Bischöfe auf dem Weg zur Herbstvollversammlung in Fulda | Bildquelle: dpa

Herbstvollversammlung in Fulda Das Ringen der Bischöfe

Stand: 22.09.2020 18:54 Uhr

Über Reformen in der katholischen Kirche wird unter den deutschen Bischöfen heftig gestritten. Die Fronten scheinen verhärtet. Bei ihrem Treffen in Fulda wollen die Bischöfe zumindest bei einem heiklen Thema einen Durchbruch erreichen.

Zu Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda hat sich deren Vorsitzender Georg Bätzing zum Reformprozess des Synodalen Wegs bekannt. "Der Synodale Weg geht gut voran", sagt Bätzing zum Auftakt der dreitägigen Beratungen.

Der Synodale Weg berge keine Spaltungsgefahr, sagte der Limburger Bischof. "Wir sind Kirche im Kontext der katholischen Weltkirche und werden das bleiben. Es gibt keine Tendenzen, uns als Nationalkirche abzuspalten." Dieser Vorwurf war wiederholt von dem konservativen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erhoben worden. Noch in der vergangenen Woche hatte Woelki gesagt, es wäre schlimm, wenn dadurch "so etwas wie eine deutsche Nationalkirche entstehen" würde. 

"Wir sind Kirche" fordert mutigen Reformkurs

Die Initiative "Wir sind Kirche" rief die Bischöfe zu einem mutigen Reformkurs auf. Weder die Corona-Krise noch das wiederholte Sperrfeuer aus Rom dürften den dringend notwendigen Reformprozess abbremsen, erklärte Bundessprecher Christian Weisner. Ansonsten drohe der Auszug vieler engagierter Katholikinnen und Katholiken aus der Kirche.

Eine der Mit-Initiatorinnen der Reformbewegung Maria 2.0, Elisabeth Kötter, forderte erneut eine Weihe von Frauen. Die Kirchenoberen hätten aus Jesu Botschaft eine Männerwirtschaft gemacht, sagte sie im Deutschlandfunk. Vieles sei der jüngeren Generation kaum noch zu vermitteln. Eine Revolution sei nötig.

Die stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Claudia Lücking-Michel, sagte dem SWR, Ziel müsse sein, dass alle Getauften und Gefirmten eine "gleichberechtigte Zugangsmöglichkeit zu allen Ämtern" bekommen, "die die katholische Kirche zu bieten hat".

Von konservativen Bischöfen war Maria 2.0 scharf kritisiert worden. Grundsätzlich gehe es bei dem Reformprozess darum, "Kirche zu verändern, sie so zu gestalten, dass sie den Menschen den Weg zum Evangelium öffnet", sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Bätzing. "Wir wollen Blockaden, die es da gibt, aus dem Wege räumen, damit die Evangelisierung - das ist unser Grundauftrag als Kirche - eine Chance hat im Kontext einer säkularen Welt, in der wir uns gesellschaftlich bewegen."

Nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller übt der Vatikan erheblichen Druck auf die deutschen Bischöfe aus. "Rom ist erkennbar nervös und schickt den Kölner Kardinal Woelki und den Regensburger Bischof Vorderholzer vor, die allen zarten Pflänzchen von Reformen kategorisch den Riegel vorschieben." Dabei interessiere sich der allergrößte Teil der deutschen Katholikinnen und Katholiken sowieso nicht für den Synodalen Weg, weil faktisch niemand mehr mit Reformschritten rechne.

Zahlungen nach der Schmerzensgeldtabelle

Bätzing kündigte an, die Bischöfe wollten sich bis Donnerstag möglichst auf konkrete Zahlungen an Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker einigen. "Es geht uns um ein einheitliches System", sagte der Bischof. "Wir wollen, dass jede Betroffene, jeder Betroffene einen Zugang dazu hat. Wir wollen, dass ein unabhängiges Gremium entscheidet - auch über die Höhe der Leistungen, die gezahlt werden."

Einem Grundsatzbeschluss vom Frühjahr zufolge will sich die Kirche an der zivilrechtlichen Schmerzensgeldtabelle orientieren. Diese sieht für sexuellen Missbrauch derzeit Summen zwischen 5000 und 50.000 Euro pro Fall vor.

Protest am Rande der Herbstvollversammlung der Bischöfe | Bildquelle: dpa
galerie

Druck der Basis: Eine Protestaktion am Rande der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda.

Parallel zu den Beratungen der Bischöfe wollen von Missbrauch Betroffene in Fulda zum Austausch und zur Vernetzung zusammentreffen. Die Giordano-Bruno-Stiftung machte mit einer Aktion auf das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche aufmerksam. Auf einem Plakat vor dem Fuldaer Dom war zu lesen: "DAS ist die Katholische Kirche: Missbrauch vertuschen. Entschädigungen auf die lange Bank schieben. Aber Milliarden bunkern!"

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 22. September 2020 um 12:13 Uhr.

Darstellung: