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Aufklärungsprojekt für Schüler Über Sex zu reden, fällt vielen schwer

Stand: 04.02.2020 19:03 Uhr

Vielen Schülern fällt es schwer, über Sex und seine Risiken zu reden. Das Präventionsangebot "Liebesleben" will das ändern. Dafür setzt das Projekt auch Parcours und Themenstationen an Schulen ein.

Von Carsten Schabosky, WDR

Welche Kondome gibt es und wie wende ich sie richtig an? Was ist der Unterschied zwischen AIDS und HIV? Und wer weiß, was ein Tripper oder Chlamydien sind? Das sind einige der Themen, um die es beim Projekt "Liebesleben" geht. In Köln ist der Parcours in einer Sporthalle aufgebaut. Schüler können dort zum Beispiel an Plastik-Attrappen üben, wie man ein Kondom abrollt.

"Ich habe gelernt, wie das geht und wie man sich vor Geschlechtskrankheiten schützt!", kichert ein Siebtklässler. Aufklärung ist wichtig. Sexuell übertragbare Infektionen nehmen weltweit zu. Allein in Deutschland stecken sich jedes Jahr, nach Angaben des Bundesforschungsministeriums, rund 300.000 Frauen mit Chlamydien an. Die wenigsten wissen aber, was es mit dem Thema genau auf sich hat und wie man sich schützen kann.

"Solche Themen mit einer Freundin oder einem Freund zu besprechen, fällt nicht leicht. Das haben wir nicht gelernt. Und genau darum geht es in dem Projekt", erklärt Beate Lausberg, Projektleiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Reden fällt schwer

Aber über Sex und seine Risiken reden, fällt den meisten Jugendlichen schwer, wissen die Projektmacher. Denn schon im Elternhaus ist das Thema oft tabu.

Es fehlen Informationen, ein offener Austausch und vor allem die Sicherheit im Umgang mit dem Thema Sexualität, so die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Allein die Vorstellung, dass die eigenen Eltern miteinander schlafen, ist zum Beispiel oft ein absolutes No-Go. Wie also über Gefahren reden, wenn schon über die schönen Seiten von Sex geschwiegen wird?

Themenstationen zu HIV

Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren an weiterführenden Schulen. An den Themenstationen erhalten sie interaktiv unter anderem Infos zu HIV und anderen Infektionen, sicherem Sex, Gefühlen und sexueller Vielfalt.

Florian Reuther, vom Verband der Privaten Krankenversicherung, erklärt: "Sexualkunde ist heute fest im schulischen Lehrplan verankert. Genau da holt das Projekt Schülerinnen und Schüler ab, um Lehrkräfte aller Schulformen in ihrer sexualpädagogischen Arbeit zu unterstützen."

Infos auch für Lehrer

Neben dem Einsatz der Themenstationen gibt es auch eine Fortbildung. Lehr- und Fachkräfte lernen in vier bis fünf Stunden Methoden und Materialien des neuen Projektes kennen und können selbst ausprobieren.

Nach der Fortbildung und den Parcours-Einsatz erhält jede Schule von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Materialkoffer mit den zentralen Methoden und Projekt-Materialien für den dauerhaften Einsatz.

"Mit dem können Lehrer eigenständig weiter in ihrer Schule im Unterricht, in Projekttatgen oder auch auf Klassenfahrten diese Themen einsetzen", so Beate Lausberg, Projektleiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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