Bill Gates | Bildquelle: AFP

Bill Gates und Corona Menschenfreund oder Geschäftemacher?

Stand: 15.04.2020 14:00 Uhr

Er wolle die Weltbevölkerung reduzieren und erkrankte Menschen nicht genesen lassen - so lauten nur zwei Behautpungen über Bill Gates. Die meisten Vorwürfe sind haltlos, doch es gibt auch berechtigte Kritik.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Monopolmissbrauch, unfaire Geschäftspraktiken, Milliardenstrafen - Bill Gates war schon zu seinen Zeiten als Microsoft-Chef für viele ein Feindbild. Das setzt sich auch fort, seitdem er den größten Teil seines Vermögens in eine Stiftung für wohltätige Zwecke überführt hat.

Eines der Schwerpunkt der Bill and Melinda Gates Foundation: Die Entwicklung und Verbreitung von Impfstoffen - ein Thema, das in Zeiten der Corona-Krise an Bedeutung gewinnt. So wurde Gates zum begehrten Gesprächspartner der Medien. Unter anderem gab er den tagesthemen ein Interview.

Interview mit Bill Gates (englische Fassung)
12.04.2020

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Wir wollen keine Genesene"

Gleichzeitig geriet Gates auch verstärkt in den Fokus von Kritikern: Die Stiftung investiere massiv in Pharmaunternehmen, die ein Interesse daran hätten, an Krankheiten und Impfungen zu verdienen. Unter anderem wurde das an einem Satz festgemacht, den Gates am 24. März in einem Online-Gespräch mit der TED-Foundation gesagt hatte: "No, we don't want to have a lot of recovered people." - "Wir wollen nicht, dass es viele Genesene gibt."

Das klingt erst einmal harsch - wie das gemeint ist, erklärt Gates jedoch direkt darauf: Seiner Ansicht nach sei es sinnvoller, dass sich die Menschen gar nicht erst infizieren. Deshalb halte er die Entwicklung von Impfstoffen für effektiver als Therapien. In diesem Zusammenhang wurde Gates zudem der Vorwurf gemacht, dass er die auch bei Covid-19-Erkrankten erfolgversprechende Blutplasmatherapie ablehnt.

Auch das ist falsch: Bereits 2014 finanzierte die Bill and Melinda Gates Foundation ein Versuchsprogramm für die Therapie, 2015 setzte sich Gates, ebenfalls in einem TED-Talk, ausdrücklich für diese Therapieform ein. Forscher sehen den Ansatz als Erfolg versprechend, aber sehr aufwändig und bisher nur in sehr kleinem Maßstab verwendbar an, da die Anzahl potenzieller Spender sehr gering ist.

Profit mit Impfseren?

Die Bill und Melinda Gates Foundation investiert in zahlreiche Pharmafirmen, zum Beispiel in die deutsche Curevac. In der Liste finden sich auch in die Kritik geratene Konzerne wie Bayer, Merck, Pfizer und Sanofi. Allerdings beschränkt sich die Zusammenarbeit auf spezifische Projekte, meistens im Impf- und Empfängnisverhütungsbereich. Daraus schließen einige, dass die Stiftung von den Profiten der Unternehmen profitieren will und daher Impfungen forciert.

Der Marktforscher Zion Market Research schätzt die weltweiten Einnahmen durch Impfstoffe auf 49 Milliarden Dollar (44,8 Milliarden Euro). Das klingt zunächst nach einem großen Geschäft. Eine Studie des IQVIA-Instituts kalkuliert jedoch das Volumen des gesamten Arzneimittelmarkts für das gleiche Jahr auf mehr als 1,2 Billionen Dollar (1,098 Billionen Euro). Impfstoffe sind also gerade einmal für gut vier Prozent der Einnahmen verantwortlich - und verhindern zudem Krankheiten, an denen die Pharmaindustrie weiter verdient haben könnte.

Impfen zur Bevölkerungsreduktion?

Eine weitere Aussage von Gates aus dem Jahr 2010 , das aktuell vermehrt zitiert wird, soll beweisen, dass Gates mit Impfungen die Weltbevölkerung reduzieren will:

"Auf der Welt gibt es heute 6,8 Milliarden Menschen - die Tendenz geht Richtung neun Milliarden. Wenn wir jetzt wirklich gute Arbeit bei neuen Impfstoffen, im Gesundheitswesen und in der Reproduktionsmedizin leisten, könnten wir dies um vielleicht 10 oder 15 Prozent senken."

