Ein Gefängnis in Aleppo | Bildquelle: dpa

Vorwurf der Folter Anklage gegen syrische Ex-Geheimdienstler

Stand: 29.10.2019 11:42 Uhr

Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen zwei frühere Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes erhoben. Die Behörde wirft den Männern Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Assads Foltergefängnissen vor.

Zum ersten Mal kommen in Deutschland zwei Syrer wegen Gräueltaten in den Foltergefängnissen von Präsident Baschar al-Assad vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft hat am Oberlandesgericht Koblenz Anklage gegen zwei frühere Geheimdienstmitarbeiter erhoben. Das teilte die Karlsruher Behörde mit.

Den beiden Männern, die bereits in Untersuchungshaft sitzen, werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. Sie hatten sich 2012 und 2013 aus Syrien abgesetzt und waren im Februar in Berlin und Rheinland-Pfalz festgenommen worden. Damals gab die Bundesanwaltschaft ihr Alter mit 56 und 42 Jahren an.

Mindestens 4000 Menschen brutal gefoltert

Einem der Beschuldigten, Anwar R., werden 58 Morde, Vergewaltigung und schwere sexuelle Nötigung vorgeworfen, wie die Anklagebehörde mitteilte. Er leitete laut Anklage 2011 und 2012 eine auf die Bekämpfung von Oppositionellen spezialisierte Einheit.

In einem von der Einheit betriebenen Gefängnis in Damaskus wurden der Anklage zufolge Menschen systematisch gefoltert, um Geständnisse und Informationen zu erhalten. R. habe die Abläufe in dem Gefängnis kontrolliert und sei dadurch für die brutale Folter von mindestens 4000 Menschen verantwortlich. Mindestens 58 Gefangene seien an den Folgen gestorben.

Der zweite Angeklagte, Eyad A., war laut Bundesanwaltschaft in einer Abteilung tätig, die der Einheit von R. zuarbeitete. Er soll im Jahr 2011 mindestens 30 Teilnehmer einer regierungskritischen Demonstration verfolgt und in das Gefängnis gebracht haben, obwohl er von der Folter wusste.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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