Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei den zentralen Gedenkfeierlichkeiten der Republik Polen zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. | Bildquelle: dpa

Weltkriegsgedenken in Polen "Wunder der Versöhnung"

Stand: 01.09.2019 14:24 Uhr

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in Warschau hat Bundespräsident Steinmeier an die Verbechen Deutschlands erinnert. Er bekannte sich zu einer "bleibenden Verantwortung".

Mit einer Gedenkfeier In Warschau ist an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert worden. Auf dem Pilsudski-Platz empfing Polens Präsident Andrzej Duda Vertreter aus mehr als 30 Ländern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte in Warschau an die historischen Verbrechen Deutschlands. "Ich stehe hier in Demut und in Dankbarkeit", sagte er. "Ich bitte um Vergebung für Deutschlands historische Schuld. Ich bekenne mich zu unserer bleibenden Verantwortung."

Olaf Bock, ARD Warschau: Versöhnliche Wort und Gesten beim Weltkriegsgedenken
tagesschau24 16:00 Uhr, 01.09.2019

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Gnade der Versöhnung gerecht werden

Der Bundespräsident verwies in seiner Rede auch auf die Aussöhnung der beiden Nachbarländer: "Dass auf diesem Platz, an diesem Tag ein deutscher Präsident vor Ihnen stehen und sprechen darf - das zeigt das lebendige Wunder der Versöhnung." Diese Versöhnung sei eine Gnade, "die wir Deutschen nicht verlangen konnten, aber der wir gerecht werden wollen".

Zu den Gästen der zweistündigen Zeremonie zählte neben Kanzlerin Angela Merkel auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyij. Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen wurde zum Ärger Moskaus nicht eingeladen. US-Präsident Donald Trump hatte seine Teilnahme an der Gedenkfeier wegen Hurrikan "Dorian" kurzfristig abgesagt. Er wurde durch Vize-Präsident Mike Pence vertreten.

"Wielun muss in unseren Köpfen und in unseren Herzen sein"

Steinmeier war am Samstagabend nach Polen gereist, um am Morgen gemeinsam mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda an der Gedenkfeier in Wielun teilnehmen zu können.

1939 flog die deutsche Luftwaffe mehrere Angriffe auf die Stadt. Mindestens 1000 der damals rund 15.000 Einwohner kamen ums Leben. Nahezu zeitgleich kam es zu den ersten Angriffen der Deutschen auf der Halbinsel Westerplatte bei Danzig.

"Ich verneige mich vor den polnischen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft", sagte Steinmeier zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf das östliche Nachbarland. Deutschland nehme die Verantwortung an, "die unsere Geschichte uns aufgibt", so der Bundespräsident. "Wir wollen und wir werden uns erinnern."

"Wielun muss in unseren Köpfen und in unseren Herzen sein", sagte Steinmeier. "Wielun war ein Fanal, ein Terrorangriff der deutschen Luftwaffe und ein Vorzeichen für alles, was in den kommenden sechs Jahren folgen sollte."

Gedenkfeier zum Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren in Polen
tagesschau 20:00 Uhr, 01.09.2019, Olaf Bock, ARD Warschau

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Gemeinsam für Frieden einstehen

Auch Duda rief dazu auf, die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wachzuhalten. Solch ein Krieg dürfe sich niemals wiederholen, sagte er und appellierte an die Staaten der Nato und der EU, gemeinsam für den Frieden einzustehen und Aggressionen in den internationalen Beziehungen entschieden entgegenzutreten.

Das gemeinsame Gedenken der beiden Präsidenten in Wielun ist eine besondere Geste: Duda empfing Steinmeier noch vor Morgengrauen auf dem zentralen Platz der Kleinstadt. Die ersten Bomben, die das Krankenhaus der Stadt trafen, fielen gegen 4.40 Uhr.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der polnische Präsident Andrzej Duda stellen Kerzen auf. | Bildquelle: dpa
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Bundespräsident Steinmeier und der polnische Präsident Duda am Denkmal der zerstörten Synagoge in Wielun.

Gedenken auch in Deutschland

Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst erinnerten Christen aus Polen und Deutschland im Berliner Dom an den Kriegsbeginn. Unter den Gästen waren Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und seine polnische Amtskollegin, Sejmmarschallin Elzbieta Witek.

Bei einer anschließenden Gedenkveranstaltung warb Schäuble für ein Denkmal für die polnischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Berlin. Der passende Ort dafür wäre der Askanische Platz vor der Ruine des Anhalter Bahnhofs, sagte er. Mit der Nähe zum geplanten Zentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" lege dieser Standort auch den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung offen. "Und das mitten in unserer Hauptstadt, im öffentlichen Raum."

Die Initiative für ein Denkmal komme aus der Mitte der Gesellschaft und werde inzwischen von mehr als 200 Bundestagsabgeordneten unterstützt, betonte Schäuble.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. September 2019 um 12:00 Uhr.

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