Bitkom zu Impfstrategie "Chaos ist einer Hightech-Nation unwürdig"

Stand: 23.02.2021 17:25 Uhr

Überlastete Hotlines, föderaler Flickenteppich: Der Digitalverband Bitkom hat die Terminvergabe für Corona-Schutzimpfungen scharf kritisiert. Er fordert eine zentrale Datenerfassung und digitale Impfpässe.

Der Digitalverband Bitkom hat eine deutliche Verbesserung des Corona-Impfmanagements in Deutschland gefordert. "Dieses Chaos bei der Terminvergabe ist einer Hightech-Nation wie Deutschland absolut unwürdig", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Eine repräsentative Umfrage seines Verbandes habe gezeigt, dass der Weg zu einem Impftermin viel zu holprig sei: 29 Prozent der Befragten, die versucht hätten, für sich oder eine andere Person einen Termin für eine Corona-Impfung zu vereinbaren, seien erst nach 50 oder mehr Anläufen erfolgreich gewesen, so Berg. Bei 37 Prozent seien zwischen 25 und 50 Versuche notwendig gewesen. Nur 14 Prozent kamen demnach mit 15 Anläufen oder weniger zum Ziel.

Bitkom-Präsident Achim Berg | Bildquelle: dpa
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Bitkom-Präsident Achim Berg: Viel zu holpriger Weg zum Impftermin.

Weniger Bleistift, mehr Digitalisierung

Inakzeptabel sei auch die Tatsache, dass nirgendwo zentral Daten vorlägen, welche Impftermine mit den Bürgern für die kommenden Wochen vereinbart wurden, sagte Berg. In fünf Bundesländern, nämlich Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, werde ein Dienst der Kassenärztlichen Vereinigung genutzt. "Das hat dort überhaupt nicht gut funktioniert." In Berlin und Schleswig-Holstein seien dagegen mit Doctolib und Eventim private Anbieter beauftragt worden. Frankreich verwende Doctolib sogar landesweit und verfüge damit über einen viel besseren Überblick.

Mit Blick auf die Ausstattung von Gesundheitsämtern, Impfzentren und Sozialministerien sagte Berg: "Die Ausbreitung des Coronavirus können wir nicht mit Fax, Bleistift und überlasteten Telefon-Hotlines verhindern, sondern mit Datenplattformen, einer bundesweit einheitlichen digitalen Organisation von Impfterminen und einer Corona-Warn-App, deren Potentiale besser ausgeschöpft werden."

Digitalen Impfpass in Corona-Warnapp integrieren

Der Verband Bitkom setzt sich dafür ein, parallel zum klassischen gelben Impfbuch auch einen digitalen Impfnachweis einzuführen, der in die Corona-Warn-App integriert werden könnte. Mit einer digitalen und effizienten Verarbeitung von Patientendaten ließen sich die Menschen zum einen an notwendige Impf-Auffrischungen erinnern. Zum anderen sei es möglich, Nebenwirkungen systematisch zu erfassen und dringend benötigte Informationen zu eventuellen Neuinfektionen und Krankheitsverläufen zu sammeln.

Zwei Drittel der Menschen in Deutschland würden laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage einen digitalen Impfpass nutzen - 43 Prozent sagen demnach "Ja, auf jeden Fall" und 21 Prozent "Eher ja". Nur 33 Prozent lehnten einen digitalen Impfpass ab. Von diesen sagten wiederum 31 Prozent, dass sie schlicht kein Smartphone oder Tablet besitzen, mit dem eine App nutzbar wäre. Zudem wünscht sich mehr als jeder Zweite aller Befragten (56 Prozent), dass die Corona-Warn-App um einen digitalen Impfpass erweitert wird.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Februar 2021 um 14:02 Uhr.

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