Impftourismus Auf eine Spritze nach Moskau?

Stand: 26.02.2021 15:29 Uhr

Inmitten der Frustration über den langsamen Impffortschritt in Deutschland sorgte ein Medienbericht für Aufregung: Die Lufthansa wolle "Impfflüge" nach Moskau anbieten. Was ist dran?

Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Es las sich wie eine gute Lösung inmitten der Frustration über das Warten auf die Impfung gegen Covid-19, zumindest mit Geld und Zeit: Mit der Lufthansa von Frankfurt zum Flughafen Moskau-Domodedowo, in einer " First Class Corona-Lounge" die Impfung mit Sputnik V verpasst bekommen und mit dem nächsten Flieger zurück. Der Anfangspreis für das Paket solle bei 1000 Euro liegen, hieß es in einem Artikel von intellinews, eines üblicherweise gut informierten Wirtschaftsmagazins, betrieben von unabhängigen Journalisten.

Die Lufthansa stehe dazu angeblich in Verhandlungen mit dem russischen Außenministerium. Über den Besitzer des Flughafens Domodedowo, einen russischen Geschäftsmann, heißt es: Er solle sich in die Idee eingekauft haben, einen Service für Medizintourismus zur Impfung gegen das Coronavirus anzubieten. Der Plan benötige allerdings noch die Genehmigung des Kreml.

Keine Lufthansa-Lounge in Domodedowo

Doch auf Nachfrage teilte die Lufthansa mit: "Derzeit gibt es keine Lufthansa-Lounge am Flughafen Moskau Domodedowo, und es ist nicht geplant, dass die Fluggesellschaft dort ein Impfzentrum eröffnet."

Gleichwohl wies die Fluggesellschaft darauf hin, dass es am Flughafen Domodedowo eine allgemeine Impfstelle gibt. Sie befindet sich im Ankunftsbereich innerhalb des Flughafens und sei für Flughafenmitarbeiter, russische Staatsbürger und Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung in Russland zugänglich. Der Presseservice des Flughafens hatte kürzlich die Eröffnung der Impfstation mitgeteilt, mit eben diesen Beschränkungen auf russische Staatsbürger und Einreisende mit Aufenthaltserlaubnis.

Impfen beim Shoppen und in der Oper?

Bleibt die Frage, ob es funktionieren könnte, auf eigene Faust zur Doppel-Impfung nach Moskau zu reisen. Schließlich gibt es zahlreiche Berichte, wonach es einfach sei, sich in Moskau mit Sputnik V impfen zu lassen - dies nicht nur in Kliniken und Impfstationen, sondern auch in der Oper oder im Einkaufszentrum GUM am Roten Platz, wo es zur Belohnung auch noch Eiscreme gibt.

Zwar weist das Auswärtige Amt nach wie vor auf starke Einreisebeschränkungen in die Russische Föderation hin. Ausgenommen sind demnach aber unter anderem Personen, die zur medizinischen Behandlung einreisen. Eine schriftliche Anfrage bei der Pressestelle der russischen Botschaft, ob darunter auch Corona-Impfungen fallen könnten, blieb bis zum Nachmittag unbeantwortet. Ans Telefon ging niemand.

Nach Veröffentlichung dieses Artikels antwortete die Presseabteilung der russischer Botschaft in Berlin. In einer Mail nennt sie einige Ausnahmen, in denen derzeit Visa für die Russische Föderation erteilt werden und ergänzt: "Davon bleiben jedoch ausländische Bürger*innen und Staatenlose unberührt, die nach Russland mit Impfzwecken einreisen wollen."

Ausländische Staatsbürger mit Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis berichten von ganz verschiedenen Erfahrungen bei der Vergabe von Impfterminen und der Vorlage von Dokumenten - unterschiedlich von Impfstation zu Impfstation und von Tag zu Tag, besonders seit vor wenigen Tagen neue Regeln erlassen wurden.

Seitdem berichten ausländische Staatsbürger in sozialen Medien, dass man sich im GUM und in staatlichen Kliniken auch mit Aufenthaltsgenemigung und Arbeitsvisum im Reisepass nicht mehr impfen lassen könne. Möglich sei dies aber weiter in Privatkliniken, wobei auch dort unterschiedliche Auskünfte erteilt würden. Offensichtlich gibt es hier Unsicherheiten und Unklarheiten.

Wer einen Termin bekommt, zahlt in der Regel nicht für den Impfstoff, aber für die Voruntersuchung durch einen Arzt. Genannt werden Preise von 70 bis 100 Euro zusammen für die erste und die zweite Behandlung 21 Tage später - wobei die zweite Impfung nicht vor dem 21. Tag erfolgen und in der Zwischenzeit kein Alkohol getrunken werden dürfe. Viele Geimpfte berichten über leichte Grippe-Symptome für ein, zwei Tage. Andere spüren nichts. Offen ist schließlich auch, ob Zertifikate auf Papier ohne QR-Code, wie sie Kliniken vergeben, bei internationalen Reisen als Impfpass anerkannt werden.

Selbst wenn eine Einreise nach Moskau möglich sein sollte, bleibt der Versuch einer Impfung derzeit ein ungewisses, aufwändiges und nicht gerade kostengünstiges Unterfangen. Entweder man bleibt für mindestens drei Wochen oder reist zwei Mal ein. Die Lufthansa zum Beispiel fliegt derzeit im Schnitt alle zwei Tage nach Domodedowo, mit Preisen ab 500 Euro für Hin- und Rückflug.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2021 um 09:18 Uhr.

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