Flüchtlinge und Berufsausbildung Bäckerausbildung eines Flüchtlings

Trendwende Zahl der Azubis steigt wieder

Stand: 11.04.2018 12:39 Uhr

Über Jahre entschieden sich immer weniger Jugendliche für eine Lehre - auch, weil vielen ein Studium attraktiver erscheint. Nun kehrt sich der Trend um. Ein Grund könnten Zuwanderer sein.

Erstmals seit 2012 haben vergangenes Jahr wieder mehr junge Menschen eine Ausbildung in Deutschland begonnen. 2017 schlossen rund 514.900 junge Menschen einen neuen Lehrvertrag ab, wie das Statistisches Bundesamt mitteilte. Auf Basis der vorläufigen Zahlen sei das ein kleines Plus von einem Prozent gemessen am Jahr 2016.

Damit endet ein jahrelanger Abwärtstrend, der in vielen Branchen die Sorge vor Fachkräftemangel verstärkt hatte. 2016 hatte die Zahl der neuen Auszubildenden mit 510.900 noch ein historisches Tief erreicht. Als Grund galten das hohe Interesse an einem Studium und die tendenziell schrumpfenden Jahrgänge im Zuge des demografischen Wandels.

11.000 Flüchtlinge in Ausbildung

Als Ursache für die Wende vermuten die Statistiker nun die zunehmende Ausbildung von Flüchtlingen. Belegen lasse sich dies aber noch nicht, betonen sie.

Derzeit absolvieren im Handwerk laut Branchenverbrand ZDH gut 11.000 Flüchtlinge eine Ausbildung. Auch in Industrie- und Handelsberufen kommen viele in einer Lehre unter. Dort sind es dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge rund 9300. Jedoch haben viele Flüchtlinge schlechte Deutsch-Kenntnisse. Die Wirtschaft fordert daher mehr Sprachangebote.

Flüchtlinge erlernen Grundfertigkeiten der Metall- und Elektrotechnik. | Bildquelle: dpa
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Flüchtlinge entscheiden sich immer häufiger für eine Ausbildung.

Auch Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hatten jüngst belegt, dass immer mehr Flüchtlinge hierzulande eine Ausbildung machen. Im vergangenen September absolvierten demnach fast 27.700 junge Leute aus den wichtigsten acht Asylherkunftsländern eine duale Ausbildung, etwa im Fahrzeugbau oder der Körperpflegebranche. Das waren 15.400 mehr als ein Jahr zuvor und gut 21.000 mehr als im Herbst 2015.

Viele Lehrstellen weiter unbesetzt

Wermutstropfen: Viele Ausbildungsplätze bleiben nach wie vor unbesetzt und die Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist so hoch wie seit den 1990er-Jahren nicht mehr. Der Arbeitgeberverband BDA betonte, die Betriebe hätten 2017 trotz sinkender Zahlen von Schulabsolventen über 10.000 Ausbildungsplätze mehr bereitgestellt. Zum zehnten Mal in Folge habe es mehr unbesetzte Plätze als unversorgte Bewerber gegeben.

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Die Chancen junger Menschen auf eine Lehrstelle seien gut und bei Flexibilität bei Beruf und Arbeitsort "sogar hervorragend". Dennoch konnten demnach 2017 fast 50.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. "Das sind fehlende Fachkräfte von morgen", warnten die Arbeitgeber. Berufliche Bildung und realitätsnahe Berufsorientierung, auch an Gymnasien, müssten ausgebaut werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. April 2018 um 12:15 Uhr und 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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