Petrischalen mit sogenannten Krankenhauskeimen, die Mehrfachresistenzen gegenüber Antibiotika aufweisen.  | Bildquelle: dpa

Immer mehr Antibiotika-Resistenzen "Eine bedenkliche Entwicklung"

Stand: 23.07.2018 11:59 Uhr

Sie sind schon länger ein Problem: Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft. Neue Daten des Robert-Koch-Instituts belegen, dass sie sich immer mehr ausbreiten.

Resistente Keime gegen wichtige Reserve-Antibiotika breiten sich vor allem bei Krankenhauspatienten immer mehr aus. Das geht aus Daten des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger (NRZ) der Ruhr-Universität Bochum hervor, die das Robert Koch-Institut in Berlin kürzlich veröffentlichte.

Im vergangenen Jahr fanden sich in fast jeder dritten Patienten-Probe demnach Enzyme, die von Bakterien produziert werden und Resistenzen unter anderem gegen Reserve-Antibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme verursachen. Insgesamt waren es 2533 solcher Fälle.

Bei betroffenen Patienten fallen damit die meisten sehr gut wirksamen Antibiotika aus. Ärzte müssten auf die "Reserve der Reserve" zurückgreifen, sagte Niels Pfennigwerth vom NRZ. Diese Medikamente hätten oft Nachteile, etwa bezüglich der Nebenwirkungen.

Tharapiemöglichkeiten zunehmend eingeschränkt

Besorgniserregend sei vor allem eine merkliche Zunahme von Keimen mit mehr als einer Carbapenemase. Die Folge: Die Therapiemöglichkeiten würden in der Regel noch weiter eingeschränkt.

Der NRZ-Bericht basiert auf gut 8000 Proben vor allem von Krankenhauspatienten, die 355 Labore in Deutschland im vergangenen Jahr an das NRZ schickten. Solche Abklärungen gibt es in der Regel dann, wenn bei einem Patienten mehrere Antibiotika nicht ansprechen.

Pfennigwerth sprach von einer "bedenklichen Entwicklung", mahnte aber auch vor Alarmismus. "In Deutschland haben wir im Vergleich zu Italien und Griechenland noch ein niedriges Niveau." Repräsentative Daten gebe es allerdings nicht.

Resistente Keime sind zwar grundsätzlich nicht gefährlicher als andere und für Menschen mit intaktem Immunsystem in der Regel harmlos. Zum Problem können die Erreger jedoch für geschwächte Patienten werden, etwa auf Intensivstationen.

Prinzipiell können sie zum Beispiel Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen hervorrufen - und sind wegen ihrer Resistenzen nur schwer zu behandeln. Erreger entwickeln unter anderem deshalb Resistenzen, weil Antibiotika bei Mensch und Tier zu häufig und oft nicht zielgenau verabreicht werden.

Darstellung: