Natalie Kauther und Adrian Pollmann | Bildquelle: Sabine Müller-Thum

Experiment im Auswärtigen Amt Ehepaar wird Botschafter

Stand: 07.06.2020 19:52 Uhr

Jobsharing im diplomatischen Dienst: Zum ersten Mal wird ein Ehepaar gemeinsam als deutsche Botschafter nach Slowenien entsandt. Das Auswärtige Amt wird moderner - auch, weil es muss.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Natalie Kauther und Adrian Pollmann sitzen in ihrer Küche - denn auch bei ihnen ist in der Corona-Pandemie gerade weitgehend Homeoffice angesagt - und blicken voraus auf das Neuland, das sie ab August betreten.

"Ja, ein bisschen wie Pionierarbeit...", meint Kauther. "Wir sind sicherlich auch gespannt, wie das funktioniert, haben auch Respekt und Demut vor der Aufgabe als Botschafter an sich", sagt Pollmann.

Die beiden sind 45 und 43 Jahre alt, Juristen, seit 2005 im Auswärtigen Amt. Sie haben schon Erfahrung mit Jobsharing: Vor einigen Jahren hatten sie sich in Sarajevo einen Vize-Botschafterposten geteilt. Vize, ja gut - aber Botschafter, das ist schon nochmal eine andere Liga.

Als nach ein paar Jahren in Berlin jetzt wieder die übliche Rotation ins Ausland anstand, da hat das Ehepaar aktiv Lobbyarbeit gemacht für das geteilte Modell, erzählt Pollmann:

"Die Hauptmotivation für dieses Modell war die Erkenntnis, dass wir mehr Zeit mit unseren Kindern verbringen wollen und auch müssen. Und zwar, solange die das auch noch nachfragen. Die sind jetzt sieben, acht und zehn - und irgendwann ist das dann auch nicht mehr gefragt."

Die beiden lösen einander alle acht Monate ab

Kauther und Pollmann loben, Außenminister Heiko Maas und die Personaler seien sehr offen für solche Jobsharing-Ideen. Das war im oft biederen Außenamt längst nicht immer so. Das Ministerium sagt, man versuche halt, ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben - und Flexibilität sei da wichtig.

Das Ehepaar Kauther-Pollmann musste sich überlegen, wie sie die vierjährige Botschafterzeit in Slowenien aufteilen. Ihre Lösung: Nicht in der Mitte teilen, so dass jeder zwei Jahre macht, auch kein wochenweiser Wechsel, sondern: Sie werden sich etwa alle acht Monate ablösen.

"Die Organisation und die Absprache miteinander ist schon ein Schlüssel, dass das gelingen kann", sagt Kauther dazu. Pollmann ergänzt: "Die meisten Dinge sehen wir relativ gleich. Ich mache mir da keine großen Gedanken, dass wir große Brüche oder Unterschiede in der jeweiligen Phase haben werden."

Zwei unterschiedliche Charaktere für Slowenien

Aber Slowenien bekommt definitiv zwei Botschafter mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Pollmann hat jeden Satz dreimal durchdacht, bevor er ihn ausspricht, Kauther redet ungefilterter. Und bei der Mitarbeiterführung habe schon jeder seinen eigenen Stil, sagen die beiden.

Klar ist für sie, dass Botschafter- und Familienzeit recht strikt getrennt werden sollen. Wenn etwa Kauther gerade Botschafterin ist und krank wird, dann übernimmt nicht ihr Mann aus dem Familiendienst heraus, sondern ganz normal der Vize-Botschafter. Aber natürlich wird es Überschneidungen geben: Bei Veranstaltungen, bei denen die Ehepartner dabei sind, stehen dann - wenn nötig - zwei vollwertige politische Ansprechpartner zur Verfügung.

Die wichtige Frage, wer den Botschafter-Posten zuerst besetzt, war übrigens schnell geklärt: "Ich werde anfangen", sagt Pollmann.

Ausgerechnet der Mann? Der zum jetzigen Zeitpunkt, wo das Auswärtige Amt extrem Frauen pusht, wohl nur deshalb auf einen Botschafterposten kommt, weil er im Tandem antritt? War das nicht strittig?

"Überhaupt nicht", winkt Kauther ab. "Das war aus verwaltungsrechtlichen Gründen notwendig, dass es in dieser Reihenfolge passiert - und es passt uns auch ganz gut."

Ehepaare beäugen das AA-Experiment mit Spannung

Das Auswärtige Amt wagt mit diesem geteilten Botschafterposten ein Experiment. Der Ausgang interessiert viele - vor allem andere Ehepaare im Ministerium.

"Ja, ich glaube es gibt schon einige, die da ganz gespannt hingucken", schmunzelt Kauther.

Es gibt viele Ehepaare im Auswärtigen Amt. Beim Stammpersonal sind es gut elf Prozent. Allerdings sind die Ehepartner längst nicht immer auf dem gleichen Karriere-Level.

Selbst wenn das Kauther-Pollmann-Experiment glückt, ist für die Zukunft vermutlich keine Schwemme an Botschafter-Ehepaaren zu erwarten.

Premiere im Auswärtigen Amt – Ehepaar teilt sich Botschafterposten
Sabine Müller, ARD Berlin
07.06.2020 19:21 Uhr

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