Ein deutscher Tourist sonnt sich am Schwimmbad eines Hotels in Palma de Mallorca | Bildquelle: dpa

Arbeitsrecht Wenn Corona die Urlaubspläne durchkreuzt

Stand: 08.07.2020 03:24 Uhr

Lange geplant, lange gefreut, durch Corona geplatzt: Vielen Arbeitnehmern macht die Pandemie einen Strich durch die Urlaubsplanung. Gerne würden sie ihre Ferien verschieben. Ist das rechtlich möglich?

Von Axel John, SWR

Beim Blick auf ihren Wandkalender mit der Urlaubsplanung für dieses Jahr muss Christine Werner tief durchatmen. Beim Kreditversicherer Coface erstellt sie im Rechnungswesen die Bilanzen. Die Kalkulation ihrer Ferien in Zeiten von Corona war fast genauso schwierig.

Wie bei Millionen anderer Arbeitnehmer hat das Virus auch bei Christine Werner aus Mainz die Urlaubsplanung komplett durcheinander gewirbelt: "Dabei hatten wir schon Anfang 2020 alles gebucht", erinnert sich die 39-Jährige. "Doch dann kam Corona." Damit gab es keine planbare Arbeitszeit - und keine Urlaubszeit - im Unternehmen. "Eigentlich waren wir in den letzten Wochen im Last-Minute-Modus. Immer wieder haben wir den Urlaub verschoben und dann doch gestrichen."

Normalerweise wäre Christine Werner mit ihrem Mann und den beiden Kindern jetzt in Südspanien. Inzwischen hat sie die Reise aber storniert. Stattdessen geht es in rund drei Wochen nach Griechenland. Dabei war ihr erster Urlaubsantrag für Andalusien vom Arbeitgeber längst genehmigt worden. Dennoch konnte sie ihre Ferien noch einmal umlegen.

Kurzfristige Wünsche kein Einzelfall

Für Personalchef Holger Beckmann ist Werner kein Einzelfall. Corona stellte auch ihn vor ganz neue Herausforderungen. Beckmann schätzt, dass jeder fünfte Mitarbeiter im Unternehmen die Urlaubspläne kurzfristig ändern musste oder wollte - auch aus familiären Gründen, etwa um sich in der Corona-Krise um Angehörige zu kümmern.

Einige Wünsche habe man aus betriebsbedingten Gründen nicht erfüllen können. Das seien aber Ausnahmen gewesen, erklärt Beckmann. "Wir versuchen, die Bedürfnisse beider Seiten aufeinander abzustimmen. Wir wollen so auch attraktiv auf dem Arbeitsmarkt sein." Entgegenkommen etwa in Fragen der Urlaubsplanung könne in der heutigen Situation das entscheidende Quäntchen sein, um Fachkräfte zu holen und auch langfristig zu halten. "Die Werte ändern sich. Es geht nicht nur um mehr Geld oder ein schickes Büro. Das Miteinander, der Teamspirit, die Unternehmenskultur und auch Flexibilität - wie jetzt in der Corona-Krise - werden immer wichtiger."

Auch Werner ist froh über die gemeinsame Lösung mit ihrem Arbeitgeber. "Die Arbeit im Unternehmen muss natürlich erledigt werden. Aber wenn die Absprachen getroffen und die Übergabe der Projekte an die Kollegen erfolgt sind, läuft es eigentlich sehr unkompliziert." Man müsse sich eben auch aufeinander verlassen können. "Ich stehe auch bereit, wenn jemand seinen Urlaub noch mal umlegen möchte."

"Für den Gesetzgeber ist die Planungssicherheit wichtig"

Auch viele weitere Unternehmen kommen ihren Beschäftigten in Sachen Urlaubsplanung freiwillig entgegen, erzählt Björn Becker aus seinem Berufsalltag. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Dabei seien die Regelungen im Bundesurlaubsgesetz klar. "Gesetzlich ist es nicht möglich, dass der Arbeitnehmer einseitig bereits genehmigten Urlaub aufhebt oder verschiebt. Die Parteien müssen hier immer eine einvernehmliche Regelung finden", erklärt Becker die Rechtslage. "Für den Gesetzgeber ist die Planungssicherheit wichtig - für beide Seiten." Deshalb seien kurzfristige oder nicht abgestimmte Entscheidungen nicht vorgesehen.

Die neuen Herausforderungen durch Corona könne das Gesetz nicht abbilden. "Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied, ob der Urlaub daheim oder an einem anderen Ort genommen wird. Entscheidend ist, dass der Arbeitnehmer von der Arbeit freigestellt wird und sich erholen kann."

Corona - was kommt noch auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu?

Beim langfristigen Blick auf das zweite Halbjahr wagt Personalchef Beckmann nur eine kurzfristige Einschätzung. "Wir können nur auf Sicht planen." Mit den Kolleginnen und Kollegen sei es ein Geben und Nehmen. "Kommt etwa eine zweite Corona-Welle, dann müssen wir natürlich noch mal auf unsere aktuelle Urlaubs- und Personalplanung schauen. Wir brauchen auf beiden Seiten Flexibilität und setzen sie deshalb auch um - weit über die gesetzlichen Regelungen hinaus."

Christine Werner steht immer noch vor ihrem Wandkalender im Büro. "Ganz langsam macht sich bei mir auch ein bisschen Vorfreude auf Griechenland breit. Ich hoffe jetzt nur, dass in den nächsten vier Wochen nichts Dramatisches mehr passiert und wir endlich losfahren können." Trotzdem hätten sie und ihr Mann noch Urlaubstage aufgespart. "Vielleicht müssen die Kitas und Schulen noch mal geschlossen werden und wir haben dann wieder unsere Kinder Daheim. Wir müssen flexibel bleiben, denn niemand weiß, was Corona noch alles bringt."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 09. Juli 2020 um 05:47 Uhr.

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