Bürgerschaftswahl in Bremen | Bildquelle: REUTERS

Bürgerschaftswahl in Bremen Desaster für die Bremer SPD

Stand: 26.05.2019 23:54 Uhr

Für die SPD ist das Abschneiden in Bremen ein echte Katastrophe: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik könnten die Sozialdemokraten im kleinsten Bundesland die Macht verlieren.

Von Jochen Grabler, Radio Bremen

Es hat ordentlich gekracht im politischen Bremen. Die SPD verliert satte 8,6 Prozentpunkte und ist nach mehr als 74 Jahren an der Spitze des kleinsten Bundeslandes zum ersten Mal nicht mehr stärkste Kraft. Die ist nun die CDU. Doch ob die Christdemokraten auch den nächsten Senatspräsidenten stellen und Nachmieter im Bremer Rathaus werden, ist eher fraglich.

Die SPD landet bei 24,2 Prozent. Die CDU profitiert nur mäßig vom sozialdemokratischen Absturz, gewinnt 3,9 Prozentpunkte und landet bei 26,3 Prozent. Die Grünen legen zu und kommen auf 17,8 Prozent (+ 2,7 Prozentpunkte). Die Linke verbucht einen Achtungserfolg von 11,4 Prozent (+1,9). Die FDP, lange Wackelkandidatin, verliert leicht (-1,0) und kommt auf 5,6 Prozent. Die AfD zieht mit 6,9 Prozent wieder in die Bürgerschaft ein (+1,4). Schließlich schicken auch die "Bürger in Wut" mit 3,1 Prozent im Land, aber fast neun Prozent im getrennten Wahlbezirk Bremerhaven, wieder einen Abgeordneten ins Parlament.

Carsten Sieling | Bildquelle: REUTERS
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Lange Gesichter bei der SPD: Bremens Bürgermeister Carsten Sieling nach Bekanntgabe der ersten Prognose.

Jubel bei den CDU-Anhängern in Bremen nach der Bekanntgabe der ersten Prognose | Bildquelle: REUTERS
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Dagegen Jubel bei der CDU: Die Christdemokraten dürften erstmals stärkste Kraft in der Hansestadt werden.

SPD in Schockstarre

Alle Umfragen hatten schon darauf hingedeutet, dass die Bremer Sozialdemokraten einen bitteren Wahlabend erleben würden. Und trotzdem: Sichtlich geschockt versuchte Bürgermeister Carsten Sieling, das Desaster für seine Partei zu erklären. Die harten Sanierungsjahre, um die Schuldenbremse einzuhalten, hätten viele Stimmen gekostet, sagte Sieling. Dazu käme der schlechte Zustand der Bundes-SPD. 

Die Unzufriedenheit mit der Senatsarbeit der vergangenen vier Jahre wurde tatsächlich allein bei den Sozialdemokraten abgeladen, obwohl auch die Grünen seit zwölf Jahren im Senat vertreten sind. Die haben sich das Vertrauen der Wähler erhalten können. Das Vertrauen in die SPD dagegen ist auf nahezu allen Politikfeldern dahin. Und Spitzenmann Sieling war über die vier Jahre seiner Amtszeit zu blass, zu wenig präsent, alles andere als ein Wahlkampfmotor.

Auf die Grünen kommt es an

Ein großer Gewinner dagegen ist Sielings Herausforderer auch nicht. CDU-Quereinsteiger Carsten Meyer-Heder bleibt weit vom selbst gesteckten Ziel "30 plus x" entfernt. Und ob sein Traum vom Rathaus in Erfüllung geht, ist eher fraglich.

Denkbar sind nun zwei Regierungskonstellationen: Jamaika mit CDU, Grünen und FDP oder Rot-Rot-Grün. Nun richten sich also alle Augen auf die Grünen. Und die sagen, was sie schon während des Wahlkampfes gesagt haben. "Die Grünen reden mit allen", sagt Spitzenkandidatin Maike Schaefer. "Wir gucken am Ende, wo wir die größere Schnittmenge haben". Wenngleich auch sie einschränkt, dass die inhaltliche Distanz der Grünen zur FDP größer ist als zu den Linken. Zudem kommt Rot-Rot Grün beim Wahlvolk deutlich besser an. 42 Prozent der Bremerinnen und Bremer wünschen sich ein Linksbündnis. Nur 18 Prozent befürworten eine Jamaika-Koalition.

Bevor Sondierungsgespräche in die eine oder andere Richtung beginnen, müssen sich allerdings erstmal die Parteien selbst sortieren. Das beginnt am Montag. Vor allem bei den Sozialdemokraten gibt es reichlich Gesprächsbedarf. Vor vier Jahren ist Sielings Vorgänger Böhrnsen nach Verlusten von sechs Prozentpunkten zurückgetreten. Trotz Verlusten von 8,6 Prozentpunkten - Sieling denkt nicht daran, das Handtuch zu werfen. "Ich habe einen starken Rückhalt in der Partei", sagte er am späten Abend. "Ich laufe vor der Verantwortung nicht weg."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Mai 2019 um 20:00 Uhr.

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