Felix Klein | Bildquelle: dpa

Antisemitismusbeauftragter Klein Meldesystem für das Dauerproblem Judenhass

Stand: 04.10.2018 12:57 Uhr

Judenhass zeige sich in Deutschland wieder offener, beklagt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Klein. Er will konkrete Vorfälle nun in einem zentralen Meldesystem erfassen lassen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, will eine klarere Haltung der deutschen Öffentlichkeit gegen Judenhass erreichen. Er sieht eine neue Qualität von Angriffen auf Juden in Deutschland. Das zeigten die Vorfälle in Chemnitz, wie er dem Bayerischen Rundfunk sagte.

Allerdings lägen viele Vorkommnisse auch unterhalb der Schwelle der direkten Gewalt, beispielsweise wenn jüdischen Restaurantbesitzern verdorbenes Schweinefleisch vor die Tür gelegt werde. Damit alle Fälle erfasst werden, will er ein neues Meldesystem einführen. Mit MIRA - der Melde-, Informations- und Recherchestelle gegen Antisemitismus - sollen antisemitische Vorfälle bundesweit gesammelt werden.

Kampf gegen Antisemitismus im Internet

Insgesamt trete Judenhass wieder offener zutage. Wer sich früher nicht getraut habe, antisemitische Sprüche zu reißen, könne das heute "ungehemmter und unverhohlener" im Internet tun, er dem SWR. Im Netz sei erst einmal niemand, der widerspreche und es sei auch leichter, Gleichgesinnte zu treffen.

Nun wolle man gemeinsam mit israelischen Behörden Werkzeuge entwickeln, um Antisemitismus im Internet zu bekämpfen. 90 Prozent der Straftaten gegen Juden würden von Rechtsradikalen begangen, so Klein. Er nimmt derzeit in Israel an den Regierungskonsultationen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teil.

"Antisemitismus ist gegenwärtig"

Klein sprach sich zudem für vorsorgende Maßnahmen aus. Lehrer sollten besser in die Lage versetzt werden, bei antisemitischen Vorfällen einzugreifen. Auch sei es wichtig, mehr Angebote in Jugendzentren zu schaffen, damit junge Menschen nicht auf rechtsradikale Gruppierungen hereinfielen. Insgesamt müsse ein "Klima des Bewusstseins" geschaffen werden, dass "Antisemitismus gegenwärtig ist, dass er nicht klein geredet wird".

Denn 80 Prozent der in Deutschland lebenden Juden haben Klein zufolge den Eindruck, der Antisemitismus habe zugenommen und sei ein ernstes Problem. Zugleich seien etwa 80 Prozent der nicht jüdischstämmigen Bevölkerung in Deutschland der Meinung, es gebe wichtigere Probleme

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2018 um 13:00 Uhr.

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