Gesperrte Gleise am Frankfurter Hauptbahnhof nach der Tötung eines Jungen. | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

Attacke im Frankfurter Bahnhof Erschütterung und eine schwere Debatte

Stand: 30.07.2019 11:12 Uhr

Haftrichter-Termin, Beratungen der Sicherheitsbehörden und eine Debatte um Vorkehrungen an Bahnhöfen. Die tödliche Attacke auf einen Achtjährigen in Frankfurt sorgt weiter für Fassungslosigkeit. Unklar ist das Tatmotiv.

Nach der tödlichen Attacke auf einen Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof wird der Tatverdächtige heute dem Haftrichter vorgeführt. Das Motiv des 40-Jährigen ist weiter unklar.

Er hatte den Jungen am Montag im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind starb am Unglücksort. Der Mann soll auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett gestoßen und es bei einer weiteren Person versucht haben. Die 40-jährige Mutter habe sich auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Die dritte Person konnte sich in Sicherheit bringen, ohne in die Gleise zu stürzen. Der Tatverdächtige kommt laut Innenministerium aus Eritrea.

Der mutmaßliche Täter lebte im Kanton Zürich in der Schweiz. Laut Schweizer Polizei war er im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Seehofer trifft Sicherheitsbehörden

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte nach der Attacke seinen Urlaub unterbrochen. Er verurteilte "diese entsetzliche Tat auf das Schärfste". Angesichts "mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" will sich Seehofer heute in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Die Ergebnisse wird er auf einer Pressekonferenz vorstellen.

Bei dem Treffen soll es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa neben der Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.

Am Abend soll es im Frankfurter Hauptbahnhof eine öffentliche Andacht geben. Eingeladen hat die Frankfurter Bahnhofsmission, dabei sein sollen Vertreter von katholischen und evangelischen Gemeinden.

Debatte über Sicherheitsvorkehrungen

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor brachte bessere Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen ins Gespräch. SPD-Verkehrsexperte Martin Burkert bemängelte in der "Bild"-Zeitung eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen, außerdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten. Seine Parteikollegin Anke Rehlinger widersprach: Taten wie in Frankfurt seien durch Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern, sagte die Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke."

Ähnlich äußerte sich Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn Hessen. "Man kann so etwas nicht hundertprozentig verhindern", sagte er. An größeren Bahnhöfen wie dem Frankfurter Hauptbahnhof gebe es sogar noch vergleichsweise viel Aufsichtspersonal. An kleinen Bahnhöfen oder Haltepunkten könne letztlich auch jemand aus einer Hecke hervorspringen und Reisende auf die Gleise stoßen.

Polizeigewerkschaftler warnt vor Nachahmung

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte unterdessen vor Nachahmungstätern. Aus Großstädten wie Berlin seien Fälle sogenannter S- und U-Bahn-Schubser schon länger bekannt. "Die Polizei versucht sich nach jedem Fall präventiv besser einzustellen. Bei Taten, die vorsätzlich geschehen, stößt sie jedoch an ihre Grenzen", sagte Radek dem RND. Angesichts von 5600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland dürfe nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden.

Der Frankfurter Fall erinnert an eine Attacke, die sich vor gut einer Woche in Voerde in Nordrhein-Westfalen ereignet hatte: Dort hatte ein Mann eine Frau an einem Bahnhof vor einen Zug gestoßen und so getötet.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. Juli 2019 um 08:00 Uhr.

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