In einem Statement erläuterte die Stiftung bereits 2009, wie das gemeint ist: "Eine überraschende Erkenntnis für uns war es, dass eine Verringerung der Sterblichkeitsrate das Bevölkerungswachstum reduziert." Eine hohe Kinderzahl sei bisher die einzige Garantie für die Eltern, im Alter unterstützt zu werden. Wenn die Zahl der Kinder, die bis zum Erwachsenenalter überleben, steige, können Eltern dieses Ziel erreichen, ohne so viele Kinder zu haben, von denen ein großer Teil stirbt.

Keine Zwangssterilisierung durch Impfung

In dem Zusammenhang wird aktuell wieder ein Gerücht verbreitet, dass die WHO in Kenia und anderen Ländern Millionen Frauen zwangssterilisieren wollte, indem sie einer Tetanus-Schutzimpfung Spuren des Hormons Choriongonadotropin Beta-hCG beimischen. Dies sollen Labortests im Auftrag der katholischen Kirche bewiesen haben.

Tatsächlich hat die WHO in einer Studie die Verwendung des Hormons als freiwilliges Verhütungsmittel überprüft. Für eine permanente Sterilisation eignet es sich nicht, da es, wie andere Präparate auch - in regelmäßigen Abständen angewendet werden muss oder sonst seine Wirkung verlieren würde. Die angeblich nachgewiesenen Spuren des Stoffes hätten noch nicht einmal eine kurzfristige Empfängnisverhütung gewährleisteten können. Vielmehr führt eine frühzeitige Tetanus-Impfung zu einer geringeren Kindersterblichkeit.

Schmutziges Geld für die saubere Sache?

Allerdings gibt es auch berechtigte Kritik an der Stiftung: Der größte Teil des von Bill Gates - und später vom Milliardär Warren Buffett und anderen - gespendeten Geldes ist im Bill and Melinda Gates Foundation Trust angelegt, der von externen Investmentmanagern geleitet wird. Aus den Profiten der darin enthaltenen Aktien wird die eigentliche Stiftungsarbeit finanziert.

Im Portfolio finden sich Firmen wie Caterpillar, Coca-Cola und Walmart, also Unternehmen, die Wertsteigerung und Profite versprechen, aber durch Lohndumping, aggressives Marketing und Verdrängungswettberb aufgefallen sind. Sie stehen somit nicht nur den Zielen der Stiftung wie Stärkung der Schwächsten und der Förderung nachhaltiger Entwicklung entgegen, sondern verstärken zum Teil die Probleme, die sie bekämpfen will.

Wer zahlt, bestimmt

Die Bill and Melinda Gates Foundation setzt als größte Privatstiftung der Welt ihre Prioritäten fest - das ist ihr gutes Recht. Allerdings müssen diese nicht unbedingt mit denen der Bevölkerung in den Ländern, in denen sie hilft, übereinstimmen. Das private Engagement führt zudem dazu, dass sich staatliche Stellen von ihren Aufgaben zurückziehen und somit auch Kontrolle abgeben. Offen ist in den Fällen oft, was mit den Programmen passiert, sollte sich die Stiftung zurückziehen.

So wird auch die Weltgesundheitsorganisation nur noch zu einem Fünftel durch Beiträge der Mitgliedsländer finanziert. Der größte Einzelzahler war 2018 die USA mit gut 281 Millionen Dollar (257 Millionen Euro)- diese haben ihre Beiträge aktuell jedoch eingefroren. Der Rest der Ausgaben wird aus privaten Geldern bestritten. Mit fast 229 Millionen Dollar (210 Millionen Euro) machte die Bill and Melinda Gates Foundation 2018 dabei die größte Spende - bestimmte aber auch, für welche Programme das Geld verwendet werden soll.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. April 2020 um 21:45 Uhr.

Wulf Rohwedder Logo tagesschau.de

Wulf Rohwedder, tagesschau.de

@WRohwedder bei Twitter
Darstellung: