Hintergrund

Gerhard Scröder und die Agenda 2010

Zehn Jahre "Agenda 2010" Eine Reform mit Wirkungen und Nebenwirkungen

Stand: 07.04.2013 12:28 Uhr

Bereits vor 2003 beginnt die Bundesregierung, das Rentensystem zu reformieren. Mit der Einführung der Riester-Rente wird die private Altersvorsorge gefördert. Nach Ansicht des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln markiert die "Agenda 2010" daher keinen Wendepunkt in den Rentenpolitik.

Teil der SPD-Reformmaßnahmen unter Schröder ist jedoch die Einführung des sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor in die Rentenformel. Er besagt, dass die Rentenerhöhung niedriger ausfällt, wenn die Zahl der Rentner im Vergleich zu den Beitragszahlern überproportional steigt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit der älter werden Bevölkerung bedeutet das faktisch geringere Renten. Der Nachhaltigkeitsfaktor ist aber nur einer von mehreren Einflussgrößen, der die Rentenhöhe beeinflusst.

Rentensenkung
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Langes Warten auf die Rente. Seit der Einführung der Agenda 2010 ist das Renteneintrittsalter um fast ein Jahr angestiegen.

Rente: Was die "Agenda 2010" gebracht hat

Die Agenda-Politik hat auf die Rente hauptsächlich indirekte Auswirkungen. Das Ziel der Schröder-Regierung, die Beitragssätze zur Rentenversicherung unterhalb von 20 Prozent zu halten, wird bis heute erreicht. Die Sätze steigen nach 2003 von ursprünglich 19,5 Prozent auf bis zu 19,9 Prozent im Jahr 2011. Seitdem fallen sie jedoch wieder. Aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung senkt die Bundesregierung den Beitragssatz für 2013 auf 18,9 Prozent. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen monatlich 9,45 Prozent des Bruttolohns in die Rentenkasse.

Die Herausforderungen heute sind angesichts der vergleichsweise guten Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr Löcher in der Rentenkasse, sondern die Sorge vor Altersarmut. Denn die Ausweitung des Niedriglohnsektors schneidet einen großen Teil der Bevölkerung von einer ausreichenden Rente ab.

Die direkten Folgen der "Agenda 2010" sind für die Rentner eher negativ. Auch durch die Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors steigt die durchschnittliche Altersrente zwischen 2003 und 2011 nur leicht an. Von 733 Euro pro Monat auf 743 Euro. Die Renten sind heute auf einem ähnlichen Niveau wie vor zehn Jahren.

Renteneintrittsalter steigt

Ein direkter Einfluss der Agenda lässt sich auch beim Verrentungsalter feststellen. 2003 sind die Deutschen beim Eintritt in die Rente durchschnittlich 62,9 Jahre alt. Danach arbeiten die Menschen allmählich länger bis zum Ruhestand. Frauen sind 2011 beim Renteneintritt im Schnitt 63,2 Jahre alt, Männer sogar 63,8 Jahre. Die Deutsche Rentenversicherung rechnet damit, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Das liege auch an den Beschlüssen der Agenda-Politik - die den Anreiz verstärkt habe, länger zu arbeiten.

An einen solchen Effekt glaubt auch der Arbeitsmarktforscher Hilmar Schneider. Er macht für die spätere Verrentung besonders die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe verantwortlich. Vor 2003 hätten die über einen längeren Zeitraum ausbezahlten Hilfen den Effekt des Jobverlusts länger abgefedert - ein faktischer Frühverrentungsanreiz, sagt Schneider.

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