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Nach Entlassung aus Haft Yücel wieder in Deutschland

Stand: 10.05.2019 14:53 Uhr

Deniz Yücel ist am Abend in Berlin gelandet. Der Journalist war zuvor nach einem Jahr aus dem Gefängnis entlassen worden. Deutschland und die Türkei wollen nun ihr Verhältnis verbessern.

Der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel ist wieder in Deutschland. Ein in Istanbul gestartetes Charterflugzeug mit dem deutsch-türkischen Journalisten an Bord landete am Abend in Berlin. Nach Angaben des "Welt"-Chefredakteurs Ulf Poschardt wird Yücel nun zunächst einen Urlaub beginnen, bevor er wieder seine Arbeit aufnimmt.

"Es bleibt etwas Bitteres zurück"

"Ich weiß immer noch nicht, warum ich vor einem Jahr verhaftet wurde, genauer, warum ich vor einem Jahr als Geisel genommen wurde - und ich weiß auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde. Eine Anklage hab' ich immer noch nicht", sagte Yücel in einer per Twitter verbreiteten Videobotschaft. "Natürlich freue ich mich, aber es bleibt etwas Bitteres zurück." So wie seine Verhaftung nichts mit Recht und Gesetz und Rechtsstaatlichkeit zu tun hatte, habe auch seine Freilassung nichts mit alledem zu tun.

Yücel dankte allen, die in der ganzen Zeit an seiner Seite gestanden haben. Er erinnerte daran, dass immer noch viele Kollegen in der Türkei in Haft sitzen. Er habe seinen Zellennachbarn zurückgelassen, einen türkischen Journalisten, der nur wegen seiner journalistischen Tätigkeit in Haft sitze - "und viele andere Journalisten, die nichts anderes getan haben, als ihren Beruf auszuüben", sagte Yücel.

Am Mittag aus dem Gefängnis entlassen

Am Mittag war Yücel aus türkischer Haft entlassen worden. Sein Anwalt twitterte ein Bild des Korrespondenten, auf dem er seine Ehefrau umarmt. Wie die "Welt" unter Berufung auf Yücels Anwalt meldet, wurde keine Ausreisesperre verhängt.

Die Freilassung wurde von einem Gericht angeordnet, nachdem die türkische Staatsanwaltschaft die Anklageschrift vorgelegt hatte. Sie fordert 18 Jahre Haft für den Reporter. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ähnlich war es im Fall des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner. Da gab es kurz nach der Anklageschrift den Prozessauftakt. Am ersten Verhandlungstag kam er aus der Untersuchungshaft frei und durfte ausreisen.

Deniz Yücel umarmt seine Frau. | Bildquelle: Veysel Ok
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Nach seiner Freilassung wurde Yücel von seiner Frau empfangen.

Gabriel: "Es gab keinen Deal"

Außenminister Sigmar Gabriel beteuerte in den tagesthemen, es habe keine Deals mit der türkischen Führung gegeben: "Es gab kein quid pro quo und auch keinen Deal - weder einen schmutzigen noch sauberen".

Nach der Freilassung Yücels wollen Deutschland und die Türkei ihre Beziehungen zunächst in den Bereichen Wirtschaft, Energie und Sicherheit wieder verbessern. Das vereinbarten Gabriel und sein Amtskollege Mevlüt Cavusoglu bei einem Treffen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. "Wir haben eines dieser Probleme zwischen uns überwunden, nun müssen wir uns auf die positiveren Sachen konzentrieren", sagte Cavusoglu. Gabriel betonte, dass man unterschiedlicher Meinung sein könne, "aber in einer Weise des gegenseitigen Repekts". Man müsse nun "nach gemeinsamen Wegen in unserer gemeinsamen Zukunft" suchen.

Große Freude

Bundeskanzlerin Merkel lobte die Entscheidung und sagte, sie freue sich, "wie viele, viele andere". Zudem hoffe sie, dass nun auch in weniger prominente Fälle Bewegung komme und weitere Deutsche aus türkischer Haft freikommen. Dies habe sie auch dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim bei dessen Besuch gesagt.

Deutsche in türkischer Haft - aus politischen Gründen

Nach der Entlassung von Deniz Yücel verbleiben fünf Deutsche in türkischer Haft, die dort aus politischen Gründen festgehalten werden. Vier von ihnen haben neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit.

Laut Auswärtigem Amt sind zudem 31 Deutsche in der Türkei von einer Ausreisesperre betroffen, unter ihnen die deutsch-türkische Journalistin Mesale Tolu, die kurz vor Weihnachten 2017 aus türkischer Untersuchungshaft entlassen worden.

Anders als Tolu durfte der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner die Türkei verlassen, nachdem er im Oktober nach mehr als dreimonatiger türkischer Untersuchungshaft entlassen worden.

"Das ist eine gute Nachricht", sagte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er hoffe, die Freilassung Yücels führe zu einer Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen.

Zuvor sagte Gabriel: "Es ist ein guter Tag für uns alle." Er danke ausdrücklich der türkischen Regierung für ihre Unterstützung bei der Verfahrensbeschleunigung. Dazu habe er selbst viele direkte Gespräche mit türkischen Regierungsvertretern geführt, in zwei Fällen auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er hob hervor, in den Gesprächen habe "die türkische Regierung immer Wert darauf gelegt, dass sie keinen politischen Einfluss auf die Gerichtsentscheidung nehmen werde".

Erfreut zeigte sich auch Justizminister Heiko Maas: "Das ist eine großartige und überfällige Nachricht. Jeder Tag, den Deniz Yücel im Gefängnis verbracht hat, war einer zu viel. Wir freuen uns sehr für Deniz Yücel, seine Familie und seine Freunde. Wir werden weiter alles dafür tun, dass alle in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich freigelassen werden", schrieb er in einer Mitteilung.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. Februar 2018 um 21:45 Uhr.

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