Ein Muslim betet vor einer Moschee in Istanbul | Bildquelle: ERDEM SAHIN/EPA-EFE/Shutterstock

Einschränkungen wegen Corona Keine Sonderregeln im Ramadan

Stand: 09.04.2020 11:26 Uhr

Ende des Monats beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. In sozialen Netzwerken wird fälschlicherweise behauptet, für Muslime würden dann die Beschränkungen der Corona-Krise durch eine Sonderregelung gelockert.

Mit Sorge erwarten Millionen Muslime weltweit den Ramadan, der Ende April beginnt. Wie der Fastenmonat in diesem Jahr ablaufen wird, ist wegen der Corona-Pandemie unklar. In sozialen Netzwerken kursieren dazu mehrere Meldungen.

Eine Information stammt angeblich aus dem "Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg". Darin heißt es, dass Sonderregelungen für Menschen mit muslimischem Glauben geplant seien - falls zu Beginn des Ramadans die Ausgangsbeschränkungen noch gelten. Angeblich dürften sie gemeinsam feiern.

Allerdings gibt es gar kein gemeinsames Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg. In Brandenburg richtete die Landesregierung Mitte März ein Corona-Krisenzentrum in Potsdam ein. In Berlin koordiniert ein Krisenstab der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus.

Zusammenkünfte in Moscheen in Deutschland untersagt

Außerdem wird auch kein Unterschied bei den Religionen gemacht - die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten für alle. Der islamische Fastenmonat Ramadan soll in diesem Jahr am 23. April mit der abendlichen Iftar beginnen, der täglichen Feier des gemeinsamen Fastenbrechens. Bis zum 23. Mai dürfen gläubige Muslime dann von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich nehmen. All das wird in diesem Jahr wohl nicht in gewohnter Form stattfinden. Nicht nur das gemeinsame Feiern, auch das Fasten könnte dazu führen, dass mehr Menschen durch das Virus erkranken.

Auch die rund fünf Millionen Muslime in Deutschland werden betroffen sein. Bund und Länder beschlossen am 16. März drastische Einschränkungen, um die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland zu bremsen. Unter anderem wurden "Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften" untersagt.

Kein Unterschied bei den Religionen

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, stellte am 7. April bei Twitter noch einmal klar: "Selbstverständlich gilt das für alle Religionen. Ob Ostern, Pessach oder Ramadan: Ich verstehe gerade jetzt den Wunsch nach dem gemeinsamen Gebet & Gemeinschaft. Trotzdem sollten wir aktuell zum Wohle aller darauf verzichten, denn Gesundheit geht vor."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, geht davon aus, dass die Moscheen auch zu Beginn des islamischen Fastenmonats geschlossen bleiben. "Zur Zeit ist es noch verfrüht, genaue Angaben zu Ramadan zu machen, aber es steht traurigerweise zu befürchten, dass wir die Moscheen geschlossen halten müssen, zumindest für ein Teil des Heiligen Monats", sagte er der Funke Mediengruppe.

Westfalenhallen in Dortmund | Bildquelle: picture alliance / augenklick/fi
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In den Dortmunder Westfalenhallen wird in diesem Jahr kein Ramadan-Fest stattfinden.

Ramadan-Fest in Dortmund abgesagt

In mehreren Medien wurde unter Bezugnahme auf einen alten Artikel von "Ruhr24" behauptet, die Stadt Dortmund habe erlaubt, das muslimische Festi Ramazan - nach Angaben der Organisatoren die größte Ramadan-Veranstaltung in Europa - trotz Corona-Krise Anfang Mai in den Westfalenhallen abzuhalten.

Die Stadt Dortmund stellte diese Woche klar, dass die Veranstaltung schon "seit einiger Zeit" abgesagt worden sei. Allerdings gab der Veranstalter erst am Dienstag auf seiner Internetseite die Absage bekannt. Er begründete das damit, dass der Administrator der Homepage die vergangenen Wochen im Ausland in Quarantäne verbracht habe.

Zum Ramadan tauchen immer wieder Falschmeldungen auf. So wurde behauptet, die Grünen forderten ein Alkoholverbot in Deutschland während des Fastenmonats. Ein entsprechendes Zitat war allerdings frei erfunden. Gleiches gilt für die Behauptung, die Stadt Essen werde im Ramadan in Fasten umbenannt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. April 2020 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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