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Studie zu Migration Deutsche bewerten Einwanderung weiter skeptisch

Stand: 29.08.2019 10:49 Uhr

Viele Bundesbürger sehen Zuwanderung weiter kritisch - so das Ergebnis einer Studie. Zugleich glaubt eine Mehrheit aber auch, dass sie wirtschaftlich nötig sei. Vor allem junge Menschen sind der Migration gegenüber aufgeschlossen.

In der Bevölkerung ist Skepsis gegenüber Zuwanderung groß. Rund 52 Prozent finden, es gebe zu viele Migranten. Das ergab eine repräsentative Befragung von KantarEmnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Im Gegensatz zu den Jahren zuvor hat die Skepsis aber leicht abgenommen. So meinen 49 Prozent, Deutschland könne keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen, da die Belastungsgrenze erreicht sei. 2017 hatten noch 54 Prozent diese Ansicht vertreten. Generell blickt Ostdeutschland skeptischer auf Einwanderung als der Westen. Unverändert 37 Prozent meinen, Deutschland könne und solle mehr Flüchtlinge aufnehmen, weil es humanitär geboten sei.

Je jünger, desto aufgeschlossener

Negative Einschätzungen seien zwar ausgeprägt, schwächten sich aber ab. Weitere Erkenntnis: Je jünger die Menschen und je höher die Bildungsabschlüsse, desto aufgeschlossener stehen sie Migration gegenüber. Vor allem die unter 30-Jährigen zeigten sich aufgeschlossen gegenüber Menschen aus anderen Ländern.

Nach den Turbulenzen infolge der hohen Zuwanderung von 2015 sehe inzwischen eine große Mehrheit auch verstärkt deren Vorteile, etwa für die Wirtschaft, heißt es in der Untersuchung. 64 Prozent sehen in der Einwanderung positive Auswirkungen für die demografische Entwicklung.

41 Prozent der Befragten sprachen sich explizit für den Zuzug ausländischer Fachkräfte als Mittel gegen den Personalmangel in Pflege oder Handwerk aus. Zwei Drittel der Befragten meinen, Migration mache das Leben interessanter und sei gut gegen die Überalterung der Gesellschaft.

Flüchtlinge fassen zunehmend Fuß als Auszubildende oder Facharbeiter in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. | Bildquelle: dpa
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Flüchtlinge fassen in Deutschland zunehmend Fuß als Auszubildende oder Facharbeiter

Sorgen vor Konflikten und Probleme an Schulen

Zugleich gibt es weiterhin kritische Töne gegenüber Einwanderung: 71 Prozent der Befragten glauben, dass Zuwanderung den Sozialstaat zusätzlich belastet. Gut zwei Drittel befürchten Konflikte zwischen Eingewanderten und Einheimischen.

Mehr als die Hälfte (63 Prozent) glaubt, dass zu viele Migranten die deutschen Wertvorstellungen nicht übernehmen und etwa ebenso viele befürchten Probleme an den Schulen und Wohnungsnot in Ballungsräumen.

Für die repräsentative Untersuchung "Nach der Flüchtlingskrise: Willkommenskultur zwischen Skepsis und Pragmatik" wurden mehr als 2000 Menschen ab 14 Jahren befragt, deren Muttersprache Deutsch ist. Sie ist Teil einer Langzeitstudie.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht in den widersprüchlichen Ergebnissen eine normale Entwicklung: "Deutschland stabilisiert sich als pragmatisches Einwanderungsland. Die Bevölkerung hat die Herausforderungen von Migration klar vor Augen, sieht aber auch die Chancen für eine alternde Gesellschaft." Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei deshalb ein richtiger Schritt.

Über dieses Thema berichtete WDR5 im "Morgenecho" am 29. August 2019 um 08:51 Uhr.

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