Demonstranten stoßen mit Sicherheitskräften in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin zusammen. | Bildquelle: AFP

US-Bundesstaat Wisconsin Entsetzen nach Schüssen auf Schwarzen

Stand: 25.08.2020 04:50 Uhr

Bei einem Polizeieinsatz in den USA wird ein Schwarzer durch Schüsse in den Rücken schwer verwundet. Drei Monate nach dem Tod von George Floyd ist der Vorfall für viele ein weiterer Beweis für die Ungerechtigkeit im Land.

Schüsse in den Rücken eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Wisconsin haben Entsetzen und Protest ausgelöst. Auf einem im Internet verbreiteten Video war zu sehen, wie der Mann zu seinem Auto geht, während ein Polizist ihm folgt und dabei in den Rücken zielt. Als der Mann die Fahrertür öffnet und sich hineinbeugt, fallen mehrere Schüsse.

Der von der Familie des Manns engagierte Anwalt sagte im Sender CNN, dass im Auto die Kinder des Mannes im Alter von drei, fünf und acht Jahren saßen. Der Mann, der nach Angaben des Anwalts Jacob Blake heißt, liegt weiter auf der Intensivstation. Zunächst blieb unklar, was genau vor dem auf Video aufgezeichneten Geschehen passiert war.

Beamte wurden beurlaubt

Die Polizei erklärte, die Beamten seien wegen eines "häuslichen Zwischenfalls" gerufen worden. Der Anwalt Ben Crump sagte, Blake habe einen Streit geschlichtet. Dann hätten die Polizisten ihre Waffen auf ihn gerichtet. Zunächst sei Blake von einer Elektroschockpistole getroffen worden. Als er im Auto nach seinen Kindern habe sehen wollen, sei ihm mehrfach in den Rücken geschossen worden. Auf dem Video sind sieben Schüsse zu hören.

Die beteiligten Beamten wurden nach Angaben des zuständigen Justizministeriums beurlaubt. Die Ermittlungen laufen noch. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden forderte eine sofortige, umfassende und transparente Aufklärung. Aus dem Weißen Haus hieß es, Justizminister William Barr habe den Fall im Blick.

Ausschreitungen in Kenosha

Infolge des Polizeieinsatzes kam es in der Stadt Kenosha zu Protesten und Ausschreitungen. Fotos zeigten ausgebrannte Autos und Müllwagen und beschädigte Gebäude. Für die Nacht auf Dienstag wurde eine Ausgangssperre verhängt. Wisconsins Gouverneur Tony Evers erlaubte den Einsatz der Nationalgarde, um lokale Einsatzkräfte zu unterstützen.

Tagsüber gab es unter anderem in New York Protestdemonstrationen mit hunderten Teilnehmern. Ende Mai hatte der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota landesweite Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Das Justizministerium des Bundesstaats Wisconsin als leitende Ermittlungsbehörde kündigte an, binnen 30 Tagen einen Bericht vorlegen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. August 2020 um 23:00 Uhr.

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