Ein Anhänger der AfD demonstriert mit zwei Fotos von Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag und einer Deutschlandfahne in der Innenstadt von Erfurt. | Bildquelle: dpa

Aufruf der "Flügel"-Kritiker "Die AfD ist keine Björn-Höcke-Partei"

Stand: 10.07.2019 11:33 Uhr

Erst wetterte der AfD-Politiker Höcke gegen eigene Parteimitglieder, nun folgte der Konter. In einem Appell kritisieren unter anderem die Partei-Vizes Höckes Verhalten - mit deutlichen Worten.

Der Thüringer AfD-Fraktionschef und Partei-Rechtsaußen Björn Höcke hat den Zorn zahlreicher Parteifreunde auf sich gezogen. In einem Appell "für eine geeinte und starke AfD", der nun veröffentlicht wurde, heißt es: "Mit seiner Rede beim Kyffhäuser-Treffen am Sonnabend hat Björn Höcke die innerparteiliche Solidarität verletzt und ist damit unseren Wahlkämpfern und Mitgliedern in den Rücken gefallen."

Unterzeichnet wurde der Appell unter anderem vom Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann und von den drei Partei-Vizes Albrecht Glaser, Kay Gottschalk, Georg Pazderski. Auch Bundestagsabgeordnete schlossen sich dem Appell an sowie der rheinland-pfälzische Landeschef Uwe Junge und die niedersächsische AfD-Chefin Dana Guth.

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Image-Film über Höcke

Höcke hatte Berichten zufolge am vergangenen Wochenende auf dem jährlichen Kyffhäusertreffen des rechtsnationalen "Flügels" den Bundesvorstand und Schiedsgerichte der AfD attackiert und angedeutet, selbst für den Vorstand zu kandidieren. Demnach rief er seinen Anhängern zu: "Ich kann Euch garantieren, dass dieser Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird."

Er soll den Berichten zufolge ein "Flügel"-Abzeichen für treue Dienste verliehen haben. Ein Image-Film soll seine dominante Rolle in der Vereinigung unterstrichen haben, die der Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich des Rechtsextremismus einstuft.

Meuthen hat Verständnis für Anti-Höcke-Appell

Die Unterzeichner des Appells bezeichneten diesen Auftritt als "exzessiv zur Schau gestellten Personenkult", den die überwiegend bürgerliche Mitgliedschaft von mehr als 35.000 Personen ablehne. Höcke habe "spaltende Kritik" geäußert und sogar "ihm nicht genehme Mitglieder aufgefordert, die Partei zu verlassen". Wenn Höcke als "Anführer" des rechtsnationalen "Flügels" den Anspruch erhebe, für die AfD als Gesamtpartei zu sprechen, "leistet er dem um sich greifenden Verdacht Vorschub, dass es ihm in erster Linie um den 'Flügel' und nicht um die AfD geht", heißt es weiter. 

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen zeigte Verständnis für den Anti-Höcke-Appell. "Dieser Aufruf wundert mich nicht, denn der Unmut und die massive Kritik über das Auftreten und manche Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden sind in der Partei sehr vernehmlich", sagte Meuthen der Deutschen Presse-Agentur.

Ko-Parteichef Alexander Gauland sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Ich halte die Rede von Björn Höcke genauso wie den Fahneneinzug auf dem Kyffhäuser-Treffen für unangebracht." Den Appell habe er nicht unterschrieben, "weil ich ihn in Wahlkampfzeiten für ähnlich unangebracht halte", fügte Gauland hinzu. Auch Meuthen gehört nicht zu den Unterzeichnern.

Die Unterzeichner des Appells stellten klar: "Die AfD ist und wird keine Björn-Höcke-Partei". Höcke solle sich auf seine Aufgaben in Thüringen beschränken.

Über dieses Thema berichteten am 10. Juli 2019 Deutschlandfunk um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 15:00 Uhr.

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