Ein Rentner spricht über einen Videoanruf via Tablet mit seinem Hausarzt.  | Bildquelle: dpa

Digital in Corona-Zeiten Ältere telefonieren gern per Video

Stand: 18.08.2020 12:15 Uhr

Für einige Ältere in Deutschland sind E-Mail und Online-Shopping schon selbstverständlich. Videotelefonie und Telemedizin werden immer beliebter. Doch laut einer Bitkom-Umfrage fällt vielen der Schritt ins Internet auch schwer.

Die Corona-Krise hat die Sicht vieler älterer Menschen auf die Digitalisierung gewandelt. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digital-Branchenverbandes Bitkom unter mehr als 1000 Menschen über 65 Jahren. Zwei von fünf Senioren (40 Prozent) sagten demnach, dass sie der Digitalisierung seitdem positiver gegenüberstehen. Rund ein Viertel (23 Prozent) sah die Digitalisierung hingegen negativer.

E-Mails, Nachrichten, Shopping

Wer das Internet nutzt, ist während der Corona-Pandemie noch intensiver als zuvor online oder probiert neue Dienste aus. Praktisch alle Befragten schreiben zumindest ab und zu E-Mails (96 Prozent) und suchen nach Informationen zu persönlichen Interessen (93 Prozent). Online-Nachrichten zum aktuellen Geschehen lesen 88 Prozent, vor dem Corona-Ausbruch waren es erst 84 Prozent.

In Online-Shops kaufen inzwischen 72 Prozent ein, auf Online-Banking setzen 69 Prozent der älteren Internetnutzer. 44 Prozent von ihnen schauen über das Internet Videos, Filme und Serien. Gut jeder Dritte (34 Prozent) ist auch in sozialen Netzwerken unterwegs. Die beliebteste Plattform ist dabei mit Abstand Facebook: 57 Prozent von ihnen sind dort aktiv, das entspricht 9 Prozent aller Senioren in Deutschland.

Einen großen Sprung in der Nutzung machte die Videotelefonie: Vier von zehn Onlinern ab 65 Jahren (40 Prozent) nutzen mittlerweile entsprechende Dienste, Anfang des Jahres waren es erst drei von zehn (31 Prozent).

Zahl der Nutzer stagniert

Der Anteil der älteren Internetnutzer insgesamt hat sich innerhalb dieses Jahres allerdings kaum verändert: Nach wie vor ist jeder Zweite ab 65 Jahren online (Juli: 49 Prozent, Januar: 48 Prozent). Im Jahr 2014 waren es erst 38 Prozent. "Digitale Technologien haben sich während der Corona-Pandemie in vielen Bereichen bewährt", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. "Der Schritt ins digitale Neuland fällt Senioren aber immer noch schwer - es braucht noch mehr Hilfsangebote."

Diejenigen Menschen über 65 Jahre, die online sind, sagten der Umfrage zufolge mehrheitlich, sie könnten sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. 62 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu. Im Januar waren es noch 56 Prozent. "Diejenigen, die das Netz nutzen, sind sehr technikaffin, sehr interessiert und sehen auch die Vorteile. Wir haben aber auch einen Graben zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern, der sehr tief ist", sagte Berg.

Seniorin am Computer | Bildquelle: picture alliance / Zoonar
galerie

Rund die Hälfte der Mensch über 65 ist in Deutschland online.

Medizinische Angebote im Kommen

Die größere Bedeutung von Gesundheitsthemen könnte dazu beitragen, die Stagnation in der Internet-Nutzung zu überwinden. 38 Prozent der Befragten lassen sich inzwischen Erinnerungen für Arzttermine per SMS oder E-Mail schicken, weitere 53 Prozent können sich dies vorstellen. 37 Prozent vereinbaren solche Termine heute bereits online. Jeder Fünfte kommuniziert digital mit seinem Arzt per E-Mail (21 Prozent) oder Messenger (19 Prozent).

Deutlich geringer fallen allerdings die Zahlen bei aufwendigeren Gesundheitsanwendungen aus: Eine telemedizinische Überwachung nutzen heutzutage nur sechs Prozent der Befragten. Die Hälfte gab allerdings an, dies in Zukunft machen zu wollen.

Offenheit für elektronische Patientenakte und E-Rezept

Auch digitale Gesundheitsleistungen, die erst in den kommenden Jahren verfügbar sein werden, stoßen der Umfrage zufolge bei älteren Internetnutzern auf großes Interesse. So kann sich mehr als jeder Zweite (53 Prozent) vorstellen, die elektronische Patientenakte zu nutzen, 40 Prozent das E-Rezept. "Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kann die medizinische Versorgung verbessern und die Infektionsgefahr für die durch Corona besonders gefährdeten älteren Menschen erheblich reduzieren", sagte Berg. "Viele Senioren zeigen eine beeindruckende Offenheit gegenüber digitalen Gesundheitslösungen."

Grundlage der Angaben sind zwei repräsentative Umfragen im Januar und im Juli. Dabei wurden 1086 beziehungsweise 1075 Personen in Deutschland ab 65 Jahren telefonisch befragt.

Darstellung: