Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. | Bildquelle: REUTERS

Gedenkstätte in Israel Yad Vashem - Erinnern an das Unmenschliche

Stand: 23.01.2020 07:50 Uhr

Gedenken, mahnen, ehren - in Yad Vashem finden sich die Schicksale der Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Es wird an immenses Leid erinnert, aber auch an Menschlichkeit.

"Denkmal und Name" - die Übersetzung des hebräischen Namens der zentralen Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem steht gleichzeitig für die Aufgabe, die Yad Vashem erfüllen soll. An die rund sechs Millionen Juden zu erinnern, die im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Gegründet wurde die Stätte nach einem Beschluss des israelischen Parlaments im Jahr 1953. Erst vier Jahre zuvor war der Staat Israel ausgerufen worden, dessen Politik auf dem Bestreben fußt, dass sich Verbrechen am jüdischen Volk wie die Schoah keinesfalls wiederholen dürfen.

Auch Retter von Juden werden geehrt

Im Zentrum der Anlage steht die "Halle der Erinnerung", in der eine ewige Flamme brennt. Im Boden sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager eingeschrieben. Das 1987 errichtete "Kinder Memorial" erinnert an die rund 1,5 Millionen ermordeten Jungen und Mädchen. Das "Tal der Gemeinden" gedenkt der rund 5000 von den Nationalsozialisten zerstörten jüdischen Gemeinden in Europa.

Ebenfalls zu Yad Vashem gehört die "Allee der Gerechten unter den Völkern": Bäume erinnern an jene nicht jüdischen Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Vernichtung gerettet haben. Bisher wurden 27.000 Menschen als "Gerechte unter den Völkern" geehrt, der höchsten Auszeichnung Israels für Nichtjuden.

Ein Blick hinauf in die Kuppel der "Halle der Namen" in Yad Vashem. | Bildquelle: REUTERS
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Die "Halle der Namen" gibt den Opfern der Schoah ein Gesicht.

Schicksale der Opfer werden biographiert

Zu der Gedenkstätte auf dem Herzlberg in Jerusalem gehört auch ein Forschungszentrum, in dem die Biographien der Holocaustopfer dokumentiert werden. Bislang wurden die Schicksale von rund 4,2 Millionen Opfern biographisch erfasst. Die Bundesregierung unterstützt die Arbeit des Zentrums jährlich mit einer Million Euro.

Zudem befinden sich auf dem Gelände der Stätte ein Kunstmuseum mit Werken von Lagerinsassen und Getto-Bewohnern sowie das weltweit größte Holocaust-Archiv. In dem Archiv wird auf rund 210 Millionen Seiten der Massenmord an den Juden belegt und dokumentiert.

Das Bild eines Passes von 1924 | Bildquelle: Tim Assmann
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Im Archiv werden Millionen von Dokumenten aufbewahrt - von Opfern, aber auch von Tätern.

Es sind zum Teil Schriftstücke aus der Feder der Täter: Deportationslisten, Aufzeichnungen über erfolgte Erschießungen. Gesammelt werden auch Dokumente der Opfer: Geburtsurkunden, alte Pässe, Fotos, Einwohnermeldedaten. Des Weiteren wurden allein im vergangenen Jahr 1300 Holocaustüberlebende interviewt, um die Erinnerungen dann noch wach halten zu können, wenn es keine Zeitzeugen mehr geben wird.

Jährlich kommen etwa eine Million Menschen nach Yad Vashem. Auch bei Staatsbesuchen von Politikern ist ein Besuch fester Programmpunkt.

Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren findet in diesen Tagen das fünfte "Welt-Holocaust-Forum" statt, das von einer 2005 gegründeten Stiftung organisiert wird. An Gedenkveranstaltungen in Jerusalem und Yad Vashem nehmen Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern teil.

Mit Informationen von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Erinnern und Mahnen - die Gedenkstätte Yad Vashem
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
23.01.2020 08:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2020 um 09:00 Uhr.

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