Entwicklung von Impfstoffen Komplett verdrehte Aussage

Stand: 01.02.2021 17:55 Uhr

Ein Pharmakonzern soll die Impfstoffentwicklung gegen das Coronavirus eingestellt haben, weil es besser wäre, infiziert zu werden und sein Immunsystem arbeiten zu lassen. Aber diese Behauptung stimmt nicht.

Von Wulf Rohwedder, Redaktion ARD-faktenfinder

Weltweit forschen zahlreiche Institute und Unternehmen an Impfstoffen gegen das Sars-CoV-2-Virus - mit unterschiedlichem Erfolg. Der US-Konzern Merck Sharp & Dome (MSD) hat nun mitgeteilt, dass er die Entwicklung zweier Impfstoffe eingestellt hat.

Dies soll laut dem Toxikologen Stephan Hockertz einen erstaunlichen Grund haben: "Das Unternehmen sagte, dass man nach intensiven Forschungsarbeiten festgestellt habe, dass es besser wäre, statt einer Impfung das Virus zu bekommen und sein Immunsystem arbeiten zu lassen", behauptete er auf Twitter.

Merck dementiert

Die von Hockertz verlinkte Pressemitteilung von Merck stellt die Sachlage jedoch völlig anders dar: Demnach wurde die Arbeit an den Impfstoffen eingestellt, weil diese eine geringere Immunität hervorriefen als andere Vakzine. Zudem habe die Immunantwort unter der gelegen, die durch eine Infektion durch Sars-CoV-2-Viren hervorgerufen wird.

Eine Empfehlung, sich durch eine bewusste Ansteckung mit den Viren zu immunisieren, wird in dem Text nicht gegeben. "Die Aussage von Herrn Hockertz stammt so nicht von uns und verdreht die Fakten", erklärte Iris Pest von der deutschen Niederlassung des Konzerns. Die Sachlage sei eine völlig andere: "Die Impfstoffkandidaten wurden zwar von den Studienteilnehmern im allgemeinen gut vertragen, konnten aber leider nicht die Wirksamkeit zeigen, die für eine Weiterentwicklung notwendig gewesen wäre."

Merck Sharp & Dome (MSD) werde die Forschungstätigkeiten zu Sars-CoV-2/Covid-19 uneingeschränkt fortsetzen. Dabei wolle man sich auf therapeutische Präparate konzentrieren, aber auch weiterhin das Potenzial anderer Impfstoffkandidaten evaluieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hockertz, der 2004 die universitäre Forschung aufgab und seitdem als Unternehmensberater arbeitet, umstrittene Thesen zur Corona-Pandemie verbreitet. So wurden unter anderem seine Behauptungen zur Gefährlichkeit von Covid-19 und den RNA-Impfstoffen widerlegt.

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