Ein Flugzeug ist hinter Stacheldraht zu sehen. | Bildquelle: dpa

Erstes Halbjahr Abschiebungen wegen Corona auf Tiefstand

Stand: 06.08.2020 02:23 Uhr

Die Zahl der Abschiebungen in Deutschland ist im ersten Halbjahr auf einen Tiefstand gesunken. Das ist vor allem auf die Coronavirus-Pandemie zurückzuführen. Die Linken wiederholen nun den Ruf nach einem kompletten Abschiebestopp.

Die Zahl der Abschiebungen ist im ersten Halbjahr 2020 auf einen Tiefstand gesunken. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vorliegt. Demnach wurden 4.616 Menschen in den ersten sechs Monaten in ihre Heimat zurückgeschickt. Im Vorjahreszeitraum seien es 11.496 Menschen und damit mehr als doppelt so viele gewesen.

3.877 Abschiebungen erfolgten per Flugzeug, unter den Betroffenen waren 996 Frauen und 782 Minderjährige. In 362 Fällen benutzten die Einsatzkräfte Gewaltmittel, um Ausländer abzuschieben. 448 Abschiebungen scheiterten, wie aus der Antwort weiter hervorgeht. In 74 Fällen verweigerten Piloten oder Fluggesellschaften die Beförderung.

Tiefstand auf Corona-Pandemie zurückzuführen

Die Corona-Pandemie ist den Angaben zufolge ein Hauptgrund für die gesunkene Zahl der Abschiebungen. Zugleich hat das Virus die Zahl der Zurückweisungen an den Grenzen hochschnellen lassen. 12.188 Menschen wurden laut Ministerium im ersten Halbjahr an der Einreise gehindert, das waren etwa so viele wie im gesamten vergangenen Jahr (13.689). Zu den wichtigsten Gründen der Zurückweisungen zählte "eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit". Im Vorjahr war das Fehlen von gültigen Reisedokumenten der Hauptgrund.

Mit Blick auf die fortdauernde Pandemie forderte die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke einen Abschiebestopp. "Nachdem vorübergehend aufgrund der Corona-Pandemie kaum noch Abschiebungen stattfanden, geben die Abschiebebehörden sich nun einige Mühe, die Abschiebemaschinerie wieder zum Laufen zu bringen", sagte sie. "Dies ist unverantwortlich, denn die Pandemie ist längst nicht vorbei. Um die Gesundheit der betroffenen Menschen nicht zu gefährden, müssen Bund und Länder bis auf Weiteres alle Abschiebungen stoppen."

Offenbar deutlich weniger Abschiebungen
Nina Barth, ARD Berlin
06.08.2020 06:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. August 2020 um 06:05 Uhr.

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