QAnon-Anhänger in den USA bei einer Versammlung der Republikaner | Bildquelle: AFP

Verschwörungsaffine Kandidaten Schafft es QAnon in den US-Kongress?

Stand: 14.08.2020 10:30 Uhr

Bei Trump-Wahlveranstaltungen gehören sie zum harten Kern: Die Anhänger des Verschwörungsmythos QAnon. Ein paar Dutzend von ihnen kandidieren bei der Wahl im November für die Republikaner.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Marjorie Taylor Greene lässt sich von ihren Anhängern feiern. Die Geschäftsfrau aus Georgia ist gerade als Kandidatin für den US-Kongress nominiert worden - mit sehr guten Aussichten: Ihr ländlicher Bezirk im Norden von Atlanta ist fest in republikanischer Hand.

Marjorie Taylor Greene | Bildquelle: AP
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QAnon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene hat gute Chancen, es in in den US-Kongress zu schaffen.

Die Fake Media, der Sumpf in Washington D.C., das politische Establishment hätten versucht sie, zu verhindern, ruft die platinblonde Mittvierzigerin. "Aber wir sind mehr als die." Greene hat den Philanthropen George Soros als "Nazi" und die Top-Demokratin Nancy Pelosi als "Bitch", als Hure, verunglimpft. Sie behauptet, dass es eine islamische Invasion der US-Regierung gibt. Und: Greene ist Anhängerin der Verschwörungsbewegung QAnon.

Bekenntnis in YouTube-Video

Der Gründer der Bewegung, der ominöse Q, sei ein Patriot, der mit ihnen voll auf Linie liege und auch pro Trump sei, so Greene in einem YouTube-Video von 2017, das sie inzwischen gelöscht hat. Greene ist eine von über 70 republikanischen Kandidaten, die QAnon mehr oder weniger offen und intensiv anhängen - und eine der knapp 20, die von den Wählern ihrer Partei bislang auch tatsächlich nominiert wurde.

QAnon entstand 2017 in einem anonymen Chatroom, erklärt Joe Uscinski im Skype-Interview. Der Professor von der Universität von Miami studiert seit zehn Jahren Verschwörungstheorien und politische Randgruppen. "Diese Person oder diese Personen haben behauptet, für Trump zu arbeiten. Der sei dabei, einen satanischen, Baby-fressenden Prostitutionsring zu bekämpfen, der Teil des Staats im Staate sei. Und dass er bald all die Mitglieder dieser Kabale festnehmen und nach Guantanamo bringen werde, um sie dort wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzuhängen."

FBI sieht Terrorgefahr

Das FBI stufte die Bewegung im vergangenen Jahr als potenzielle inländische Terrororganisation ein. Einige Anhänger wurden wegen verschiedener Gewaltdelikte festgenommen. Einer steht in New York wegen Mord vor Gericht: Er hatte einen Mafia-Boss erschossen. Um Trump zu helfen - wie er angab.

QAnon-Anhänger in den USA | Bildquelle: REUTERS
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Die QAnon-Bewegung gewinnt nicht nur bei den US-Republikanern an Einfluss.

Verschwörungsexperte Uscinski warnt davor, QAnon als ultra-rechts abzustempeln. Umfragen würden zeigen: Drei Viertel der Amerikaner hätten nie von davon gehört. Unter den vielen Verschwörungstheorien sei QAnon eine der unbeliebtesten - und von ihren relativ wenigen Anhängern würden sich genauso viele als Demokraten wie als Republikaner bezeichnen.

"Das einzige, was die Bewegung konservativ oder republikanisch macht, ist, dass Trump ihr Held ist", sagt Uscinski  "Aber die Republikaner an sich lieben die QAnon-Leute nicht. Im Gegenteil: Einige von denen würden sie am lieben aufknüpfen."

Präsident unterstützt QAnon

US-Präsident Donald Trump hat mit diesen Unterstützern offenbar gar kein Problem. Im Gegenteil: Fast 200 Tweets von QAnon-Anhängern hat der Präsident schon weitergeleitet und einen zu sich ins Weiße Haus eingeladen. Bei seinen Wahlkampfveranstaltungen gehört das "Q" auf Postern, T-Shirts und Kappen längst dazu. Und Greene, die "Q" als Patrioten pries, sagte der Präsident eine große Zukunft in ihrer Partei voraus.

Uscinski wundert das nicht: "Er hat noch nie eine Verschwörungstheorie ausgelassen. Und manche, die er unterstützt, sind noch verrückter als diese. Der Grund ist, dass er eine Koalition von Leuten gebildet hat, die Anti-Establishment sind und einen starken Hang zu Verschwörungstheorien haben. Die haben ihn ins Amt gebracht - und jetzt muss er mit ihnen weitertanzen."

Republikanische Partei in Gefahr?

Dass deshalb aber die gesamte republikanische Partei in Gefahr sei, von QAnon-Anhängern unterwandert zu werden, das glaubt Uscinski nicht - selbst wenn tatsächlich ein paar von ihnen ab November im US-Kongress sitzen werden. Marjorie Green, die QAnon-Kandidatin aus Georgia sieht das ganz anders: "Wenn die Republikaner im Herbst gewinnen wollten, dann müssten sie auf Politikerinnen wie sie hören. Sie spreche für die schweigende Mehrheit."

Mit Verschwörungstheorien in den US-Kongress? QAnon und die Republikaner
Julia Kastein, ARD Washington
14.08.2020 09:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 14. August 2020 um 15:51 Uhr.

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