Airbus A400M (Archivbild, ©Bundeswehr/Andrea Bienert) | Bildquelle: Bundeswehr /Bienert

Transportflugzeug A400M Das fliegende Milliardenrisiko

Stand: 29.03.2018 14:53 Uhr

Das Transportflugzeug A400M ist alles andere als ein Exportschlager. Wenn sich das nicht ändert, bleibt der Bund auf einem Milliardenkredit sitzen. Das geht aus einem vertraulichen Papier hervor.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Jahrzehntelang lief die Beschaffung von Panzern, Schiffen und Flugzeugen für die Bundeswehr immer gleich ab: Die Streitkräfte sagten, was sie brauchen und die Politik entschied dann auf Basis von Wirtschaftsinteressen und politischer Opportunität, was die Armee bekommt.

Häufig ging dann auch der Auftrag an die heimische Industrie, etwas ganz neu zu entwickeln statt marktverfügbare Systeme zu kaufen. So begann auch die Leidensgeschichte des Airbus-Transportfliegers A400M. Das Flugzeug, das inzwischen selbst beim Hersteller als schwierig gilt, leidet unter technischen Problemen und Qualitätsmängeln.

Ursula von der Leyen | Bildquelle: dpa
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Ursula von der Leyen setzt weiter auf den Export des A400M - die Aussichten werden aber immer schlechter.

Kurzfristige Operationen unmöglich

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet nun über Probleme mit dem Missionsplanungssystem, das es unmöglich mache, medizinische Evakuierungsmissionen oder andere kurzfristige Operationen durchzuführen. So dauere es bis zu 50 Stunden, um etwa Daten zum Treibstoffverbrauch in die verschiedenen Systeme einzugeben. Das sei "nicht akzeptabel", urteilt die Bundeswehr selbst. Es gebe ein signifikantes Risiko, dass der A400M die taktischen Anforderungen nicht erfülle, wenn die Luftwaffe in wenigen Jahren ihre betagte Flotte von Transall-Transportern ausmustert.

Auch im jüngsten Bericht über die Einsatzfähigkeit der wichtigsten Waffensysteme der Bundeswehr ist von aufwändigen, nicht planbaren Instandhaltungsmaßnahmen die Rede. Die andauernde Misere um das Flugzeug ist keine gute Werbung für Airbus. Dabei sucht das Unternehmen händeringend nach Exportkunden.

KfW-Darlehen droht zu platzen

Und weil Airbus ein deutsch-französisches Prestigeunternehmen mit vielen Arbeitsplätzen ist, gibt es dabei auch reichlich Unterstützung durch die Politik. Die versucht, den Verkauf des wenig beliebten Ladenhüters anzukurbeln und gewährte Airbus ein großzügiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Doch offenbar rechnet man im Verteidigungsministerium inzwischen damit, dass die Exportbemühungen ziemlich fruchtlos bleiben könnten und Airbus den Kredit nicht oder nur teilweise zurückzahlen kann. Das fehlende Geld muss der Verteidigungsetat, der sogenannte Einzelplan 14, verkraften.

In einer vertraulichen Einschätzung des Ministeriums, die tagesschau.de vorliegt, wird eine drohende Belastung in Milliardenhöhe attestiert. Sollte sich kein weiterer Exportverkauf ergeben, "wäre das bewilligte Darlehen nicht zurückzuzahlen und würde den Einzelplan 14 durch Zins und Zinseszins mit zirka 1,382 Milliarden Euro bei unveränderter Laufzeit belasten", heißt es in der Einschätzung im nicht öffentlichen Teil des jüngsten Rüstungsberichtes.

Airbus A400M | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Mit Auftritten bei Flugschauen will Airbus für sein Transportflugzeug werben.

Werbeauftritte wecken wenig Nachfrage

Keine guten Nachrichten für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die sich derzeit emsig bemüht, mehr Geld für ihre technisch in etlichen Bereichen marode Truppe zu bekommen. Wenig verwunderlich also, dass man sich im Wehrressort weiter bemüht, den Export des A400M zu unterstützen, etwa durch die Teilnahme an internationalen Luftfahrtschauen, wie es in dem vertraulichen Papier weiter heißt.

Doch trotz solcher mit Steuergeld gesponserter Werbeauftritte für Airbus gibt es bislang nur bei wenigen Ländern Interesse. Indonesien etwa möchte eine Handvoll Maschinen kaufen, Gespräch laufen auch mit Saudi-Arabien, Peru und Neuseeland. Das wird kaum reichen, um den Milliardenschaden für den Verteidigungsetat und damit auch die deutschen Steuerzahler abzuwenden.

Bundeswehr wird zu viel bestellte Maschinen nicht los

Bereits vor gut einem Jahr musste das Ministerium zähneknirschend einräumen, dass es nicht gelungen ist, für 13 überzählige A400M Käufer zu finden. Die Bundeswehr hatte ihre Bestellung von 53 auf 40 Stück reduziert. Nun aber muss die Luftwaffe die Maschinen abnehmen und betreiben, weil Airbus sich auf keine Stornierung einließ. Die grob geschätzten Zusatzkosten wurden auf mehr als 500 Millionen Euro beziffert.

Über dieses Thema berichtete B5 am 29. März 2018 um 14:15 Uhr.

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