Ein Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen liegt auf einem Tisch | Bildquelle: dpa

Medien zu Testpanne in Bayern "Gefährliche Selbstüberschätzung"

Stand: 14.08.2020 10:27 Uhr

Die Kommentare zur Testpanne sind voll mit Kritik an Ministerpräsident Söder und seiner Landesregierung: Sie habe sich massiv blamiert, heißt es beispielsweise. Doch auch der Bund wird in der Pflicht gesehen.

Die "Nürnberger Nachrichten" kritisieren die Münchner Landesregierung scharf: "Die Erkenntnis ist nicht neu: Die bayerische Politik neigt zur Selbstüberschätzung. Das ist manchmal amüsant, bei Corona allerdings gefährlich." Vor allem, wenn die Regierung aus Fehlern nichts gelernt habe. "Das Land blamiert sich gerade bis auf die Knochen", schreibt das Blatt weiter. "Denn es zeigt sich, dass es mit den eigenen vollmundigen Ankündigungen nicht Schritt halten kann."

"Der verheerendste Punkt des Testversagens ist medizinischer Natur", heißt es in der "Mittelbayrischen Zeitung" aus Regensburg. Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml bleibe angesichts Hunderter nicht informierter positiv Getesteter nur, "darum zu beten, dass möglichst wenig 'Superspreader' darunter sind." Sie müssten hoffen, dass sich die Reiserückkehrer aus Risikogebieten an die Quarantäne-Pflicht bei fehlendem Testergebnis hielte. Aber: "Nach menschlicher Erfahrung ist leider nicht damit zu rechnen, dass das in allen Fällen so gewesen ist."

"Söders Image hat Kratzer bekommen"

Die tagesthemen nehmen vor allem Söder ins Visier: "Alles unter Kontrolle! Das ist der Führungsstil von Markus Söder." Diese Kontrolle aber sei ihm entglitten. "Seine schnellen Entscheidungen, sein Vorpreschen hatten ihm in der Vergangenheit den Ruf des obersten Krisenmanagers verschafft. In Windeseile Teststationen aus dem Boden zu stampfen - Strukturen zu schaffen, damit Urlauber nicht nur schnell getestet, sondern auch schnell informiert werden - den Aufwand hat Söder unterschätzt." Dass sich viele in falscher Sicherheit wiegten, bleibe "ein schwerwiegender Schaden": "Das Image des Mannes, der sinngemäß gesagt hat: 'Nur wer Krise kann, kann auch Kanzler!' hat Kratzer bekommen."

Stephanie Stauss, BR, kommentiert die Corona-Test-Panne unter Söder
Tagesthemen 22:15 Uhr, 13.08.2020

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Auch die "Frankfurter Rundschau" sieht vor allem Söder in der Verantwortung: "Er wollte die freiwilligen Tests für alle Reiserückkehrer und er wollte sie schnell - trotz Warnungen vor Kapazitätsengpässen." Damit sei er über die Einigung von Bund und Ländern hinausgegangen, die nur Rückkehrer aus Risikogebieten überprüfen. "Von einem 'Service für Deutschland' sprach Söder. Bei der CSU im Allgemeinen und bei Söder im Besonderen ist gern immer etwas eine Nummer größer als eine Nummer kleiner. Es stellt sich nun heraus: Angeordnet ist schnell etwas, organisiert ist es aber deswegen noch lange nicht."

"Kein Ruhmesblatt, aber auch kein Notstand"

"Selbst in Markus Söders Musterland läuft also nicht alles optimal", meint auch die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ): "Gut 44.000 Leute warten noch auf Corona-Testergebnisse aus Bayern? Haben die bayrischen Behörden wirklich vor, jeden Einzelnen zu informieren?" Andernorts werde nur kontaktiert, wessen Ergebnis positiv ist. Im diesem Fall hätte dies eine dreistellige Zahl von Anrufen, Mails oder SMS bedeutet - keine fünfstellige. "Trotzdem sollte man nicht aus Häme gleich die politische Zukunft des CSU-Chefs infrage stellen", meint die NOZ. "Dass die Landesregierung wackelt, weil die Tester von Menge und händischer Verarbeitungsweise überfordert waren, ist kein Ruhmesblatt; es ruft aber auch keinen Notstand hervor."

Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) sieht angesichts der unterschiedlichen Politik der Bundesländer den Bund in der Pflicht: "Die föderale Vielfalt offenbart auch einen kreativen Umgang der Politiker mit Verantwortung." Bund und Länder arbeiteten an Konzepten für mehr Personal - "doch das dauert viel zu lange". Was Gesundheitsämter jetzt brauchten, sei schnelle und fähige Unterstützung. Sinnvoll wären Expertenteams, die sofort einsatzfähig sind. "Verantwortung für den Aufbau einer solchen Truppe könnte der Bund übernehmen. Zumindest sollte er sich verantwortlich fühlen", schreibt die SZ.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. August 2020 um 22:15 Uhr.

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