Bürgerschaft Bremen | Bildquelle: dpa

Bürgerschaftswahl in Bremen SPD stürzt auch an der Weser ab

Stand: 26.05.2019 18:29 Uhr

Die SPD muss in Bremen - wie erwartet - schwere Verluste hinnehmen. Sie kommt laut aktueller ARD-Prognose nur auf 24,5 Prozent - und liegt damit hinter dem Wahlsieger CDU. Grüne und Linke legen zu.

Mehr als 70 Jahre regiert die SPD in Bremen - doch damit könnte es bald vorbei sein. Laut aktueller Prognose der ARD kommt die SPD nur auf 24,5 Prozent der Stimmen (2015: 32,8 Prozent) und liegt damit sogar hinter der CDU. Die Christdemokraten kommen auf 25,5 Prozent und konnten damit gegenüber 2015 (22,4 Prozent) zulegen. Bleibt der Trend so, wäre die CDU erstmals seit 73 Jahren stärkste Kraft in Bremen.

Die Grünen, die das kleinste Bundesland gemeinsam mit der SPD regieren, setzen ihren Höhenflug auch an der Weser fort: Sie kommen auf 18 Prozent (2015: 15,1 Prozent). Die Linke wird ebenfalls zweistellig, sie kommt auf 12 Prozent (2015: 9,5 Prozent). FDP und AfD schaffen mit 6 beziehungsweise 7 Prozent den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Die "Bürger in Wut", die nur in Bremerhaven antreten, kommen auf 2,8 Prozent. Das könnte wegen der Besonderheiten des Bremer Wahlrechts für einen Sitz in der Bürgerschaft reichen.

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Die erste ARD-Prognose zur Bürgerschaftwahl in Bremen

Schallende Ohrfeige

Für die Sozialdemokraten dürfte dieses schlechte Abschneiden auch im Bund besonders schmerzlich sein - denn Bremen war für die SPD lange das, was Bayern für die CSU ist: Kernland, Selbstgänger, nach den jüngsten Wahlniederlagen die vielzitierte "letzte Bastion" und hat somit eine hohe symbolische Bedeutung für die Genossen. Verliert die SPD tatsächlich die Macht in Bremen, dürfte das die bereits angeschlagene Parteichefin Andrea Nahles im Bund weiter schwächen.

Das schlechte Abschneiden der SPD dürfte auch zusammenhängen mit dem relativ blassen aktuellen Bürgermeister Carsten Sieling. In Vorwahlumfragen kam er zwar immer noch auf ordentliche Werte - von den Ergebnissen seiner Vorgänger allerdings ist er weit entfernt. Zugleich hat die SPD auch in Bremen ihre traditionellen Stammwähler - die Hafen- und Industriearbeiter - verloren. Hinzu kommt die massive Verschuldung des kleinsten Bundeslandes: Es fehlt am Geld - und das spüren die Bremer. In Bildungsrankings zum Beispiel nimmt das Land mit schöner Regelmäßigkeit den letzten Platz ein.

Jubel bei den CDU-Anhängern in Bremen nach der Bekanntgabe der ersten Prognose | Bildquelle: REUTERS
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Erstmas stärkste Kraft: Die CDU in Bremen hat allen Grund zu jubeln.

Rot-Rot-Grün? Jamaika?

Unklar ist nun, wie es in Bremen weitergeht. Für Rot-Grün reichen die aktuellen Mehrheitsverhältnisse nicht aus, möglich wäre aber wohl ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei. Bürgermeister Sieling hatte im Wahlkampf dafür geworben - und zugleich eine Große Koalition ebenso ausgeschlossen wie eine Regierung mit der FDP.

Denkbar wäre natürlich auch, dass die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder den nächsten Bürgermeister stellt. Dazu bräuchte es eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen.

Carsten Sieling (SPD) bei der Stimmenabgabe im Wahllokal | Bildquelle: dpa
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Noch Bürgermeister Carsten Sieling von der SPD...

Carsten Meyer-Heder (CDU) bei seiner Stimmabgabe im Wahllokal | Bildquelle: REUTERS
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... und sein CDU-Herausforderer Carsten Meyer-Heder.

Hohes Interesse

Die Wahlbeteiligung war in diesem Jahr deutlich höher als bei vergangenen Wahlen. Um 16.00 Uhr lag sie in ausgewählten Wahllokalen bei 46,9 Prozent, wie die Hansestadt auf ihrer Internetseite mitteilte. Briefwähler sind dabei nicht mit eingerechnet. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 hatte die Wahlbeteiligung um diese Uhrzeit nur 35,5 Prozent betragen; letztlich nahmen 50,2 Prozent der Wahlberechtigten teil.

Wegen des vergleichsweise komplizierten Wahlsystems in Bremen dauert es einige Zeit, bis verlässliche Zahlen vorliegen. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird erst am Mittwoch veröffentlicht.

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