Ein Bischof hält während einer katholischen Messe in der Münchner Sankt Paul Kirche ein Kreuz in den Händen | Bildquelle: dpa

Synodaler Weg Ist die katholische Kirche noch zu retten?

Stand: 30.01.2020 01:58 Uhr

Laien und Bischöfe beraten ab heute über Reformen in der katholischen Kirche. Wie existenziell die Krise ist, zeigt sich rund zwei Kilometer vom Tagungsort entfernt, im Priesterseminar.

Von Sebastian Kisters, HR

Neun Bistümer bilden im Frankfurter Priesterseminar ihren Nachwuchs aus. Zusammen bringen sie es derzeit auf 16 Priester-Anwärter. Bedenkt man, dass maximal die Hälfte der Männer sich am Ende weihen lässt, heißt das: Manche Bistümer dürfen in den kommenden Jahren bloß einen in Deutschland ausgebildeten neuen Seelsorger begrüßen.

Unter einigen Leitern der Priesterseminare macht der Begriff der Nulllinie die Runde. In der Medizin heißt das: Herzstillstand.

Als Therapie versucht es die katholische Kirche in Deutschland nun mit dem sogenannten Synodalen Weg. Delegierte Laien und Bischöfe treffen sich ab heute in Frankfurt am Main und beraten über Reformen. Vier Themengebiete werden besprochen: der Zölibat, Machtstrukturen, die Rolle von Frauen in der Kirche und die Sexualmoral. Die Wünsche derer, die künftig Gemeinden leiten wollen, sind klar.

#kurzerklärt: Ist die katholische Kirche noch zu retten?
29.01.2020, Sebastian Kisters, HR

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Diskussion um Umgang mit Homosexualität

Eine Verteufelung von Homosexualität müsse aufhören. Viele junge Priester-Kandidaten wollen auch Frauen oder Männer, die sich lieben und zusammen leben möchten, ihren Segen geben. Priester-Anwärter Felix Lamberti sagt: "Ich will später kein Priester sein, bei dem Leute an die Tür klopfen, und ich muss sagen: Das Lehramt sieht einen Segen für Euch nicht vor." Weder theologisch noch humanwissenschaftlich könne er das jemandem erklären.

 

Ein Thema mit Zündstoff bei den Diskussionsrunden. Wie alle anderen. Priester-Anwärter Andreas Hahne befürchtet, es könne bei vielen Katholiken zu großen Enttäuschungen kommen. Bei denen, die erwarten, dass sich durch den Synodalen Weg ganz viel ganz schnell ändert. Und bei jenen, die jede kleine Veränderung als Verrat an der reinen Lehre empfinden. "Beide Positionen wird man schwer zusammen bringen können."

Matthias Kremer
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Matthias Kremer verließ vor wenigen Monaten das Frankfurter Priester-Seminar

Vatikan mahnt: Kein deutscher Sonderweg

Rom hat sich bereits vor Beginn der Frankfurter Reform-Diskussionen in Stellung gebracht. Es dürfe keinesfalls deutsche Sonderwege geben, mahnt der Vatikan.

Das ist auch den angehenden Priestern klar. "Was die Weihe von Frauen zu Priesterinnen angeht: Da muss sich jeder klar sein, solche Themen können nicht in Deutschland entschieden werden", sagt Andreas Hahne. Aber Schritte in Richtung Gleichberechtigung wünscht er sich. "Frauen könnten die Erlaubnis bekommen, Predigten zu halten."

Am Zölibat will der Großteil des Nachwuchses nicht rütteln. Es sei schließlich die Lebensweise Jesu gewesen, sagt Felix Lamberti. Und doch: "Es ist eine Haltung, die man einnimmt, aber immer wieder in Frage stellt."

Der Missbrauchsskandal ist allgegenwärtig

Viele angehende Priester halten nicht bis zur Weihe durch, weil sie sich verlieben. Das erlebte auch Matthias Kremer, der vor wenigen Monaten das Frankfurter Priester-Seminar verließ. Er wollte diesem Gefühl nachspüren, das er in dieser Intensität nicht kannte. Doch da war noch mehr, das ihn fort trieb. Die Kirche habe ein Glaubwürdigkeitsproblem. "Wer Menschlichkeit will, muss Menschen, die in ihrem tiefsten Inneren verletzt sind, doch helfen". Zehn Jahre sei es nun her, dass der Missbrauchsskandal aufgedeckt worden sei. Es könne nicht sein, dass Opfer immer noch keine Entschädigungen von der Kirche bekommen hätten.

Der Skandal ist allgegenwärtig. Kein Semester während der Ausbildung ohne Präventions-Veranstaltungen. Doch das reiche nicht, meint auch Andreas Hahne. "Meine Sorge ist, dass die Frage der Entschädigung weiter auf die lange Bank geschoben wird. Es sieht so aus, als wolle sich kein Bistum zuerst bewegen." Das schade der katholischen Kirche.

Der Synodale Weg ist eine Folge des Missbrauchskandals. Heute beginnen die Reform-Debatten. Zwei Jahre lang wollen sich Bischöfe und Laien zu Diskussionsrunden treffen. Nicht nur die verbliebenen Priester-Anwärter sind gespannt, wohin der Weg führt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Januar 2020 um 11:00 Uhr.

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