Altenpfleger Ferdi Cebi | Bildquelle: dpa

Ferdi Cebi Altenpfleger aus Überzeugung

Stand: 16.07.2018 04:03 Uhr

Im Wahlkampf lud er spontan die Kanzlerin ins Seniorenheim ein, jetzt kommt sie tatsächlich vorbei. Wer ist der Mann, der Angela Merkel den Pflegealltag zeigen will?

Von Tim Belke, WDR

Ferdi Cebi ist beliebt im St. Johannisstift in Paderborn. Das ist kaum zu übersehen, wenn man den Altenpfleger bei seiner Arbeit beobachtet. Hildegard und Margot, beide jenseits der 90, kommen aus dem Schwärmen gar nicht heraus: "Na ja, das ist eben der Ferdi. Der versteht uns. Ja, der versteht uns. Der weiß genau, was wir wollen", sagt die eine. "Der ist ganz in Ordnung. Schwer in Ordnung ist der. Das ist unser Bester hier", die andere.

Und noch etwas ist offensichtlich: Ferdi Cebi ist Altenpfleger aus Überzeugung. Er liebt seinen Job, trotz der oftmals schlechten Rahmenbedingungen. Dabei war Altenpfleger anfangs alles andere als sein Berufswunsch:

"Ich wollte erstmal Maler und Lackierer werden oder Tischler. Ich war mir da noch nicht sicher", sagt er. "Ich habe dann erstmal den Zivildienst vorgezogen und dann nach ein, zwei Monaten gemerkt, dass mir das so viel Spaß macht und dass es eigentlich genau das ist, was ich machen will. Und dann bin ich glücklicherweise auch hier geblieben und bin froh, dass das alles so passiert ist."

Altenpfleger Ferdi Cebi | Bildquelle: dpa
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Altenpfleger Cebi im St. Johannisstift in Paderborn.

Lange Arbeitszeiten, große Gehaltsunterschiede

Seit seinem Zivildienst hat Ferdi Cebi das St. Johannisstift nicht verlassen. Er ist zufrieden mit seinem Arbeitgeber. Altenheime in kirchlicher und öffentlicher Trägerschaft zahlen in der Regel zwischen 2600 und 3300 Euro Gehalt pro Monat. In privaten Einrichtungen ist es oft deutlich weniger.

Cebi sieht sich deshalb als Sprachrohr für alle Pfleger: "Was mir auch sehr wichtig ist, was ich definitiv ansprechen will: Wir haben hier eine Fünf-Tage-Woche. Das heißt: Zehn Tage arbeiten, vier Tage frei. Aber andere Kollegen arbeiten zwölf Tage und haben nur zwei Tage frei", erklärt er. "Es gibt Altenpfleger, die verdienen 600 Euro weniger als ich - netto. Und das kann es einfach nicht sein, denn die machen genau die gleiche harte Arbeit."

Neben dem Gehalt bekommt er aber noch etwas anderes für seine Arbeit, sagt der 36-Jährige. Die alten Menschen geben ihm viel zurück. Ihre Lebenserfahrung habe ihn von Anfang an fasziniert. Dank seiner offenen, freundlichen Art vertrauen ihm die Bewohner im Johannisstift vieles an.

Merkel besucht den Pfleger

Ein älterer Herr habe ihm zum Beispiel mal erzählt, dass er seine Schwester nach dem Krieg mehr als 50 Jahre nicht gesehen habe. Cebi nahm sich das zu Herzen, machte die Dame ausfindig, und die beiden konnten erstmals miteinander telefonieren. Eine kleine gute Tat für jemanden, der von sich sagt, er wolle "ein bisschen die Welt verändern".

So lässt sich auch sein Auftritt im ZDF erklären. Vor der Bundestagswahl lud er spontan Kanzlerin Merkel ein, ihn bei der Arbeit zu begleiten. Heute kommt sie tatsächlich nach St. Johannisstift, um Cebi bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

Er habe sich damals nicht den Frust von der Seele reden wollen, sagt Cebi heute, sondern er es sei ihm darum gegangen, etwas zu verändern in einem Beruf, den er eigentlich liebt: "Mir ist wichtig, dass etwas für diesen Beruf getan wird. Weil das erstens ein schöner Beruf ist. Zweitens muss er wieder für jüngere Menschen attraktiver werden. Und deswegen setze ich mich dafür ein."

Musik als Ausgleich

Und das nicht erst seit seinem Fernseh-Auftritt. In seiner Freizeit ist der Familienvater leidenschaftlicher Musiker. Die Musik ist ein Ausgleich für Cebi. In seinen Texten verarbeitet er oftmals Erfahrungen aus seinem Berufsalltag.

Und: Hin und wieder nimmt er auch Bewohner mit ins Studio und dreht mit ihnen Musikvideos. Auch das ist vielleicht ein Grund dafür, warum Cebi bei den älteren Herrschaften im St. Johannisstift so beliebt ist: "Da hat er mich mitgenommen ins Studio, ans Schlagzeug. Und ich habe so getan, als ob ich spielen könnte. Ja, der Ferdi ist schon der Beste!", sagt einer.

Altenpfleger Ferdi Cebi - ein Portrait
Tim Belke, WDR
16.07.2018 06:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 im Morgenecho am 16. Juli 2018 um 06:14 Uhr.

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