Kardinal Marx, Erzbischof von München

Bischofskonferenz bestimmt neuen Vorsitzenden Marx wird Zollitschs Nachfolger

Stand: 11.02.2020 11:14 Uhr

Kardinal Reinhard Marx ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Der 60-jährige Münchner Erzbischof wurde von den Mitgliedern des Gremiums bei der Frühjahrsvollversammlung in Münster gewählt. Marx tritt die Nachfolge von Robert Zollitsch an. Der 75-jährige Freiburger Erzbischof kandidierte aus Altersgründen nicht noch einmal.

Marx wurde im vierten Wahlgang gewählt, wie der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, mitteilte. Er stellte damit erste Angaben von Zollitsch richtig, der zuvor von fünf Wahlgängen gesprochen hatte.

Der Münchener Erzbischof wurde 1953 in Geseke im Kreis Soest geboren. Auch seine Kirchenlaufbahn hat der Kardinal in Westfalen begonnen: Nach verschiedenen kirchlichen Ämtern wurde er 1996 Weihbischof in Paderborn. In Dortmund leitete er die Kommende, das Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. 2002 verließ Marx dann seine Heimat und wurde mit 48 Jahren Bischof von Trier, bevor er 2007 von Papst Benedikt XVI. zum Münchner Erzbischof ernannt wurde.

"Neue große Herausforderung"

Marx sagte, die Bischofskonferenz habe "einen offenen und geistlichen Wahlprozess gehabt". Der Münchner Erzbischof bezeichnete sein neues Amt als "neue große Herausforderung". Er wolle daran mitwirken, die katholische Kirche "zu einer Stimme zu machen, die in diesem Land gehört wird".

Er müsse sich in den kommenden Tagen "noch mal zurückziehen und meine Gedanken sortieren", sagte Marx. Er verwies darauf, dass er bereits eine Reihe anderer zusätzlicher Aufgaben übernommen habe. So berät der Erzbischof von München und Freising Papst Franziskus bei der Reform der Kurie, leitet den vom Papst neu geschaffenen Wirtschaftsrat im Vatikan und auch die Europäische Kommission der Bischofskonferenzen.

Kanzlerin wünscht "Gottes Segen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Marx zu seiner Wahl. Die CDU-Vorsitzende wünschte ihm für seine verantwortungsvolle Aufgabe eine glückliche Hand und Gottes Segen.

Auch das Erzbistum München-Freising gratulierte dem Kardinal. Bistumssprecher Bernhard Kellner sagte in München: "Die Wahl erfüllt uns mit Stolz und Freude." Das Erzbistum werde Kardinal Marx mit allen Kräften unterstützen.

Nach Überzeugung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) steht Marx für eine offene Gesprächskultur. "Kardinal Marx wird den Weg des Dialogprozesses fortsetzen", sagte ZdK-Präsident Alois Glück. Marx werde eine Brücke schlagen zwischen den Impulsen von Papst Franziskus als dessen enger Mitarbeiter und der Situation der katholischen Kirche in Deutschland.

Die kritische Laieninitiative "Wir sind Kirche" forderte vom neuen Vorsitzenden, den begonnen Dialogprozess mit der Basis fortzusetzen.

"Zusammenarbeit beider Kirchen"

Nikolaus Schneider
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Die EKD hofft auf eine gute Zusammenarbeit mit Marx.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wünscht sich vom neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz eine enge Zusammenarbeit beider Kirchen. "Wir brauchen heute mehr denn je das gemeinsame Zeugnis unserer Kirchen, damit es deutlicher in unsere Gesellschaft hineinwirkt", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider.

Er betonte, die evangelische Kirche habe viele Anstöße von Papst Franziskus gerne aufgenommen: "Der Einsatz des Papstes für Flüchtlinge, Arme und eine menschendienliche Wirtschaft wird von uns in hohem Maße geteilt."

Führungsgremium der katholischen Kirche

Die Bischofskonferenz ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. Sie ist unter anderem für übergreifende Fragen der Seelsorge und internationale Kontakte zuständig.

Die Mitglieder treffen sich in der Regel zweimal im Jahr. Ihrem Vorsitzenden kommt eine herausgehobene Rolle zu. Er hat zwar gegenüber seinen Kollegen keine Weisungsbefugnis, agiert aber als eine Art Sprecher und äußert sich zu wichtigen kirchen- oder tagespolitischen Fragen. Er muss auch zwischen nicht selten widerstreitenden Interessen der Bischöfe vermitteln.

Die Bischofskonferenz

Die Gründung der Deutschen Bischofskonferenz geht auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) zurück. Ihre bisherigen Vorsitzenden waren:

- Julius Kardinal Döpfner, Erzbischof von München und Freising (1965-1976)
- Joseph Kardinal Höffner, Erzbischof von Köln (1976-1987)
- Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz (1987-2008)
- Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg (2008-2014)
- Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising (2014-2020)

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