Polizisten patrouillieren über das IAA-Ausstellungsgelände.  | Bildquelle: dpa

Warnung vor Protesten Panikmache vor der Automobilmesse

Stand: 11.09.2019 13:05 Uhr

Vor der Automobil-Ausstellung in Frankfurt wird vor Ausschreitungen "militanter Chaoten" gewarnt, sogar von Vergleichen zu G20 ist die Rede. Die Polizei geht aber von einem friedlichen Verlauf aus.

Von Konstantin Kumpfmüller und Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentieren Hersteller in den kommenden Tagen neue Modelle - und müssen dabei wohl mit Protesten von Umweltschützern rechnen. Zuletzt sorgte die Debatte über SUVs für oft emotionale Debatten.

Die Nachfrage nach SUVs und Geländewagen mit hohem Spritverbrauch steigt aber weiter stark. Volkswagen, Daimler und BMW setzten weiter auf solche Fahrzeuge. Auf Kritik reagiert die Messe mit Gesprächsangeboten, die Branche betont, dass die Umstellung auf Elektroautos schon begonnen habe.

Krawalle wie bei G20?

Doch es gibt auch Warnungen vor Ausschreitungen von Umweltschützern. Tatsächlich ist es das erste Mal, dass Klimaschützer die Automobilmesse aktiv behindern wollen. Eine Gruppe namens "Sand im Getriebe" kündigte an, die Zugänge zur Messe blockieren und "ihren reibungslosen Ablauf stören" zu wollen.

In Medien wird nun vor dem Gefahrenpotential der Proteste gewarnt. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) äußerte der Vorstandsvorsitzender eines Automobilzulieferers seine Befürchtungen: Die Messe werde benutzt, um Randale zu machen, ohne Substanz. Das sei ähnlich dem G-20 Gipfel in Hamburg.

Gewalt im Umfeld des G20-Gipfels (Archiv) | Bildquelle: dpa
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Randale im Umfeld des G20-Gipfels in Hamburg um Juli 2017.

In einem weiteren Artikel heißt es, dass neben friedlichen Demonstranten "militante Chaoten" auf den Plan träten und Hundertschaften der Polizei in den kommenden Tagen die IAA sicherten. Laut "Automobilwoche" würden sich Polizei und Veranstalter auf eine "handfeste Randale" einstellen.

In der Haushaltsdebatte im Bundestag sprach AfD-Politiker Volker Münz von einer "Hetzjagd auf die Automobilindustrie": "Jetzt fordern sogenannte Aktivisten sogar in aller Öffentlichkeit die Grenzen legalen Protests zu überschreiten, jetzt im Vorfeld der Automobilindustrie-Ausstellung."

Sternfahrt und Störungen bei Zugang geplant

Am Samstag, dem ersten Publikumstag der Messe, ist eine Sternfahrt von Umweltschützern geplant. Mit dem Fahrrad und im Konvoi wollen Aktivisten auf 13 Routen aus dem Umland unterwegs zum Messegelände sein. Aufgerufen dazu haben unter anderem Greenpeace, der Verkehrsclub VCD und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (adfc).

Greenpeace-Aktivisten vor der Messe Frankfurt | Bildquelle: dpa
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Greenpeace protestiert mit einem Ballon vor dem Messegelände gegen den CO2-Ausstoß.

Am Sonntag will ein Bündnis namens "Sand im Getriebe", zu dem die Gruppierungen attac, Climate Justice Frankfurt und Critical Mass Mainz gehören, den Zugang zur Messe versperren. "Wir setzen uns vor die Eingänge und blockieren die Klima- und Umweltzerstörer da, wo sie uns als Statussymbole präsentiert werden sollen", heißt es in einem Aufruf.

Hinweise auf geplante gewaltsame Aktionen lägen der Polizei nicht vor, erklärte Thomas Seidel, der den Einsatz zur IAA leitet. "Wir erwarten einen friedlichen Ablauf.“ Man sei aber auch auf mögliche Zwischenfälle eingestellt. Die Einsatzkräfte würden reagieren, falls Aktivisten sich oder andere in Gefahr brächten.

Polizei geht von friedlichem Verlauf aus

Zur konkreten Einschätzung der Sicherheitslage wollte sich die Messe Frankfurt auf Anfrage des ARD-faktenfinder nicht äußern. Die Einschätzung erfolge in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden und dem Veranstalter. Während der Veranstaltung würden aber "die Streifen des Sicherheitsdienstes verstärkt". Außerdem gebe es vor und nach den offiziellen Veranstaltungszeiten "verstärkte Personen- und Fahrzeugkontrollen" auf dem Messegelände.

Nach Angaben der Frankfurter Polizei liegen derzeit keine Hinweise auf konkrete Störungen oder Gewaltaktionen vor. Nichtsdestotrotz könnten "vereinzelte gewaltbereite Ausschreitungen natürlich nie gänzlich ausgeschlossen werden", teilte eine Sprecherin auf Anfrage des ARD-faktenfinder mit. Man gehe derzeit aber von einem friedlichen Verlauf der Versammlungen beziehungsweise Aufzüge aus.

Warnung vor Krawallen in Dresden

Zuletzt war vor der "unteilbar"-Demonstration in Dresden vor angeblich drohenden Krawallen gewarnt worden. Tatsächlich war die Polizei von einem friedlichen Verlauf ausgegangen. Zehntausende Menschen demonstrierten für eine offene und freie Gesellschaft - ohne Ausschreitungen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. September 2019 um 11:00 Uhr.

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