Lehrerin im Unterricht | Bildquelle: dpa

Berufswünsche von Teenagern Lieber Lehrerin als Influencerin

Stand: 22.01.2020 18:06 Uhr

Trotz sozialer Medien - Teenager träumen weiterhin von Berufen, die es schon lange gibt: Ärztin, Lehrerin, Anwalt, Polizist. Doch das birgt Gefahren für kommende Generationen, warnen Experten.

Junge Mädchen von heute streben offenbar immer noch vor allem in Berufe aus dem vergangenen Jahrhundert. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Sonderauswertung der neuesten PISA-Studie. Auch im Zeitalter sozialer Medien und künstlicher Intelligenz würden Jugendliche in den OECD-Ländern "kaum Tätigkeiten anstreben, die mit der Digitalisierung entstanden sind, sondern vor allem etablierte Berufe".

Beim Schulleistungsvergleich PISA wurden neben den Tests in Mathe, Lesen und Naturwissenschaften auch persönliche Daten erhoben. Die 15-jährigen Teilnehmer wurden zum Beispiel gefragt, in welchem Beruf sie glauben, später einmal zu arbeiten. Die Frage war nach OECD-Angaben offen gestellt, es wurde keine Liste bestimmter Berufe zum Auswählen vorgegeben.

Eine Ärztin im Gespräch mit einem Patienten | Bildquelle: ARD-aktuell / Weiss
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Der Beruf der Ärztin steht bei Mädchen hoch im Kurs. Die Jungen wollen hingegen lieber Automechaniker oder Polizist werden.

Mädchen wollen Lehrerin werden, Jungen IT-Spezialist

Die meisten Mädchen in Deutschland (10,4 Prozent) sehen sich im Alter von 30 Jahren wieder in der Schule: als Lehrerin. Dahinter folgen Ärztin (10), Erzieherin (6,4), Psychologin (4,5).

Bei den Jungen in Deutschland sieht es etwas anders aus: Immerhin erwarten die meisten 15-Jährigen (6,7 Prozent), dass sie mit 30 IT-Spezialist sein werden, viele träumen von einer Karriere als Profisportler (2,6). Oben im Ranking stehen aber weiterhin auch die Berufe Industrie- und Automechaniker (5,2 und 5,1), Polizist (4,5) oder Lehrer (3,8).

Die beliebtesten Berufe bei 15-jährigen Teenagern
MädchenJungen
1.Lehrerin (10,4 %)IT-Spezialist (6,7 %)
2.Ärztin (10 %)Industriemechaniker (5,2%)
3.Erzieherin (6,4 %)Automechaniker (5,1 %)
4.Psychologin (4,5 %)Polizist (4,5 %)
5.Krankenschwester (4,5 %)Lehrer (3,8 %)

Forderung nach mehr Berufsberatung

Der Bildungsdirektor der OECD, Andreas Schleicher, forderte, dass die Themen Berufsberatung und Arbeitswelt in den Schulen der OECD-Länder einen deutlich höheren Stellenwert bekommen sollten. "Man kann nicht werden, was man nicht kennt", sagte er am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Es besteht ein großes Risiko, dass wir die nächste Generation für unsere Vergangenheit ausbilden und nicht für deren Zukunft."

Schleicher schlug vor, mehr Arbeitgeber und Jobmessen an die Schulen zu bringen. Auch Bürger sollten Kindern ihren Beruf vorstellen. "In der Bildung müssen wir uns mehr auf die Was-, anstatt auf die Wie-Frage konzentrieren."

Viele Jugendliche haben eher traditionelle Berufswünsche
tagesschau 20:00 Uhr, 22.01.2020, D. Diehl/C. Knodt, SWR

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Nachwuchsmangel in klassischen Berufen

Porträt von PISA-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher (Archivbild).
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Der PISA-Koordinator der OECD, Schleicher, fordert mehr Berufsberatung in den Schulen.

Handlungsbedarf sieht auch die Wirtschaft. Viele Jugendliche seien auf ihren Traumberuf festgelegt und schlügen Ausbildungsangebote in weniger bekannten Berufen aus, da sie zu wenig über berufliche Perspektiven, Verdienstmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven wüssten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. "Jugendliche sollten so früh wie möglich praktische Erfahrungen sammeln. Denn: Wer weiß, was er will und kann, der trifft auch leichter die Entscheidung für den richtigen Beruf."

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, macht sich weniger Sorgen: Viele der genannten Berufe, wie Lehrer oder Arzt, würden weiter gebraucht, dort herrsche sogar Nachwuchsmangel, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem sei noch gar nicht absehbar, welche neuen Berufsbilder durch Digitalisierung in den kommenden Jahren entstehen würden. "Entscheidend für uns als Lehrerverband ist, dass wir Kindern und Jugendlichen in den Schulen eine solch umfassende Allgemeinbildung und so viel grundlegende Kompetenzen vermitteln, dass sie flexibel genug sind, sich auf die sich verändernde Berufswelt einzustellen."

"Selbsterkundungstool" soll bei Berufswahl helfen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte, die Berufsorientierung bekomme eine immer höhere Bedeutung. Darauf weise die OECD völlig zu recht hin. "Wir erhöhen hier aber auch bereits seit Jahren die Anstrengungen".

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach eigenen Angaben die Berufsberatung seit Beginn des laufenden Schuljahrs deutlich intensiviert. Hunderte zusätzliche Berufsberater seien an den allgemeinbildenden Schulen in den achten Klassen unterwegs. Auch die Berufsberatung in höheren Klassenstufen an den Gymnasien sei verstärkt worden. Eine Sprecherin verwies auch auf ein noch wenig bekanntes "Selbsterkundungstool" der BA. Online können Teenager dort einen umfangreichen auf "psychologisch fundierten Verfahren" basierenden Test durchlaufen und bekommen eine Empfehlung, welches Studium oder welcher Beruf zu ihnen passen könnte.

Wenig neue Ausbildungsberufe

In Deutschland gibt es 326 duale Ausbildungsberufe. Die Zahl selbst hat sich nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung in den vergangenen Jahren nicht maßgeblich erhöht. Die Ausbildung für die einzelnen Berufe sei aber inhaltlich an die neuen Entwicklungen angepasst worden. "Auch ein Schornsteinfeger arbeitet heute anders als noch vor 20 Jahren" sagte ein Sprecher.

Im Zuge der Digitalisierung neu hinzugekommen sind wenige Ausbildungsberufe, wie "E-Commerce-Kaufmann/Kauffrau", "Technische/r Produktdesigner/in" oder "Fotomedienfachmann/fachfrau".

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Januar 2020 um 18:10 Uhr.

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