Ein Mann betrachtet Bilder auf einem Bildschirm | Bildquelle: ARD-aktuell / Weiss

Missbrauch in Bergisch Gladbach Urteil gegen 27-Jährigen erwartet

Stand: 26.05.2020 03:15 Uhr

Er soll in mehr als 30 Fällen Kleinkinder missbraucht haben: Vor dem Landgericht Kleve wird heute ein Urteil gegen einen 27-Jährigen erwartet. Was in Bergisch Gladbach begann, führte zu bundesweiten Ermittlungen.

Von Jan Koch, WDR

Heute soll das erste Urteil fallen: gegen einen Soldaten vom Niederrhein. Das Landgericht Kleve verhandelt seine Anklage, seit Mitte Mai steht er dort vor Gericht. An einem der ersten Verhandlungstage hatte er den ersten Übergriff auf seine damals zwei Jahre alte Tochter geschildert. Es sei am Wickeltisch geschehen. Laut seinen Erzählungen nutzt er immer wieder die Zeit, wenn seine Frau gerade nicht zu Hause ist.

Doch er bleibt nicht allein. Seine Taten teilt er im Chat mit einem Partner. Der fordere, dass doch auch ein Junge dabei sein solle. Sein damals fünf Jahre alter Stiefsohn wird somit auch zum Opfer. Auch soll der Angeklagte sich an seiner eigenen Nichte und an der Tochter des Mannes aus Bergisch Gladbach vergangen haben, durch den die Ermittlungen ausgelöst wurden. Drei der missbrauchten Kinder sind nach Angaben des Gerichts Nebenkläger in dem Verfahren. Sexueller Missbrauch in mehr als 30 Fällen - das wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor. Genauso wie für die Herstellung kinderpornografischen Materials.

Urteil im Missbrauchsfall in Bergisch Gladbach erwartet
tagesschau 12:00 Uhr, 26.05.2020, Antraud Cordes-Strehle, WDR

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Erste Festnahmen Ende Oktober

Es ist Ende Oktober 2019: Ein Tipp aus Kanada bringt die Ermittler auf die Spur. Anders als in Deutschland müssen Internetprovider dort melden, wenn sie auf kinderpornografisches Material stoßen. Polizei und Staatsanwaltschaft schlagen zuerst in Bergisch Gladbach zu. Ein 42 Jahre alter Familienvater wird in seiner Wohnung festgenommen. Er soll seine Tochter missbraucht und Aufnahmen der Tat online veröffentlicht haben.

Nach Auswertungen seiner Handydaten kommt es zu weiteren Festnahmen. Auch von einem Zeitsoldaten vom Niederrhein - derjenige, der heute vor Gericht steht.

Es werden damals massenhaft Datenträger beschlagnahmt, erzählt Ulrich Bremer von der Staatsanwaltschaft Köln: "Wir haben an den verschiedenen Tatorten erhebliches Beweismaterial gefunden. Allein in dem Fall in Bergisch Gladbach sind es etwa sieben Terabyte an Daten." Bis heute entdecken sie durch zahllose Chatverläufe immer mehr kinderpornografisches Material und immer mehr Tatverdächtige.

Erster Prozess in Mönchengladbach

Bereits Ende April hatte ein anderer Prozess in Mönchengladbach begonnen: Zwei 39 Jahre alte Männer sind dort unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 79 Fällen angeklagt. Zwischen 2015 und 2019 sollen die beiden Deutschen aus Krefeld und Viersen immer wieder zwei Mädchen vergewaltigt haben.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft am Landgericht Kleve Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten erhoben. Der 61-Jährige lebte nach Angaben des Gerichts zuletzt in Xanten. Ihm wird zum Teil schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in zehn Fällen vorgeworfen - darunter die eigene Tochter.

Bundesweit Tatverdächtige

Allein in Nordrhein-Westfalen identifizierte die Ermittlungsgruppe "Berg" bisher 21 Beschuldigte. Neun von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. In vier Fällen erhoben Staatsanwaltschaften Anklage, der heutige Fall gehört dazu. Die Ermittlungen in dem Missbrauchsgeschehen, der durch einen Fall in Bergisch Gladbach ins Rollen kam, erstrecken sich mittlerweile auf fast alle Bundesländer. Deshalb wurden die Fälle auch an die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften in den anderen Bundesländern abgegeben.

"Wir haben bundesweit über 70 identifizierte Tatverdächtige und haben Indizien auch auf weitere Personen", erklärt Michael Esser, Leiter der Ermittlungsgruppe Berg in Köln. "Im Moment ist noch kein Ende absehbar. Wir arbeiten mit dem gleichen Hochdruck wie im vergangenen November. Es wird Monate, eher Jahre dauern, bis wir alle sichergestellten Daten abgearbeitet haben." Es würden in den Chats sogar immer noch neue Missbrauchstaten verabredet.

Ermittlungen auch während Corona-Krise

Die Ermittlungen gingen auch in der Corona-Krise weiter. Kinder hätten befreit werden können, so die Ermittler. Über Auswertungen von Chatverläufen kommen immer wieder neue Erkenntnisse ans Tageslicht. Zum Teil seien Hubschrauber zum Einsatz gekommen, um Informationen von A nach B zu bringen.

Ein Schlusspunkt ist dieses Jahr nicht absehbar. Oberste Priorität sei es, die Opferzahl zu minimieren, immer mehr mutmaßliche Täter zu finden und verhaften zu können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

Korrespondent

Jan Koch | Bildquelle: Jan Koch Logo WDR

Jan Koch, WDR

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