch von den Menschen in den Dörfern werden sie nur zum Teil unterstützt.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Der letzte Sack fliegt auf die Ladefläche. Eine Gruppe Ranger verstaut ihre Ausrüstung in einem offenen Geländewagen. Genug für eine mehrtägige Patrouille durch das Selous Wildreservat. Kleider, Waschzeug, Zelte - und vor allem Waffen. Die Jagd auf Wilderer ist ein gefährlicher Job, sagt Lawrence Okode, der oberste Wildhüter für den nördlichen Sektor des Selous.

"Wir kennen die Gegenden, in denen die Wilderer normalerweise jagen. Sie kommen meistens in Gruppen. Also je mehr Ranger wir dort haben, desto besser. Wenn Sie alleine los ziehen, dann riskieren Sie, zu sterben."

Ranger im Selous-Nationalpark in Tansania | Bildquelle: Staude/WDR
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Die Ranger im Selous-Nationalpark haben einen gefährlichen Job. Fast 1000 Wildhüter sind im vergangenen Jahrzehnt in Tansania getötet worden.

Fast 60 Prozent der Elefanten abgeschlachtet

Die Mafia-ähnlich organisierten Wildererbanden haben im vergangenen Jahrzehnt allein in Tansania fast 1000 Ranger getötet und rund 60 Prozent aller Elefanten abgeschlachtet. Manche Wilderer seinen früher bei der Armee gewesen und schwer bewaffnet, erklärt Martin Loiboki, der Chef der Wildschutzbehörde TAWA. "Weil unsere Sicherheitsmaßnahmen verschärft wurden, bereiten sie sich noch besser vor als bisher."

Die Wilderer seien nicht nur gut ausgerüstet, sagt auch Okode, sondern auch bestens vernetzt. "Sie tun sich mit den örtlichen Gemeinden zusammen. Die wissen, wo sie hingehen müssen und wie sie am besten zu den Orten kommen, wo sie die Tiere wildern können."

"Sie haben überhaupt nichts für dieses Dorf getan"

Ein Laden mit Kleidern steht an der ungeteerten Straße, eine Bar und Stände mit Obst und Gemüse - das Zentrum von Kisaki. Das verschlafene Nest ist das letzte Dorf vor dem Nordeingang des Selous. Vor einer flachen, strohgedeckten Hütte sitzen ein paar ältere Männer beim Tee.

"Wenn die Touristen Bananen von uns kaufen oder Essen - vielleicht ist das unser Nutzen", erzählt einer von ihnen. Und er beklagt: "Aber der Selous baut keine Schulen für uns, keine Bibliothek von ihren ganzen Einnahmen. Uns hilft das nicht. Sie haben überhaupt nichts für dieses Dorf getan."

Elefanten im Selous-Nationalpark in Tansania | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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Ein Elefant im Selous-Nationalpark in Tansania. Viele Tiere wurden in den vergangenen Jahren von Wilderern getötet.

Tierschutz bringt auch Menschen Vorteile

Die Regierung kümmere sich mehr um die Tiere als um die Menschen - so wie Farmer Ramathani Mijinga denken viele seiner Nachbarn. Manche unzufriedene Anwohner helfen den Wilderern. Andere unterstützen die Wildhüter, deutet ihr Chef an: "Wir bekommen Informationen durch Ermittlungen und von Informanten, die undercover arbeiten. Details kann ich nicht nennen, weil ich sonst unsere Geheimnisse verrate, wie wir arbeiten."

Dorf im Selous-Nationalpark | Bildquelle: Staude/WDR
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Dorf beim Selous-Nationalpark. Die Bewohner unterstützen die Ranger nur zum Teil.

Die drastischen Strafen für Wilderer schreckten ab. Aber effektiver sei es, "wenn die Menschen verstehen, dass der Tierschutz ihnen Vorteile bringt", erklärt Behördenchef Loiboki. "Sie haben einen indirekten Nutzen durch Geschäfte mit Touristen. Aber der Naturschutz muss auch direkt etwas bringen. Durch TAWA schicken wir normalerweise einen Teil der Einnahmen zurück an die Bezirke rund um die Reservate."

Der Bau von Schulen, Hospitälern und Apotheken von diesem Geld nützt den Anwohnern und damit auch den gefährdeten Elefanten, Giraffen und Nashörnern.

Gefährlicher Job - Kampf gegen Wilderer in Tansania
Linda Staude, ARD Nairobi
08.03.2019 07:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Informationen am Morgen am 08. März 2019 um 05:45 Uhr.

Korrespondentin

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